, zu ihnen hinab zu steigen unter der Bedingung, dass wir keine Waffen mitnehmen. Wir gingen die Bedingung ein und sprangen in die Böte, die nun so sehr belastet waren, dass wir in jedem augenblicke unsern Untergang erwarteten.
Wir bemüheten uns indess, die nahgelegene Insel zu erreichen; aber plözlich drehete sich der Wind, und trieb uns, alles Ruderns ungeachtet, wieder der offenbaren See zu. Unser Tod schien nun nicht mehr zweifelhaft zu sein. Allein zu unserm eigenen Erstaunen hielten sich die schwerbeladenen Böte, von hoch aufschwellenden Wogen geschaukelt, noch immer glücklich über wasser, bis wir endlich ganz unerwartet, und ohne einen einzigen Man verloren zu haben, an eine uns völlig unbekante Insel geworfen wurden, deren armseelige Bewohner uns ungemein liebreich aufnahmen.
Bei diesen haben wir nun bis jetzt gelebt, jeder so gut er konte; aber freilig armseelig genug, weil die armen Wilden selbst nichts hatten, als die Fische, die sie fingen und einige wenige Früchte, welche die Insel trägt. Dennoch teilten sie mit uns, was sie hatten, und gaben uns Anweisung, wie wir selbst fischen könnten. Am besten befanden sich unsere Schwarzen dabei, weil sie keine andere Lebensart gewohnt, und nun noch dazu in Freiheit waren.
Vor einigen Tagen wurde die Insel von einem benachbarten volk kriegerisch angefallen. Alles grif zu den Waffen, und da hielten wir es für Pflicht, unsern guten Gastfreunden beizustehen. Ich focht an der Seite dieses ehrlichen Alten, der wie ein Löwe, dem man seine Jungen geraubt hat, in den Feind eindrang, wo er am diksten stand. Ich sah ihn umringt, wolte ihm beispringen und hatte das Unglück mit ihm zugleich ergriffen zu werden.
Zwei Tage und zwei Nächte hab' ich in dieser traurigen Gefangenschaft, an Händen und Füssen geknebelt zu gebracht; und weder gegessen, noch getrunken. Denn alles, was man mir vorwarf, waren faule Fische, welche die See ausgespien hatte.
Diesen Morgen mit Anbruch des Tages wurden wir in die Kanoes geschlept, um den Unmenschen, ihrer Gewohnheit nach, an einem andern Orte zur Speise zu dienen. Und da führte die götliche Vorsehung euch, ihr edlen Männer, zu unserer Rettung herbei, um uns eine Wohltat zu erweisen, die wir euch nie werden vergelten können.«
Hier schwieg der Spanier und Tränen der Dankbarkeit rolten ihm die Wangen herab. Robinson war entzükt, seine neuliche Vermutung so ganz bestätiget zu sehen, und Freitag bewunderte mit ihm die Weisheit und Güte der götlichen Vorsehung.
Auf die Frage: wem das Schifsgut eigentlich gehört habe? antwortete der Spanier: dass es von zwei Kaufleuten in Kadix wäre befrachtet worden; aber nur der Eine von ihnen, habe Kommission gegeben an der afrikanischen Küste Schwarze einzuhandeln; der Andere hingegen, dem dieser Handel ein Greuel gewesen sei, habe für seine Waaren nichts, als Goldkörner, verlangt.
Hierauf nahm Robinson den Spanier bei der Hand, führte ihn in sein Vorratshaus und in seine Höhle und zeigte ihm, zu seinem Erstaunen, dass das Wichtigste von dem gestrandeten Schiffe hier beisammen sei. Freitag muste ihm die geschichte davon erzählen; und der Spanier konte vor lauter Verwunderung kaum ein Wort sprechen.
Robinson erkundigte sich hierauf noch: für wessen Rechnung denn die Diamanten gewesen wären? Und wem die Offizierkleider gehört hätten, die er auf dem Schiffe vorgefunden habe? und erhielt zur Antwort: beides wäre der Nachlass eines englischen Offiziers gewesen, der sich lange in Ostindien aufgehalten habe, und auf seiner Rükreise nach England so krank geworden sei, dass man ihn auf sein Verlangen an der afrikanischen Küste ans Land gesezt habe. Daselbst sei er gestorben. Das Spanische schiff habe seinen Nachlass nach Barbados mitnehmen sollen, um von da nach England gebracht zu werden.
Robinson zeigte ihm darauf alle vom Schiffe gerettete Schriften vor, worin der Spanier so wohl den Nahmen des Kaufmans, dem die Goldkörner gehörten, als auch den Nahmen der Offizierwitwe fand, der die Diamanten und die Kleidungsstükke ihres verstorbenen Mannes hatten geschikt werden sollen. Und von diesem augenblicke an verwahrte Robinson die Goldkörner, die Diamanten und diese Papiere als ein Heiligtum.
unterdessen war der Abend angebrochen und die überstandenen Mühseeligkeiten und Gefahren des Tages hatten Aller Kräfte so sehr erschöpft, dass sie der wohltätigen Erquikkungen des Schlafs früher, als gewöhnlich, bedurften. Sie taten also, was wir auch tun wollen, sobald wir Gott für die ungestörte Ruhe und Glückseeligkeit, die uns heute wieder zu teil ward, werden gedankt haben.
Acht und zwanzigster Abend.
Vater. Am folgenden Morgen berief Robinson frühzeitig sein ganzes Reich zusammen, um mit vereinigten Kräften ein Geschäft auszuführen, welches keinen Aufschub litte.
Hans. Nun?
Vater. Die toten Körper der Erschlagenen lagen noch auf dem Schlachtfelde, und es war zu besorgen, dass durch die schädlichen Ausdünstungen derselben eine gefährliche Seuche entstehen könnte. Sie versahen sich also sämtlich mit Beilen und gingen nach dem furchtbaren Orte hin.
Ferdinand. Mit Beilen?
Vater. Ja; nicht um Gräber zu machen, denn dazu würden sie Schaufeln und Spaten mitgenommen haben, sondern um Holz zu fällen und einen Scheiterhaufen zu errichten, auf welchen sie die toten Leiber alle auf einmal zu Asche zu brennen, sich vorgenommen hatten.
Johannes. So wie es die Römer mit ihren toten machten!
Vater. Auch andere Völker des Altertums. Robinson wolte nämlich durchaus nicht die schädliche Gewohnheit seiner, in diesem Stükke noch sehr unweisen Landsleute mitmachen, die damahls noch unverständig genug waren