suchte: hörten sie auf einmal an der andern Seite des Hügels ein Geräusch, welches den Tritten mehrerer Menschen ähnlich war. Sie sprangen auf, blikten hin, und sahen mit freudigem Erstaunen – den Schifskapitain, der mit einigen seiner Leute den Hügel herauf stieg. Ein Sprung, und Robinson lag in seinen Armen! Indem er sich umdrehete, hatte' er auf der westlichen Küste das schiff in einer kleinen Bucht vor Anker gesehen, und in demselben augenblicke war sein Kummer verschwunden. Der blosse anblick nämlich sagte ihm, dass der Kapitain noch vor Anbruch des Tages die Lage seines Schifs geändert und es auf diejenige Seite der Insel gebracht habe, wo es in einem bequemen Hafen sicher vor Anker liegen konte.
Lange hing Robinson in stummer Entzükkung an dem Halse des eben so hoch erfreuten Schifskapitains, bis es endlich zu gegenseitigem Glückwünschungen und Danksagungen kam. Dan erzählte der Kapitain, dass es ihm gelungen sei, sich des Schiffes zu bemächtigen, ohne dass ein einziger Mensch verwundet oder getödtet worden sei, weil man in der Dunkelheit der Nacht ihn selbst nicht bemerkt, und gar kein Bedenken getragen hatte, seine Begleiter aufzunehmen. Die Aergsten unter den Empörern hätten sich nachher zwar zur Wehre stellen wollen. aber ihr Widerstand sei fruchtlos gewesen. Man hätte sie ergriffen und in Fesseln gelegt. Hierauf überliess er sich den Empfindungen der Dankbarkeit gegen seinen Erretter. »Sie sind es, sagt' er, indem eine Träne ihm aus dem Auge quol; Sie sind es, edler Man, dessen Mitleid und Klugheit mich und mein schiff gerettet haben. Dort steht es! es ist das Ihrige; befehlen Sie darüber und über mich selbst, wie es Ihnen gut dünken wird.« Dan liess er einige Erfrischungen herbei tragen, die er aus dem Schiffe mitgebracht hatte, und alle nahmen nun mit frohem Herzen ein wohlschmekkendes Frühstük ein.
unterdessen erzählte Robinson dem Schifskapitain seine wunderbaren Schiksale, und sezte diesen dadurch mehr, als einmal, in das grösste Erstaunen. Dan bat der Kapitain, dass Robinson ihm nun vorschreiben mögte, was er für ihn tun sollte; und Robinson antwortete: »Ich habe ausser dem, was ich gestern zur Bedingung meines Beistandes machte, noch eine dreifache Bitte an Sie. Erstlich ersuche ich Sie, dass Sie so lange hier verziehen mögen, bis meines ehrlichen Freitags Vater mit den Spaniern zurückkommen wird; zweitens, dass Sie ausser mir und meinen Hausleuten auch die sämtlichen Spanier aufnehmen und zuerst nach Kadix segeln mögen, um diese daselbst auszusezen. Endlich bitte ich Sie, dass Sie auch den vornehmsten Aufrührern das Leben schenken, und, stat einer andern Strafe, sie auf dieser meiner Insel zurücklassen mögen; weil ich versichert bin, dass dies das beste Mittel sein wird, sie zu bessern.«
Der Schifskapitain versicherte, dass alles pünktlich so geschehen sollte, wie er es verlangte; liess die Gefangenen herbei führen; suchte die Aergsten darunter aus, und kündigte ihnen ihr Urteil an. Diese waren sehr erfreut darüber, weil sie wusten, dass sie nach den Gesezen das Leben verwirkt hatten. Der menschenfreundliche Robinson gab ihnen Anweisung, wie sie sich ihren Lebensunterhalt erwerben könnten, und versprach, dass er ihnen seinen ganzen Reichtum an Werkzeugen, Hausrat und Vieh zurück lassen wolte. Er schärfte ihnen dabei zu wiederhohlten mahlen Vertrauen auf Gott, Arbeitsamkeit und Eintracht ein, und versicherte, dass diese Tugenden ihnen den Aufentalt auf dieser Insel ungemein angenehm machen würden.
Indem er noch so sprach, kam Freitag ganz ausser Atem mit der frohen Nachricht herbei gerant, dass sein Vater mit den Spaniern ankäme und jetzt eben landen werde. Die ganze Geselschaft machte sich also auf, ihnen entgegen zu gehen; aber Freitag flog vor allen andern hin, und hieng seinem alten Vater schon längst am Halse, da die Uebrigen herbei kamen.
Robinson erblikte mit Verwunderung, dass unter den Angekommenen auch zwei Frauenspersonen waren; und da er sich bei Donnerstag darnach erkundigte, erfuhr er: dass sie die Weiber zweier Spanier wären, die sie sich von den eingebohrnen Wilden genommen hätten. Diese beiden Spanier hatten kaum gehört, dass Robinson abreisen, und einige Matrosen auf der Insel zurück lassen würde: als sie sich von ihm die erlaubnis ausbaten, mit ihren Weibern gleichfalls da zu bleiben, weil sie nach allem, was sie von dieser Insel gehört hätten, sich keinen bessern Aufentalt wünschen könnten.
Robinson hörte diese Bitte gern und erfülte sie mit Vergnügen. Es war ihm lieb, dass ein Paar Männer zurückblieben, denen ihre Kameraden einstimmig das zeugnis der Ehrlichkeit gaben; weil er hofte, dass diese die übrigen schlechten Burschen zu einem ordentlichen und friedfertigen Leben würden anhalten können. In dieser Absicht beschloss er, die Andern alle von diesen beiden abhängig zu machen.
Er liess sie daher alle vor sich kommen, um ihnen seinen Willen kund zu tun. Es waren überhaupt sechs Engländer und die beiden Spanier mit ihren Weibern. Robinson redete sie folgendermaassen an:
»Keiner unter euch wird mir hoffentlich das Recht streitig machen, mit meinem Eigentume – und dies ist die ganze Insel nebst allem, was darauf ist – zu schalten und zu walten, wie es mir gefällt. Ich wünsche aber, dass es euch allen, die ihr hier zurück bleiben werdet, recht wohl gehen möge. Hierzu wird eine ordentliche Einrichtung erfodert, und mir komt es zu, sie zu machen. Ich erkläre demnach, dass diese beiden Spanier künftig meine Stelle vertreten, und an meiner Stat die rechtmässigen Herrn