Not geraten, oder gar, dass sie lasterhaft werden würden: deswegen nahm er sie von der Erde weg und führte ihre unsterblichen Selen an einen Ort, wo sie es viel besser hatten, als hier. Den Robinson aber liess er vermutlich deswegen noch am Leben, damit er durch Trübsale erst gebessert werde. Denn da er ein gütiger Vater ist: so sucht er die Menschen auch durch Leiden zu bessern, wenn sie durch Güte und Nachsicht sich nicht wollen bessern lassen.
Merkt euch dies, meine guten Kinder, und denkt daran zurück, wenn in eurem künftigen Leben euch einmal auch etwas begegnen sollte, wovon ihr nicht werdet begreifen können, warum euer guter himlischer Vater es so über euch verhengt habe! Dan denket immer bei euch selbst: »Gott weiss doch besser, als ich, was mir gut ist; ich will also gern leiden, was er mir zu schikt! Gewiss schikt er mir's deswegen zu, dass ich noch besser werden soll als ich bin; das will ich denn tun, so wird Gott es mir gewiss auch wieder wohl gehen lassen!«
Diederich. Dachte Robinson jetzt auch so?
Vater. Ja; jetzt, da er aus so grosser Lebensgefahr errettet war, und da er von allen Menschen sich nun verlassen sah: jetzt fühlte er in dem Innersten seines Herzens, wie unrecht er gehandelt habe; jetzt bat er auf seinen Knien Gott um Vergebung seiner Sünden; jetzt sezte er sich fest vor, sich von ganzem Herzen zu bessern und nie wieder etwas zu tun, wovon er wüste, dass es nicht recht wäre.
Nikolas. Aber was fing er denn nun an?
Vater. Da die Freude über seine glückliche Errettung vorüber war, fing er an, über seinen Zustand nachzudenken. Er sah sich umher: aber da war nichts, als Gebüsch und Bäume! Nirgends erblikte er etwas, woraus er hätte vermuten können, dass dieses Land von Menschen bewohnt sei. Das war nun schon ein schreklicher Gedanke für ihn, dass er so ganz allein in einem fremden land leben sollte. Aber wie standen ihm nicht erst die Hare zu Berge, da er nun weiter dachte: wie? wenn es hier wilde Tiere oder wilde Menschen gäbe, vor denen du keinen augenblick sicher wärest?
Frizchen. gibt's denn auch wilde Menschen, Vater?
Johannes. I ja, Friz! Hast du das noch nicht gehört? Es gibt weit – o wer weiss wie weit von hier! solche Menschen, die so wild, wie das Vieh sind!
Gotlieb. Die fast ganz nakt gehen; stelle dir mahl vor, Frizchen!
Diederich. Ja, und die nichts verstehen; die keine Häuser bauen, keinen Garten pflanzen, kein Feld beakkern können!
Lotte. Und die ungekochtes Fleisch essen und rohe Fische; ich habe es wohl gehört! Nicht wahr, Vater, hast du's uns nicht erzählt?
Johannes. Ja und was meinst du wohl, die armen Menschen wissen gar nicht, wer sie erschaffen hat, weil sie niemals einen Lehrer gehabt haben, der's ihnen sagte!
Diederich. Deswegen sind sie auch so barbarisch! Denke mahl, einige von ihnen essen so gar Menschenfleisch!
Frizchen. Fi! die garstigen Menschen!
Vater. Die unglücklichen Menschen! wolltest du sagen. Unglücks genug für die armen Schelme, dass sie so dum und so viehisch aufgewachsen sind!
Frizchen. Kommen die auch wohl hier her?
Vater. Nein; die Länder, wo es noch jetzt einige von diesen armen Menschen gibt, sind so weit von hier, dass niemals welche zu uns kommen. Auch werden ihrer immer weniger, weil die andern gesitteten Menschen, die dahin kommen, sich Mühe geben, sie auch klug und artig zu machen.
Diederich. Lebten denn auf dem land, wo iezt Robinson war, solche wilde Menschen?
Vater. Das wuste er noch nicht. Aber da er einmal gehört hatte, dass es auf den Inseln in dieser Weltgegend dergleichen gäbe: so dachte er, es könnte wohl sein, dass da, wo er sich jetzt befand, auch welche wären; und darüber war er in so grosser Angst, dass ihm alle Glieder am leib zitterten.
Gotlieb. Das glaube ich! Es wäre auch gewiss kein Spass, wenn welche da wären!
Vater. Vor Furcht und Angst getraute er sich anfangs nicht aus der Stelle zu gehen. Das geringste Geräusch erschrekte ihn und machte, dass er zusammen fuhr.
Endlich fing er an einen so heftigen Durst zu fühlen, dass er es nicht mehr aushalten konte. Er sah sich also gezwungen, herum zu gehen, um eine Quelle oder einen Bach zu suchen. Glücklicher Weise fand er eine schöne klare Quelle, aus der er nach Herzenslust sich laben konte. O was ein Trunk frisches wasser für eine Wohltat ist für den, der von Durst gequält wird!
Robinson dankte Gott dafür, und hofte, dass er ihm auch Speise verleihen wurde. Der die Vögel unter dem Himmel füttert, dachte' er, der wird mich ja auch nicht verhungern lassen!
Zwar Hunger spürte er eben nicht, weil die Angst und der Schrekken ihm allen Appetit benommen hatten. Aber destomehr sehnte er sich nach Ruhe. Er war so ermattet von Allem, was er gelitten hatte, dass er kaum mehr auf den Füssen stehen konte.
Allein wo sollte er nun die Nacht über bleiben? Auf der Erde,