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damit bepflanzen, dass es wie eine Wand werden sol. Wenn die denn wieder ausschlagen und wachsen, so werde ich in diesem raum so sicher schlafen können, als wenn ich in einem haus wäre. Denn von hinten beschüzt mich die steile Felsenwand und von vorn her und von den Seiten werden es die dicht gepflanzten Bäume tun. –

Er freute sich über den glücklichen Einfal und lief augenbliklich hin, ihn auszuführen. Zu seinem noch grösseren Vergnügen sah er nahe bei diesem Orte eine schöne klare Quelle aus dem Berge hervorsprudeln. Er lief zu ihr hin, um sich erst durch einen frischen Trunk zu erquikken, weil er bei dem Herumlaufen in der brennenden Sonnenhize sehr durstig geworden war.

Gotlieb. War's denn so heiss auf der Insel?

Vater. Das kanst du denken! Sieh hier (auf die Charte zeigend) liegen die Karibischen Inseln, wovon diejenige, auf welcher Robinson jetzt lebte, vermutlich eine war. Nun siehst du, diese Inseln sind nicht gar weit mehr von da weg, wo man sagt, dass man unter der Linie sei, und wo die Sonne den Leuten zuweilen grade über den Köpfen steht. Es muss da also wohl schon sehr heiss sein.

Er grub nun einige junge Bäume auf eine sehr mühsame Weise mit seinen Händen aus, und trug sie an den Ort, den er zu seiner wohnung bestimt hatte. Hier muste er nun wieder ein Loch krazen um die Bäume dahin zu pflanzen, und weil dies Alles sehr langsam von statten ging: so rükte der Abend heran, indess er kaum erst mit fünf oder sechs Bäumen zu stand gekommen war.

Der Hunger trieb ihn an, erst wieder nach der Küste zu gehen, um sich abermals einige Austern zu suchen. Allein unglücklicher Weise war grade die Zeit der Flut. Er fand also nichts, und muste sich bequemen für dasmahl hungrig zu Bette zu gehen.

Und wo? – Er hatte beschlossen, so lange auf dem Baume zu übernachten, bis er mit einer sichern wohnung werde zu stand gekommen sein. Dahin ging er also.

Um aber diese Nacht nicht wieder eben das schicksal zu haben, was er in der vorigen Nacht gehabt hatte, band er sich mit seinen Strumpfbändern um die Brust herum an dem Aste fest, der ihm zur Rüklehne diente. Dan empfahl er sich seinem Schöpfer und schlief ruhig ein.

Johannes. Das machte er klug!

Vater. Die Not lehrt uns vieles, was wir sonst nicht wissen werden. Eben deswegen hat ja auch der gute Gott die Erde und uns selbst so eingerichtet, dass wir mancherlei Bedürfnisse haben, die wir erst durch Nachdenken und allerlei Erfindungen befriedigen müssen. Diesen Bedürfnissen also haben wir es zu verdanken, dass wir klug und verständig werden. Denn wenn uns die gebratenen Tauben in den Mund flögen; wenn Häuser, Betten, Kleider, Speise und Trank und alles Andere, was wir zur Erhaltung und zur Bequemlichkeit des Lebens nötig haben, so ganz von selbst und schon ganz fertig aus der Erde hervorwüchsen; so würden wir sicherlich weiter nichts tun, als essen, trinken und schlafen; und dan würden wir bis an unsere Tod so dum bleiben, als das liebe Vieh.

Nikolas. Das hat also der liebe Gott recht gut gemacht, dass er nicht Alles so aus der Erde hervorwachsen lässt.

Vater. So wie er alles Andere in der Welt auch gut und weise eingerichtet hat! – Aber seht doch dort den lieben schönen Abendstern! Wie er so freundlich auf uns herab funkelt! Auch den hat unser Vater im Himmel geschaffen, dem wir nun noch unsern Dank für den abermals verlebten angenehmen Tag zu bringen haben. – Komt, Kinder! lasst uns Hand in Hand gelegt zu jener Laube gehen!

Vierter Abend.

Vater. Nun, Kinder, wo blieben wir denn gestern mit unserm Robinson?

Johannes. Er war wieder auf den Baum geklettert, um da zu schlafen, und

Vater. Ganz recht, ich bin schon da! – Nun für dasmahl gings besser; er fiel nicht wieder herab, sondern schlief geruhig bis an den Morgen.

Mit Anbruch des Tages lief er erst nach dem Strande, um einige Austern zu suchen, und dan wieder an seine Arbeit zu gehen. Er nahm diesmahl einen andern Weg dahin und hatte unterwegens die Freude, einen Baum anzutreffen, an dem grosse Früchte hingen. Er wuste zwar nicht, was es für welche sein mögten; aber er hofte doch, dass sie essbar wären, und schlug also eine davon herab.

Es war eine dreiekkichte Nuss, wie ein kleiner Kinderkopf gross. Die äusserste Schale war fasericht und wie aus Hanf gemacht. Die andere Schale hingegen war fast so hart als eine Schildkrötenschale, und Robinson sah bald, dass er sie statt eines Napfes würde brauchen können. Diese Schale ist so geräumig, dass der kleine amerikanische Affe, Sagoin genant, zusamt seinem langen Schwanze darin wohnen kan. Der Kern war ungemein saftig, und schmekte, wie süsse Mandeln, und in der Mitte desselben, welche hohl war, fand er eine sehr wohl schmekkende süsse Milch. Das war einmal eine Mahlzeit für unsern ausgehungerten Robinson!

Sein leerer Magen war mit einer Nuss noch nicht befriedigst; er schlug also noch eine zweite ab, die er mit eben so grossem Appetite verzehrte. Vor Freude über diesen Fund trat ihm eine Träne in die Augen, die er dankbar gegen Himmel weinte.

Der Baum war ziemlich gross und hing