armen Europäer herbei zu hohlen; war es ihm unmöglich länger untätig zu bleiben. Er blikte Freitag an und flüsterte ihm bloss die Worte zu: du zur Linken, und ich zur Rechten! Und nun in Gottes Nahmen! Mit diesen Worten brandt' er seine Flinte los; und Freitag tat ein Gleiches.
Freitag hatte besser, als Robinson selbst gezielt; denn auf der linken Seite des Feuers stürzten fünf, auf der rechten nur drei nieder. drei davon waren wirklich erschossen, fünf hingegen nur verwundet. Die Bestürzung, mit der nun Alle, die noch unbeschädigt waren, aufsprangen und davon liefen, war unbeschreiblich. Einige ranten hier hin, die Andern dortin und erhoben ein recht fürchterliches Geheule. Robinson wolte jetzt hervorspringen, um sie mit dem Säbel in der Faust völlig in die Flucht zu jagen, und seinen armen gebundenen Landsman zu befreien: aber zu seinem Erstaunen must er sehen, dass ein Trup der Fliehenden sich plözlich wieder sammelte, und Anstalt zur Verteidigung machte. Er ergrif also in der grössten Geschwindigkeit eine zweite Flinte und Freitag tat abermahl ein Gleiches. »Bist du fertig?« fragte Robinson; und da er ein Ja! zur Antwort erhielt, drükt' er wieder los und Freitag folgte seinem Beispiele.
Diesmahl fielen nur zwei; es wurden aber so viele verwundet, dass sie mit Schreien und Heulen, als sinlose Menschen herum liefen, zum teil blutig, zum teil sehr hart verwundet. Von den Leztern stürzten bald darauf noch drei, wiewohl nicht völlig tot, zur Erde.
»Nun, Freitag!« schrie Robinson, indem er die losgeschossene Flinte wegwarf und die noch geladene dritte ergrif, hervor! Mit diesen Worten sprangen beide aus dem Gebüsch auf den freien Plaz und Robinson flog zuerst nach dem armen Schlachtopfer, um ihn seine Erlösung anzukündigen. Indem er bei ihm ankam, bemerkt' er dass Einige der flüchtigen Wilden bei seinem Anblikke stuzten; sich von neuem sammelten und zum Kampfe rüsteten. Er winkte seinem gefährten, dieser verstand ihn, lief etwas näher hinzu, gab Feuer, und sah zwei von ihnen stürzen.
Robinson schnit unterdessen mit einem Messer die Strikke von Binsen los, womit der Gefangene an Händen und Füssen gar jämmerlich zusammen geschnürt war. Er fragte ihn auf deutsch und englisch: wer er wäre? und der Gefangene antwortete auf lateinisch: Christianus, ein Christ! Hispanus, ein Spanier! Mehr kont' er nicht vorbringen, so schwach fühlt' er sich. Robinson hatte zum Glück auf den Fal einer Verwundung ein Fläschchen vol Wein zu sich gestekt. Von diesem gab er dem Spanier zu trinken, und da er sich dadurch plözlich gestärkt fühlte: so reichte ihm Robinson eine seiner Pistolen, nebst dem Säbel, damit er helfen mögte, dem Gefechte ein Ende zu machen. Freitag muste unterdessen eilends die losgeschossenen Flinten herbei hohlen, um sie von neuem zu laden.
Der Spanier hatte kaum die Pistole und den Säbel in Händen, als er, wie eine Furie, auf seine Mörder losrante, und in einem Hui! zwei derselben erlegte. Freitag erhielt, um ihm beizustehen, die noch geladene sechste Flinte und Robinson lud unterdessen die Uebrigen. Die beiden Streiter fanden Widerstand und wurden bald von einander getrent, indem es zwischen dem Spanier und einem Wilden zum Handgemenge kam, und Freitag, nachdem er die Flinte abgeschossen hatte, mit dem blossen Säbel in der Faust einen ganzen Schwarm der Flüchtlinge vor sich hintrieb. Einige hieb er nieder, Andere sprangen ins wasser, um nach ihren Kanoes zu schwimmen, und noch andere flohen in das Gebüsch.
Der Spanier hatte unterdessen einen harten Stand. Zwar war er troz seiner Mattigkeit, so tapfer auf den Wilden losgegangen, dass dieser schon zwei schwere Hiebe von ihm in den Kopf bekommen hatte: aber nun wurde auch der Wilde wütend und drang mit seinem schweren steinernen Schlachtschwerdte so heftig auf ihn los, dass dieser kaum im stand war, den Hieben desselben auszubeugen. Endlich fasste ihn der Wilde, warf ihn zu Boden, wandte ihm das Schwerdt aus den Händen, und wolte ihm eben damit den Kopf vom Rumpfe hauen, als Robinson glücklicher Weise die Gefahr bemerkte und dem Kanibalen eine Kugel durch den Kopf jagte.
Der Spanier war kaum wieder aufgesprungen, als er eine der wieder geladenen Flinten ergrif, um denen nach zu laufen, welche in das Gebüsch flüchteten und Freitag geselte sich zu ihm. Da dieses nur wenige und noch dazu grösstenteils Verwundete waren: so hielt Robinson es für besser auf dem Schlachtfelde zurück zu bleiben, als gleichfalls nach zu laufen, um die Bewegung der noch übrigen Feinde, die nunmehr in ihren Kähnen waren, zu beobachten. Es währte nicht lange, so kehrten seine beiden Mitstreiter zurück mit der Nachricht, dass im Gebüsch keiner mehr übrig sei.
Beide wolten unverzüglich in einen der zurückgelassenen Kähne springen, um denjenigen nachzueilen, die mit vollen Segeln zu entfliehen suchten; aber Robinson hielt sie zurück und sagte: genug, meine Freunde! Wir haben des Menschenbluts schon mehr vergossen, als wir vielleicht gesolt hätten. Mögen die Uebrigen doch leben, da sie, uns zu schaden, weder Vorsaz noch Vermögen mehr haben.
»Aber, sagte Freitag, sie werden vielleicht mit grösserer Manschaft zurückkommen, wenn wir sie entfliehen lassen!«
Nun, antwortete Robinson, indem er ihm freundlich auf die Schulter klopfte, so ist unser Heer ja auch um ein Drittel grösser, als es diesen Morgen war; und zeigte dabei