seinem Vater. Kaum hatte' er dies getan, so sah man ihn eiligst aus dem Kahne springen, und mit der Geschwindigkeit des Sturmwindes davon laufen. Ehe Robinson Wohin? aussprechen konte, war er ihm schon aus dem gesicht.
In kurzer Zeit sah man ihn zurück kommen, jedoch viel langsamer, als er hingelaufen war. Da er näher kam, zeigt' es sich, dass er in der einen Hand einen irdenen Krug mit wasser, in der andern etwas Brod und Käse trug. Jenes reicht' er seinem Vater, dieses seinem Herrn, um ihn für das abgetretene Frühstük schadlos zu halten. Das frische wasser erquikte den Alten zusehends, weil er vor Durst beinahe ohnmächtig gewesen war.
jetzt wandte sich Robinson zu dem Spanier, der sich ganz kraftlos ins Gras gestrekt hatte. Er liess ihn gleichfalls durch Freitag tränken und bot ihm etwas Brod und Käse zur Erquikkung an. Dieser blikte mit freundlicher Dankbarkeit zu ihm auf; versuchte aufzustehen, aber es war ihm unmöglich; so viel Schmerzen empfand er in den Knöcheln der hände und Füsse, die von dem starken Binden sehr angeschwollen waren. Freitag muste sich neben ihm setzen, um sie ihm gleichfalls mit etwas Wein sanft zu reiben, so wie er vorher seinem Vater getan hatte.
Da war es nun sehr rührend anzusehen, wie dieser gute Sohn während des ihm aufgetragenen Geschäftes alle augenblicke den Kopf nach seinem Vater hindrehete, um zu sehen, was er mache? einmal, da der Alte, um besser auszuruhen, sich ganz niedergelegt hatte, flog Freitag, ohne ein Wort zu sagen, so geschwind zu ihm hin, dass man kaum bemerken konte, dass er den Boden berührte; kehrte aber augenbliklich wieder zurück, so bald er gesehen hatte, dass sein Vater sich nur aus Gemächlichkeit ein wenig niedergelegt habe. Dan wolte Robinson versuchen, ob er mit Freitags hülfe den Spanier nach dem Kahne führen könnte: aber Freitag, als ein junger starker Kerl, nahm den ganzen Spanier, als eine Kleinigkeit, auf den Rükken, und trug ihn allein dahin. Nachdem sie darauf die Kanonen, und die Flinten, nebst den erbeuteten Waffen der Erschlagenen in den andern Kahn gebracht hatten, sprang Freitag wieder in den ersten, und ruderte, ungeachtet ein starker Wind zu wehen angefangen hatte, so schnel damit fort, dass Robinson nicht so geschwind am Strande laufen konte, als jener schifte. Dieser war daher noch nicht auf die Hälfte des Weges gekommen, als er Freitag schon wieder bei sich vorbei zurück rennen sah, um auch den andern Kahn herbei zu hohlen; und ehe noch Robinson an dem Orte anlangen konte, wo der erste Kahn mit den Kranken lag, war Freitag mit dem andern auch schon da. So gross war die Geschwindigkeit, mit welcher dieser laufen und rudern konte!
jetzt waren sie der Burg gegen über. Um die Fortbringung der beiden Kranken zu erleichtern, lief Robinson hin, eine Tragbahre zu holen. Auf diese wurde Einer nach dem Andern gesezt und von Robinson und Freitag zur Burg getragen. Beiden schien der Schlaf nötiger, als alles andere zu sein. Indess nun Freitag für jeden ein Lager bereitete, wärmte Robinson etwas Wein, um ihre geschwollene Knöchel damit zu waschen. Dan mussten sie sich zur Ruhe begeben.
Und nun machten die beiden Wirte Anstalt zu einer erquikkenden Abendmahlzeit. Freitag wurde abgeschikt ein junges Lama zu holen und Robinson besorgte das Uebrige. Dieser konte nicht umhin zu lächeln, da ihm der Gedanke einfiel, dass er einem ordentlichen Könige nun immer ähnlicher werde. Die ganze Insel war sein Eigentum; seine Untertanen, die ihm alle ihr Leben verdankten, hingen lediglich von seinem Willen ab, und waren verbunden, wenn es sein müste, Leib und Leben für ihn zu wagen. Am merkwürdigsten schien ihm dabei der Umstand zu sein, dass er grade eben so viele Religionssekten, als Untertanen, in seinem Reiche hatte. Freitag hatte diejenige christliche Religion von ihm angenommen, welche die Protestanten bekennen. (Ihr grösseren wisst, was dieser Nahme bedeutet; ihr Kleinern aber, müst euch gedulden, bis ihr erst ein wenig verständiger geworden seid; dan solt ihr's auch hören.) Freitag also, war, wie gesagt, ein Protestant, der Spanier ein katolischer Christ, Freitags Vater sogar noch ein Heide.
»Was must du nun wohl dabei tun?« dachte Robinson. »Hättest du nicht etwa das Recht, sie alle mit Gewalt zu zwingen, sich zu demjenigen Glauben zu bekennen, den du für den besten hältst?« Er san darüber nach, weil es eine Sache war, an die er noch niemals gedacht hatte.
Und was meint ihr nun, Kinder, dass sein gesunder Menschenverstand ihm darauf geantwortet habe? Durft' er seine Untertanen zwingen seine eigene Religion anzunehmen, oder nicht?
Alle. O bei leib nicht!
Vater. Warum denn nicht?
Johannes. Ja, weil das keinen etwas angeht, was Einer glaubt, wenn er nur so lebt, wie sich's gebührt.
Vater. Aber wenn nun Einer, der über einen Andern Macht hat, einsieht, dass dieser einen Irtum habe; solt' es ihm dan nicht erlaubt sein, ihn zu zwingen, seinen Irtum fahren zu lassen?
Hans. Ja, was würde das helfen? Dadurch, dass einer gezwungen wird, etwas zu glauben, wird er ja nicht klüger und nicht besser.
Vater. Richtig! Denn dadurch wird er