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, Herr und Gott der Welt,

Dein, dein ist unser Leben;

Du bist es, der es uns erhält,

Und mir's jetzt neu gegeben.

Gelobet seist du, Gott der Macht,

Gelobt sei deine Treue,

Dass ich, nach einer sanften Nacht,

Mich dieses tages erfreue.

Lass deinen Seegen auf mir ruhn,

Mich deine Wege wallen;

Und lehre du mich selber tun

Nach deinem Wohlgefallen.

Nim meines Lebens ferner wahr

Auf dich hoft meine Sele;

Sei du mein Retter in Gefahr,

Mein Vater, wenn ich fehle.

Gib mir ein Herz vol Frömmigkeit,

Vol warmer Menschenliebe;

Ein Herz dass sich mit Freudigkeit

In jedem Guten übe.

Dass ich, als dein gehorsam Kind,

Nach wahrer Tugend strebe;

Und nicht, durch Leidenschaften blind,

Den Lastern mich ergebe.

Dass ich, dem nächsten beizustehn,

Beschwerlichkeit nie scheue;

Mich gern an andrer Wohlergehn

Und ihrer Tugend freue.

Dass ich das Glück der Lebenszeit

Dir dankbar, froh geniesse,

Und meinen Lauf mit Freudigkeit

Wenn du gebeutst, beschliesse. [Fussnote]

Gotlieb. O lieber Vater, wilst du mir wohl dies Lied abschreiben, dass ichs alle Morgen für mich lesen kan, wenn ich aufstehe?

Vater. Sehr gern!

Fr. R. Und ich will euch die Melodie dazu lehren: so können wir es vor dem Morgengebete singen.

Nikolas. O das ist gut! Es ist ein gar zu schönes Lied!

Vater. Da Robinson sich noch immer vor wilden Menschen und vor wilden Tieren fürchtete: so vermied er bei seiner Wanderung, so sehr er nur immer konte, die dichten Wälder und Gebüsche, und wandte sich vielmehr nach solchen Gegenden, die ihm eine freie Aussicht nach allen Seiten hin gewährten. Aber diese waren grade die unfruchtbarsten Teile seiner Insel. Er war daher schon ziemlich weit gegangen, ohne etwas zu finden, welches ihm hätte nüzlich werden können.

Endlich fiel ihm ein Gewächs in die Augen, welches er näher untersuchen zu müssen glaubte. Es waren kleine Krautbüsche, die neben einander standen und wie einen kleinen Wald ausmachten. An einigen sah er rötliche, an andern weisse Blumen und an noch andern fanden sich, stat der Blumen, kleine grünliche Aepfelchen, von der Grösse einer Kirsche.

Er biss hurtig einen derselben an, aber fand, dass sie nicht geniessbar wären. Aus Unwillen darüber riss er den Busch, von dem er sie gepflükt hatte, aus und wolte ihn wegwerfen, als er zu seiner Verwunderung an der Wurzel der Stengel allerlei kleine und grosse Knollen hängen sah. Er vermutete augenbliklich, dass diese Knollen die eigentliche Frucht der Pflanze wären, und fing an, sie zu untersuchen.

Aber mit dem Einbeissen wolte es ihm abermals nicht gelingen. Das Gewächs war hart und unschmakhaft. Robinson war schon im Begrif, sie wegzuwerfen: aber zum Glück fiel ihm ein, dass eine Sache doch wohl zu etwas gut sein könne, ungeachtet man ihren Nuzen nicht sogleich bemerkt. Er stekte also einige dieser Knollen in seine Jagdtasche und ging weiter.

Johannes. Ich weiss schon, was das für Knollen waren!

Vater. Nun, was für welche meinst du denn wohl?

Johannes. I, es waren Kartoffeln! Die wachsen ja grade so, wie sie hier beschrieben werden!

Diderich. Und die sind ja auch in Amerika eigentlich zu Haus!

Gotlieb. Ach ja, da hat sie ja der Franz Drake hergebracht! – Aber das war doch dum, dass Robinson die nicht einmal kante!

Vater. Woher kenst du sie denn?

Gotlieb. I, weil ich sie so oft gesehen und gegessen habe; sie sind ja meine Leibspeise!

Vater. Aber Robinson hatte sie nie gesehen und nie gegessen.

Gotlieb. Nicht?

Vater. Nein; weil sie damahls in Deutschland noch gar nicht bekant waren. Erst ungefähr seit 40 Jahren sind sie bei uns eingeführt und es ist wohl schon 200 Jahr her, dass unser Robinson lebte.

Gotlieb. Ja denn

Vater. Siehst du, lieber Gotlieb, dass man unrecht tut, wenn man so voreilig ist, andere Leute zu tadeln? Man muss sich immer erst selbst ganz in ihre Stelle sezen und sich dan erst fragen: ob man's besser gemacht haben würde, als sie? Hättest du auch niemals Kartoffeln gesehen und hättest du niemals gehört, wie man sie zubereiten müsse: so würdest du anfangs eben so, wie Robinson, nicht wissen, was damit zu machen sei? Lass dir diesen Umstand zur Warnung dienen, dich nie wieder für klüger, als andere Menschen, zu halten.

Gotlieb. Küsse mich, Väterchen! will's nicht mehr tun. –

Vater. Von da ging Robinson nun weiter; jedoch sehr langsam und mit grosser Vorsichtigkeit. Jedes Geräusch, welches der Wind zwischen Bäumen und büsche verursachte, erschrekte ihn und machte, dass er nach seinem Beil grif, um sich zu verteidigen, wenn's nötig wäre. Aber immer sah er zu seiner Freude, dass er sich ohne Ursache gefürchtet habe.

Endlich kam er an einen Bach, wo er sein Mittagsbrod zu verzehren beschloss. Hier sezte er sich unter einen dikken schattigten Baum, und fing schon an nach Herzenslust zu schmausenals er plözlich wieder durch ein fernes Geräusch entsezlich erschrekt ward.

Er sah ängstlich umher und bemerkte endlich eine ganze Heerde

Nikolas. Ah! gewiss Wilde!

Gotlieb. Oder Löwen und Tieger!

Vater. Keine von beiden