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der Insel sein sollen. Euch andern komt es also zu, ihnen den strengsten Gehorsam zu beweisen. Sie allein sollen meine Burg bewohnen; sie allein sollen alle Gewehre, alle Kriegsmunizion, alle Werkzeuge in Verwahrung haben; aber sie sollen dabei auch verbunden sein, euch andern davon zu leihen, was ihr bedürft, unter der Bedingung, dass ihr euch friedfertig und in jeder Betrachtung ordentlich betraget. gibt es Gefahren: so solt ihr alle für einen Man stehen; gibt es etwas zu arbeiten, es sei auf dem feld oder im Garten, so sollen Alle diese Arbeit gemeinschaftlich verrichten und die jedesmahlige Erndte unter sich teilen. Vielleicht habe ich einmal gelegenheit, mich nach euch erkundigen zu lassen; vielleicht beschliesse ich selbst einmal, wieder hieher zurück zu kehren, um den Rest meiner Tage auf dieser mir jetzt so lieben Insel zuzubringen. Wehe alsdan dem, der unterdessen diese meine Anordnung umstossen wird! Er würde ohne Barmherzigkeit in einen kleinen Nachen gesezt, und bei stürmischer Witterung dem grossen Weltmeere Preiss gegeben werden

Alle bezeugten ihre Zufriedenheit mit dieser Einrichtung und gelobten den strengsten Gehorsam an.

Und nun machte Robinson ein Verzeichniss von den wenigen Sachen, die er mitnehmen wolte, und die daher am Bord gebracht werden sollten. Sie bestanden 1) aus seiner selbst gemachten Kleidung von Fellen, nebst Sonnenschirm und Larve; 2) aus den von ihm verfertigten Spiess, Bogen und steinernen Beile; 3) aus seinem Pol, dem Pudel, und zweien Lama's; 4) aus allerlei Werkzeuge und Gerätschaft, die er selbst verfertiget hatte, da er noch allein war und endlich 5) aus den Goldkörnern, den Diamanten, und seinem eigenen grossen Goldklumpen.

Nachdem dies alles zu Schiffe gebracht, und der Wind sehr günstig war, wurde die Abreise auf den folgenden Morgen festgesezt. Robinson und Freitag bereiteten darauf eine Mahlzeit zu, um den Schifskapitain und den zurückbleibenden Kolonisten vor ihrer Abreise erst ein kleines fest zu geben. Das Beste, was sie hatten, wurde dazu hergegeben, und die speisen waren so schmakhaft zubereitet worden, dass der Kapitain sich nicht genug über Robinsons Geschiklichkeit in der Kochkunst wundern konte. Um dem edlen Beispiele seines Wirts zu folgen, und zu der Glückseeligkeit der Zurükbleibenden auch etwas beizutragen, liess er eine Menge Lebensmittel, Schiesspulver, Eisen und Werkzeuge von dem Schiffe hohlen, womit er der Kolonie ein Geschenk machte.

Gegen Abend bat sich Robinson die erlaubnis aus, eine Stunde allein sein zu dürfen, weil er vor seiner Abreise noch einige wichtige Geschäfte abzutun habe. Jederman verliess ihn; und er stieg den Hügel hinauf, um noch einmal der ganzen geschichte seines Aufentalts auf dieser Insel nachzudenken, und sein volles Herz in kindlicher Dankbarkeit vor Gott zu ergiessen. Es fehlt mir an Worten, die frommen dankbaren Empfindungen desselben auszudrükken; aber wer ein Herz, wie das Seinige, hat, der bedarf auch meiner Beschreibung nicht; er wird es in sich selbst lesen können.

jetzt war der augenblick zur Abreise da. Mit Tränen in den Augen ermahnte Robinson die Zurükbleibenden noch einmal zur Eintracht, zur Arbeitsamkeit und zur Frömmigkeit und empfahl sie darauf mit brüderlichem Herzen dem Schuze des Gottes, der ihn selbst so wunderbar geleitet hatte. Dan sah er sich noch einmal umher; dankte noch einmal Gott für seine wunderbare Erhaltung und für seine nunmehrige Erlösung; rief darauf mit halb erstikter stimme den Zurükbleibenden das letzte Lebewohl! zu und ging von Freitag und Donnerstag begleitet an Bord.

Einige. O weh! Nun ist 's aus.

Johannes. Wartet doch! Wer weiss denn, ob nicht wieder etwas dazwischen komt!

Vater. Der Wind wehete so frisch und so günstig, dass es ihnen grade so vorkam, als wenn die Insel davon flöge. So lange sie noch gesehen werden konte, stand Robinson stum und traurig auf dem Verdekke, die Augen unverrükt auf das geliebte Land gerichtet, welches ein zwölfjähriger Aufentalt und die mannigfaltigen darauf entstandenen Mühseeligkeiten ihm so wert, als sein eigenes Vaterland, gemacht hatten. Endlich, da auch die letzte Bergspize aus seinen Augen verschwand, blikt' er gegen Himmel, sagte sich selbst in Gedanken das Lied: Nun danket alle Gott! vor, und verfügte sich mit Donnerstag und Freitag in die Kajüte des Kapitains, um seinem beklommenen Herzen durch freundschaftliche gespräche Luft zu machen.

Ihre Fahrt war sehr glücklich. In 24 Tagen erreichten sie Cadix, woselbst die mitgenommenen Spanier ausgesezt wurden. Robinson selbst ging gleichfalls an Land, um den Kaufman aufzusuchen, dessen Goldkörner er gerettet hatte. Er fand ihn und hatte die Freude zu erfahren, dass dieser rechtschaffene Man durch ihn aus der grössten Verlegenheit gerissen werde. Der Verlust des Schiffes hatte nämlich die traurige Folge für ihn gehabt, dass er Bankerot machen muste.

Frizchen. Was ist das?

Vater. Wenn jemand mehr schuldig ist, als er bezahlen kan: so wird ihm alles, was er noch etwa hat, genommen, um es unter diejenigen zu verteilen, denen er schuldig blieb, und das nent man denn Bankerot machen.

Das Tönchen vol Goldkörner war mehr, als hinreichend, des Kaufmans Schulden damit zu bezahlen. Den Ueberrest wolte der dankbare Man seinem Wohltäter schenken; aber dieser war weit davon entfernt, es anzunehmen, weil er, wie er sagte, durch das Bewustsein, das Unglück eines ehrlichen Mannes abgewandt zu haben, überflüssig belohnt war.

Von da gingen sie wieder unter Segel, um nach England zu schiffen. Aber auf