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jemahls: weil sie ihnen nicht nur Milch, Käse und Butter gaben; sondern auch das Feld beakkern halfen. Zu Robinsons volkommener Glückseeligkeit fehlte also weiter nichts mehr, alswas meint ihr?

Gotlieb. Dass er nicht bei seinen Eltern war!

Vater. Unddass ihrer nur zwei waren, wovon der Eine über kurz oder lang sterben und den Andern wieder als einen armen, von allen Menschen getrenten Einsiedler zurück lassen muste. Doch Robinson hielt es für Sünde, sein Leben dadurch zu verbittern, dass er sich vor Unglücksfällen fürchtete, die erst in der Zukunft möglich waren. Der Gott, dachte' er, der bis hieher immer Rat gewust hat, wird auch ferner helfen können. Und so verfloss ihm jetzt jeder seiner Tage in ungestörter Zufriedenheit, weil er nunmehr Ruhe von innen und Ruhe von Aussen hatte. Und zu diesem Zustande verhelfe Gott euch Allen! –

Die Mutter sagte: amen! und die Geselschaft ging auseinander.

sechs und zwanzigster Abend.

Vater. Nun, Kinder, diesmahl hab' ich euch recht viel zu erzählen!

Alle. O herlich! herlich!

Vater. Wenn ich nur an einem Abend damit fertig werden kan!

Einige. O wir wollen Vater auch gar nicht unterbrechen; da wird's gewiss gehen.

Vater. Nun, ich will's versuchen. Bereitet euch also immer zu einem neuen fürchterlichen Auftritte, von dem man noch nicht wissen kan, wie er ablaufen werde.

(Die Kinder drükten einander ihre Vermutung durch eine Pantomime aus.)

Wenn ich jetzt fortfahren wolte euch alles das zu erzählen, was Robinson und Freitag durch hülfe ihrer Werkzeuge täglich machten: so würde' euch wohl kein sonderlicher Gefalle damit geschehen?

Johannes. O ja; aber das lässt sich ja wohl von selbst denken!

Vater. Ich begnüge mich also, nur zu sagen, dass sie nach und nach fast alle Handwerkerden Bekker, Schmied, Schneider, Schuster, Zimmerman, Tischler, Radmacher, Töpfer, Gärtner, Akkersman, Jäger, Fischerund noch viel andere so glücklich nachahmten, dass sie hunderterlei Dinge machen lernten, wozu wir andern europäischen Faullenzer der hülfe eben so vieler Menschen bedürfen. Ihre Kräfte wuchsen in eben dem Grade, in welchem sie dieselben anstrengten; und auch ihr Gemüt wurde unter einer beständigen nüzlichen Geschäftigkeit je länger je heiterer, je länger je besser. Ein Beweis, dass der liebe Gott uns zu einer solchen Geschäftigkeit wohl recht eigentlich geschaffen haben muss, weil wir allemahl gesunder, besser und glücklicher darnach werden.

Mehr als ein halbes Jahr war nun unter solchen angenehmen Verrichtungen dahin geflossen, ohne dass Freitag es gewagt hatte, seinen Herrn an die Reise nach seiner Heimat zu erinnern; ob er gleich oft, nach vollendeter Arbeit, auf den Berge lief, von wannen er nach der Gegend seiner Geburtsinsel hinsehen konte, und dan allemahl, wie ein Träumender, in tiefen Gedanken da stand und das Unglück beseufzte, von seinem Vater vielleicht auf immer getrent zu sein. Robinson hingegen wolte bis dahin mit Fleiss nicht davon reden, weil er den Wunsch seines Freundes doch nicht eher erfüllen konte, bis sie mit den nötigsten Einrichtungen, welche ihre neue Lebensart erfoderte, würden fertig geworden sein.

jetzt war das Nötigste getan; und nun war Robinson der erste, welcher in Vorschlag brachte, dass sie wieder ein schiff bauen wolten, um Freitags Vater abzuhohlen. Die Freude des guten Burschen über diese erfreuliche Nachricht war wieder eben so gross, als neulich und seine Dankbarkeit gegen Robinson äusserte sich gleichfalls auf die nemliche Weise. Die Arbeit wurde also gleich am nächsten Morgen angefangen, und ging nun, wie natürlich, zehnmahl geschwinder und besser von statten, als das erste mahl.

Eines Morgens, da Robinson mit häuslichen Verrichtungen beschäftiget war, schikt' er Freitag nach dem Strande, um eine Schildkröte zu suchen, weil sie von diesem angenehmen Gerichte schon in langer Zeit nicht genossen hatten. Dieser war noch nicht lange weg gewesen, als er plözlich wieder zurückflog und vom Laufen und Schrekken so ganz ausser Atem war, dass er nur mit stamlender Zunge die Worte hervorbringen konte: sie sind da! da!

Robinson erschrak und fragte eiligst, wer denn da wäre?

»O Herr! O Herr! antwortete Freitag, ein, zwei, drei, sechs KanoesEr konte in der Angst die Zahl sechs nicht gleich finden.

Robinson kletterte geschwind den Hügel hinauf und erblikte nicht ohne Grausen, was Freitag gesagt hatte, – sechs Kähne vol Wilden, die eben im Begrif waren, zu landen. Er stieg hierauf hurtig wieder hinab, sprach dem zitternden Freitag Mut zu und fragte ihn dan: ob er entschlossen wäre, ihm treulich beizustehen, fals es zwischen ihnen und den Wilden zu einem Gefechte kommen sollte?

»Mit Leib und Lebenantwortete dieser, der sich unterdessen schon wieder erhohlt hatte, und seine kriegerische Tapferkeit zurück rief. »Wohl denn, sagte Robinson, so wollen wir versuchen, ob wir die Unmenschen verhindern können, ihr abscheuliches Vorhaben auszuführen. Meine Absicht will ich dir unterweges sagen; jetzt ist keine Zeit zum Reden, sondern zum Tun

Hiermit zog er eine der kleinen Kanonen vom Walle herunter, die auf Rädern ruhete; hohlte sechs scharf geladene Flinten, vier Pistolen und zwei Säbel hervor. Jeder von ihnen stekte zwei Pistolen und deinen Säbel in den Gurt, nahm drei Flinten auf die Schulter, und spante sich vor