dieser Fahrt ereignete sich ein trauriger Unfal. Der alte Donnerstag wurde plözlich krank; alle angewandte Bemühungen, ihm zu helfen, waren vergebens; er starb. Was Freitag dabei litte; und wie unmässig er den Tod eines so geliebten Vaters bejammerte, könt ihr euch vorstellen. Auch die beiden Lama's konnten das Seefahren nicht ertragen, und starben.
unterdessen langte das schiff glücklich zu Portsmout, einem bekanten Hafen in England, an. Hier hofte Robinson, die Offizierswitwe wieder vorzufinden, der er die Diamanten zustellen wolte. Er fand sie; aber in dem aller kläglichsten Zustande. Da sie seit zwei Jahren von ihrem verstorbenen mann ganz und gar keine Unterstüzung mehr aus Ostindien erhalten hatte, so war sie nach und nach mit ihren Kindern in die allergrösste Armut versunken. Ihre Leiber waren kaum noch mit einigen alten Lumpen bedekt, und Hunger und Elend hatte das Gesicht der Mutter und ihrer Kinder mit Todtenblässe überzogen. Robinson ärndtete hier abermals die Wollust ein, deren jeder gute Mensch geniesset, wenn die göttliche Vorsehung sich seiner, als eines Werkzeuges, bedient, um dem Elende anderer Menschen ein Ende zu machen. Er übergab die Diamanten und sah darauf die hinwelkende schon halb verhungerte Familie, wie eine schon halb erstorbene Pflanze nach einem erquikkenden Sommerregen, in wenigen Tagen wieder aufblühen, und einer Glückseeligkeit geniessen, auf die sie für dieses Leben schon längst Verzicht getan hatte.
Da hier grade ein schiff vor Anker lag, welches nach Hamburg bestimt war: so verliess er seinen bisherigen Führer, um ihn nicht weiter zu bemühen, und ging, von Freitag begleitet, an Bord dieses Hamburgischen Schiffes; welches bald darauf die Anker lichtete.
Auch diese Fahrt ging geschwind und glücklich von statten. Schon hatten sie Heiligeland im Gesicht; schon erschien am fernen Horizonte Robinsons geliebtes Vaterland, bei dessen anblick ihm das Herz vor Freude zerspringen wolte; schon erreichten sie die Mündung der Elbe, als plözlich ein vom heftigsten Sturme begleitetes Gewitter ausbrach, wodurch das schiff mit unwiderstehlicher Gewalt gegen die Küste getrieben wurde. Alles, was Geschiklichkeit und Fleiss vermögen, wurde angewandt, um das schiff zu wenden und wieder die hohe See zu erreichen; aber umsonst, ein gewaltiger Windstoss vereitelte alle ihre Bemühungen, riss das schiff dahin und warf es so unsanft auf eine Sandbank dass der Boden desselben zertrümmert wurde.
Das wasser stürzte in demselben augenblicke so unerschöpflich hinein, dass an keine Rettung des Schifs zu denken war, und dass die Schifsgeselschaft nur noch eben so viel Zeit hatte, in die Böte zu springen, um, wo möglich, nur ihr eigenes Leben davon zu tragen. So kam Robinson mit seinen gefährten, abermals als ein armer Schifbrüchiger, endlich zu Kuxhaven an, ohne von seinem ganzen Reichtum irgend sonst etwas gerettet zu haben, als seinen treuen Pudel, der ihm nachgesprungen war, und seinen Pol, der ihm eben auf der Schulter sass, da der Schifbruch sich ereignete. Nach einiger Zeit erfuhr er, dass unter denen von dem Wrak des Schiffes geretteten Sachen, nur sein Schirm und seine selbstgemachte Pelzkleidung befindlich wären. Diese erhielt er, gegen Erlegung der Strandrechtskosten, wieder: sein ganzer grosser Goldklumpen hingegen war verloren gegangen.
Johannes. O der arme Robinson!
Vater. Er ist nun grade wieder so reich, als er damahls war, da er von Hamburg abfuhr. Vielleicht, dass die Vorsehung ihn deswegen alles wieder verlieren liess, weil der anblick seines Reichtums einen oder den andern leichtsinnigen jungen Menschen vielleicht hätte bewegen können, seinem Beispiele zu folgen, und auch aufs Geratewohl in die weite Welt zu gehen, um, so wie er, mit gefundenen Schäzen zurück zu kehren. Er für sein teil beklagte diesen Verlust am wenigsten. Denn da er sich fest vorgenommen hatte, seine künftigen Tage in eben so ununterbrochener Arbeitsamkeit und Mässigkeit hinzubringen, als er auf seiner Insel zu leben gewohnt gewesen war: so kont' er des Goldes füglich entbehren.
jetzt fuhr er in einem von Kuxhaven abgehenden Schiffe nach Hamburg. Da man bis gegen Stade über heraufgesegelt war, erblikt' er die Türme seiner Vaterstadt und muste vor Entzükken weinen. Nur noch vier Stunden so war er da, so lag er schon in den Armen seines teuren geliebten Vaters. Den Tod seiner guten Mutter hatte er schon in Kuxhaven gehört, und seit einigen Tagen auf das schmerzlichste beweint.
jetzt flog das schiff von hoher Flut und gutem Winde getrieben bei Blankenese vorbei; jetzt bei Neuenstädten; nun war er gegen Altona über und jetzt in dem Hafen bei Hamburg. Mit lautklopfendem Herzen sprang er aus dem Schiffe, und hätte er sich nicht vor den Zuschauern geschämt, er wurde auf sein Angesicht gefallen sein, den vaterländischen Boden zu küssen. Er eilte durch die ihn angaffende Menge der Zuschauer und ging ins Baumhaus.
Von da schikt' er einen Boten nach seines Vaters haus, um denselben nach und nach auf seine Erscheinung vorbereiten zu lassen. Erst muste der Abgeschikte ihm melden: es wäre jemand da, der ihm angenehme Nachrichten von seinem Sohne bringen wolte; dan, dass sein Sohn die Rükreise selbst nach Hamburg angetreten hätte; und endlich, dass der Jemand, der ihm diese frohe Nachricht brächte, sein Sohn selbst wäre. Hätte Robinson diese Vorsicht nicht gebraucht: so wurde die zu grosse Freude seinen alten Vater überwältiget und getödtet haben.
Und nun flog Robinson selbst durch die ihm noch sehr wohlbekanten Strassen nach seinem väterlichen haus; und fiel, da er es erreicht hatte, vor