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Freitag hin, als den armen Alten?

Vater. Teils aus Liebe zu Freitag, den er unmöglich, ohne zu zittern, einer Gefahr aussezen konte, bei der er selbst nicht zu gegen wäre, teils deswegen, weil der Alte noch besser, als sein Sohn, mit dem Meere und der Schiffart bekant zu sein schien. Der Spanier hingegen muste um deswillen mit, weil seine Landesleute auf Robinsons Einladung sonst wohl nicht zu kommen sich getrauet hätten.

Es ward also beschlossen, dass die genanten beiden ihre Reise dahin nächstens antreten sollten. Vorher aber muste dafür gesorgt werden, dass ein, wenigstens zehnmahl grösserer Akker umgearbeitet, und bestellt werde: weil die Vergrösserung der Kolonie auch eine Vergrösserung des täglichen Aufwandes an Nahrungsmitteln zur Folge hatte.

Alle wurden daher auf einige Wochen Akkersleute und da es jeder von ihnen mit der Arbeit ehrlich meinte: so ging auch alles sehr gut und sehr geschwind von statten. Nach vierzehn Tagen war alles getan und man machte daher Anstalt zu der beschlossenen Reise.

Ehe diese aber vor sich ging, gab der Spanier einen Beweis seiner Ehrlichkeit und seiner dankbaren Liebe gegen Robinson, welcher zugleich von einer klugen Vorsichtigkeit zeugete. Er sagte nämlich: seine Landesleute wären, so wie er, nur gemeine Matrosen gewesen, also Leute ohne alle Erziehung. Er kenne sie nicht genau genug, um für aller gute Gemütsart Bürge sein zu können. Sein Rat wäre daher, dass Robinson, als Herr der Insel, erst gewisse Bedingungen aufsezte, unter denen er sie aufnehmen wolte, und dass dan keiner mitgenommen wurde, als welcher diese Bedingungen sich gefallen liesse.

Robinson freuete sich über die Treue seines neuen Untertans, und tat, was er ihm geraten hatte. Die Bedingungen die er aufsezte, waren folgende:

»Wer auf Robinsons Insel leben, und an den Bequemlichkeiten, die sie darbietet, Anteil nehmen will: der muss sich verpflichten:

1. Dem Willen des rechtmässigen Herrn derselben in allen Stükken nachzukommen, und sich alle diejenigen Geseze und Anordnungen gern gefallen zu lassen, die derselbe zum Wohl des ganzen staates für nötig erachten wird;

2. Ein arbeitsames, mässiges und tugendhaftes Leben zu fuhren; weil kein Fauler, kein Schlemmer und überhaupt kein lasterhafter Mensch auf dieser Insel geduldet werden sol;

3. Sich alles Zankens und Streitens zu entalten, und im Fal einer Beleidigung, nie sein eigener Richter sein zu wollen, sondern vielmehr seine Klage vor dem Herrn der Insel oder vor demjenigen anzubringen, dem dieser das Richteramt übertragen wird;

4. Alle diejenigen arbeiten, die zum Wohl der ganzen Geselschaft nötig sein werden, ohne Murren zu übernehmen, und im Fal der Not dem Herrn der Insel mit Leib und Leben beizustehen;

5. Mit Allen für einen Man wider denjenigen zu stehen, der sich erdreisten dürfte, das Eine oder das Andere dieser billigen Geseze zu überschreiten, um einen solchen entweder zum Gehorsam zurück zu bringen oder ihn auf immer von der Insel zu verbannen.

Jeder wird ermahnt, diese Punkte erst reiflich zu überlegen und seinen Nahmen, stat einer eidlichen Versicherung, nur dan erst zu unterschreiben, wenn er völlig entschlossen ist, ihnen in allen Stükken nach zu leben.

Robinson

Der Spanier muste diesen Aufsaz erst in seine Landessprache übersezen und es ward verabredet, dass er Feder und Tinte mitnehmen sollte, um ihn von seinen Landesleuten, vor ihrer Abreise erst unterschreiben zu lassen.

Und nun suchten sie sich den besten unter den beiden erbeuteten Kanoes aus, und machten Anstalt zu ihrer Abreise.

Konrad. Hatten denn alle die Spanier wohl in einem einzigen Kanoe Raum?

Vater. Nein! Aber sie brauchten dieses kleine schiff auch nur zur Hinreise. Zurück konnten sie in den Böten des gestrandeten Schiffes kommen, welche, wie der Spanier versicherte, noch in gutem stand waren.

Nachdem hinlänglicher Proviant an Bord des Kahns gebracht war und sich ein günstiger Wind erhob, nahmen unsere Reisende einen zärtlichen Abschied von Robinson und Freitag und gingen unter Segel. Freitag war ganz ausser sich vor Betrübniss, dass er sich von seinem Vater trennen muste. Schon am Abend vor der Abreise desselben hatte' er stundenlang geweint und vor Traurigkeit gar nichts geniessen können. jetzt aber da die Trennung wirklich vor sich ging, war er vollends untröstbar. Alle augenblicke fiel er seinem Vater von neuem um den Hals und benezte sein Gesicht mit Tränen. Der Alte muste sich endlich mit Gewalt von ihm loswinden; aber, da er schon im Schiffe war, und der Kahn jetzt eben vom land stiess, sprang Freitag ihm nach ins Meer, und schwam an die Seite des Kahns, um ihn noch einmal zu küssen und ihm noch einmal ein Lebewohl! zu zu schluchzen. Dan kehrte er wieder um nach dem Strande, sezte sich daselbst auf einer Anhöhe nieder und sah dem forteilenden Kahne unter vielen Seufzern und Tränen so lange nach, bis er aus seinen Augen verschwunden war.

Robinson, der ihn zu zerstreuen wünschte, wandte den grössten teil dieses Tages zur Jagd und zu Lustwanderungen durch die Gebirge an. Sie waren noch nicht weit gegangen, als der Pudel, der mit ihnen gelaufen war, an dem fuss eines mit Gebüsch bewachsenen Felsens stehen blieb und unaufhörlich zu bellen anfing. Man näherte sich dem Orte und fand ein Loch in dem Felsen, welches aber nur so gross war, dass man hineinkriechen, nicht hineingehen konte.

Robinson, der nicht gern etwas ununtersucht liess, was seine Aufmerksamkeit einmal an sich gezogen hatte, befahl seinem