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nahmenlosen Entzükken ausser sich, seinem vor Freude zitternden Vater in die arme. Mein Vater! – mein Sohn! Dies war alles, was beide hervorbringen konnten. Stum, zitternd und atemlos blieb einer an dem andern hängen, bis endlich ein wohltätiger Strom von Tränen ihrem gepressten Herzen einige Linderung verschafte.

Freitag gafte unterdessen im stummen Erstaunen alle die unzählbaren Wunderdinge an, die seinen Augen sich darboten. Er konte sich nicht sat sehen, und war den ganzen ersten Tag wie betäubt.

Wie ein Lauffeuer lief indess das Gerücht von Robinsons Zurükkunft und von den seltsamen Schiksalen desselben durch die Stadt. Alle sprachen von nichts, als von Robinson; alle wolten ihn sehen; alle wolten die geschichte seiner Abenteuer aus seinem eigenen mund hören! Seines Vaters Haus wurde daher bald einem öffentlichen Versamlungsplaze gleich; und da half nichts, Robinson muste vom Morgen bis an den Abend erzählen. Bei diesen Erzählungen vergass er dan nie, den Vätern und Müttern zuzurufen: Eltern, wenn ihr eure Kinder liebt, so gewöhnt sie ja frühzeitig zu einem frommen, mässigen und arbeitsamen Leben! und waren Kinder dabei: so gab er ihnen allemahl die goldne Regel mit: lieben Kinder seid gehorsam euren Eltern und Vorgesezten; lernt fleissig alles, was ihr zu lernen nur immer gelegenheit habt; fürchtet Gott, und hütet euch – o hütet euchvor Müssiggang, aus welchem nichts, als Böses komt!

Robinsons Vater war ein Makler. Er wünschte, dass sein Sohn sich in diesen Geschäften üben mögte, um nach seinem tod an seine Stelle treten zu können. Aber Robinson, der seit vielen Jahren an das Vergnügen der Handarbeiten gewöhnt war, bat seinen Vater um die erlaubnis, das Tischler-Handwerk zu lernen; und dieser liess ihm seinen freien Willen. Er begab sich also nebst Freitag bei einem Meister in die Lehre, und ehe noch ein Jahr verging hatten sie ihm alles dergestalt abgelernt, dass sie selbst Meister werden konnten.

Beide legten darauf eine gemeinschaftliche Werkstat an; und blieben Lebenslang unzertrenliche Freunde und Gehülfen. Fleiss und Mässigkeit waren ihnen so sehr zur andern natur geworden, dass es ihnen unmöglich war, auch nur einen halben Tag müssig oder schwelgerisch hinzubringen. Zur Erinnerung an ihr ehemaliges Einsiedler-Leben sezten sie einen Tag in jeder Woche fest, an dem sie ihre vormahlige Lebensart, so gut es gehen wolte, zu erneuern suchten. Eintracht, Nachsicht mit den Fehlern anderer Menschen, Dienstfertigkeit, und Menschenliebe waren ihnen jetzt so gewohnte Tugenden geworden, dass sie gar nicht begriffen, wie man ohne dieselben leben konte. Vornehmlich zeichneten sie sich durch eine reine, ungeheuchelte und tätige Frömmigkeit aus. So oft sie den Nahmen Gottes aussprachen, strahlte Freude und Liebe aus ihren Augen; und ein Schauder überfiel sie, wenn sie diesen heiligen Nahmen je zuweilen mit Leichtsin und Gedankenlosigkeit von andern aussprechen hörten. Auch krönte der Seegen des himmels alles, was sie vornahmen, sichtbarlich. Sie erlebten in Friede, Gesundheit und nüzlicher Geschäftigkeit ein hohes Alter, und die späteste Nachkommenschaft wird das Andenken zweier Männer ehren, die ihren Mitmenschen ein Beispiel gaben, wie man es machen müsse um hier zufrieden, und einst ewig glücklich zu werden.

Hier schwieg der Vater. Die junge Geselschaft blieb noch eine Zeitlang nachdenkend sizen, bis endlich bei allen der feurige Gedanke: so will ich es auch machen! zur festen Entschliessung reifte.