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vol von Früchten. Aber leider! war er nur der einzige in dieser Gegend!

Gotlieb. Was mogte denn das für ein Baum sein? Hier sind ja keine solche.

Vater. Es war ein Kokusbaum, deren es vornemlich da in Ostindien und hier auf den Inseln des grossen Südmeers gibt. Wie dieser auf Robinsons Insel mogte gekommen sein, dass kan ich euch nicht sagen. Auf den amerikanischen Inseln pflegt es sonst dergleichen nicht zu geben.

ungeachtet Robinson nun gesätiget war: so lief er doch nach dem Strande, um zu sehen, wie es heute um die Austern stände. Hier fand er zwar wieder einige; aber doch bei weitem nicht genug, um eine vollkommene Mahlzeit davon halten zu können. Er hatte also grosse Ursache Gott zu danken, dass er ihm heute ein anderes Nahrungsmittel hatte finden lassen. Und das tat er denn auch wirklich mit sehr gerührtem Herzen.

Die gefundenen Austern nahm er sich mit zum Mittagsessen, und nun kehrte er mit freudigen Mute zu seiner gestrigen Arbeit zurück.

Er hatte am Strande eine grosse Muschelschale gefunden, die er stat eines Spatens brauchte. Dadurch ward ihm seine Arbeit schon um vieles leichter. Nicht lange nachher entdekte er eine Pflanze, deren Stengel so fasericht war, als bei uns der Flachs und der Hanf sind. Zu einer andern Zeit wurde er auf so etwas gar nicht geachtet haben; jetzt aber war ihm nichts gleichgültig. Er untersuchte Alles und dachte über Alles nach, ob er nicht irgend einigen Nuzen daraus ziehen könnte?

In der hoffnung, dass diese Pflanze sich eben so wie Flachs oder Hanf werde bearbeiten lassen, riss er eine Menge davon aus, band sie in kleine Bändel, und legte sie ins wasser. Da er nach einigen Tagen merkte, dass die grobe äusere Schale vom wasser weich genug gebeizt sei, nahm er die Bündel wieder heraus und spreitete die erweichten Stengel an der Sonne aus. Kaum waren sie hinlänglich getroknet, so machte er einen Versuch, ob sie sich nun auch eben so, wie der Flachs, durch hülfe eines grossen Stoks würden boken und brechen lassen. Und siehe! es gelang ihm.

Von dem Flachse, welches er daraus gewan, machte er sogleich einen Versuch, kleine Strikke zu drehen. Diese wurden nun freilich nicht so fest, als diejenigen sind, die bei uns der Seiler drehet: weil er kein Drehrad und keinen Gehülfen hatte. Indess waren sie doch stark genug, um seine grosse Muschel damit an einem Stokke fest zu binden, wodurch er denn ein Werkzeug kriegte, welches einem Spaten ziemlich ähnlich sah.

Nun sezte er seine Arbeit fleissig fort, und pflanzte Baum bei Baum, bis er endlich den kleinen Raum vor seiner künftigen wohnung völlig eingezäunt hatte. Da ihm aber eine einzige Reihe schlanker Bäume noch keine sichere Schuzmauer zu sein schien: so liess er sich die Mühe nicht verdriessen, noch eine zweite Reihe um die erste herum zu pflanzen. Dan durchflocht' er beide Reihen mit grünen Zweigen und endlich geriet er gar auf den Einfal, den Zwischenraum zwischen den beiden Reihen mit Erde auszufüllen. Dadurch entstand nun eine so feste Wand, dass schon eine recht grosse Gewalt würde erfodert worden sein, um sie zu durchbrechen.

Alle Abend und alle Morgen begoss er seine kleine Pflanzung mit wasser aus der nahen Quelle. Zum Wassergefäss diente ihm die Kokusschale. Bald hatte er auch die Freude zu sehen, dass die jungen Bäume ausschlugen und grünten, dass es eine rechte Lust war, sie anzusehen.

Da er mit seiner Einzäunung fast völlig fertig war, wandte er einen ganzen Tag dazu an, viele und starke Strikke zu drehen. Von diesen machte er, so gut er konte, eine Strikleiter.

Diderich. Wozu denn die?

Vater. Wirst es gleich hören. – Er war Willens ganz und gar keine Tür zu seiner wohnung zu machen, sondern auch die letzte noch übrige Oefnung zu zupflanzen.

Diderich. Wie wolte er denn aber hinein und heraus kommen?

Vater. Dazu sollte ihn eben die Strikleiter dienen. Der Fels nämlich über seiner wohnung war ungefähr zwei Stokwerke hoch. Oben stand ein Baum. Um diesen legte er seine Strikleiter und liess sie bis zu sich herunter hängen. Er versuchte darauf, ob er daran hinauf klettern könnte, und es gelang ihm nach Wunsche.

Da dis Alles fertig war, so überlegte er nun, wie er es wohl anzufangen habe, um die kleine Hölung des berges noch weiter auszuarbeiten, damit sie gross genug wurde, ihm zur wohnung zu dienen. Mit seinen blossen Händen, sah er wohl, würde es nicht gehen! Was war also zu tun? Er muste suchen, sich irgend ein Werkzeug ausfindig zu machen, das ihm dazu behilflich wäre.

In dieser Absicht ging er hin nach einem Orte, wo er viele grüne Steine, die man Talksteine nent, und die sehr hart sind, hatte liegen gesehen. Da er unter denselben sorgfältig suchte, fand er zuerst einen, bei dessen anblick ihm vor Freuden das Herz im leib klopfte.

Es war nämlich dieser Stein ordentlich wie ein Beil gestaltet; er ging vorn scharf zu und hatte so gar ein Loch, um einen Stiel hinein zu stekken. Robinson sah gleich, dass er sich ein ordentliches Beil daraus würde machen können, wenn er nur das Loch ein wenig erweiterte. Hiermit kam er durch hülfe eines andern Steins nach langer Arbeit endlich glücklich zu stand. Dan stekte er einen dikken Stok zum Stiel hinein