ihnen zu hülfe eile. Kaum war dieses geschehen: so sah man mit Schrekken das brennende schiff plözlich unter einem grossen Knal in die Luft fliegen, und bald darauf war alles versunken und das Feuer erloschen. Die Flamme hatte nämlich die Pulverkammer des Schifs ergriffen.
Was aus den unglücklichen Leuten des Schifs geworden sei, konte man noch nicht wissen. Es war möglich, dass sie vor dem Auffliegen des Schifs sich in die Böte gerettet hätten; deswegen fuhr der Kapitain die ganze Nacht hindurch fort, aus den Kanonen schiessen zu lassen, um die Gefahrleidenden zu benachrichtigen, in welcher Gegend das schiff sei, welches ihnen zu hülfe zu kommen wünsche. Auch liess er alle Laternen aushängen, damit das schiff von ihnen möchte gesehen werden.
Mit Anbruch des Tages entdekte man durch die Ferngläser wirklich zwei Böte, welche vol von Menschen waren und welche zwischen den hohen Wellen auf und nieder schwankten. Man bemerkte dass sie aus allen Kräften dem Schiffe zuruderten, indem der Wind ihnen entgegen war. Gleich liess der Kapitain die Flagge wehen, zum Zeichen, dass man sie bemerkt habe, und dass man sie aufzunehmen bereit sei. Das schiff segelte zugleich stark auf sie zu, und in einer halben Stunde hatte man sie glücklich erreicht.
Es waren sechzig Menschen, Männer, Weiber und Kinder, die alle an Bord genommen wurden. Da hätte man sehen sollen, was das für ein rührender Auftrit war, da diese armen Leute sich nunmehr glücklich gerettet sahn! Einige weinten laut vor Freuden; andere schrien, als wenn sie jetzt erst in Gefahr geraten wären; einige sprangen wie sinlos auf dem Schiffe herum, andere waren blas, wie der Tod, und rungen die hände; andere lachten, wie Wahnsinnige, und tanzten und jauchzten laut; andere hingegen standen stum und leblos da und konnten kein Wort sprechen.
Bald fielen einige von ihnen auf ihre Knie, hoben ihre hände gegen Himmel und dankten laut dem Gotte, dessen Vorsehung sie so wunderbar errettet hatte. Bald sprangen sie wieder auf, hüpften wie Kinder, zerrissen sich die Kleider, weinten; fielen in Ohnmacht, und konnten kaum wieder ins Leben zurückgerufen werden. Auch dem härtesten Matrosen, der das mit ansahe, lief eine Träne über die Bakken.
Unter diesen Unglücklichen befand sich auch ein junger Geistlicher, der sich unter alle am mänlichsten und würdigsten betrug. Bei seinem ersten Tritt auf das schiff legte er sich aufs Gesicht nieder, und schien ganz leblos zu sein. Der Schifskapitain trat zu ihm, um ihn zu ermuntern, weil er glaubte, dass er in Ohnmacht gefallen sei. Aber er redete ganz ruhig, dankte ihm für sein Mitleid und sagte: »erlauben sie, dass ich erst meinen Schöpfer für unsere Errettung danke; dan will ich auch ihnen sagen, wie sehr ich ihre Wohltat mit innigstem Dank erkenne.« Der Schifskapitain trat ehrerbietig zurück.
Einige Minuten blieb er auf seinem gesicht liegen; dan richtete er sich freudig auf, und ging zum Kapitain, um auch ihm seinen Dank zu sagen. Hierauf wandte er sich zu seinen gefährten, und ermahnte sie, ihr Gemüt zu beruhigen, um ihre Gedanken desto besser zu dem Algütigen erheben zu können, dem sie die ungehofte Erhaltung ihres Lebens zu verdanken hätten. Sein Zureden tat auch bei vielen gute wirkung.
Und nun erzählte er, wer sie wären, und wie es ihnen gegangen sei.
Das verbrante schiff war ein grosses französisches Kauffarteischif gewesen, welches nach Quebek – seht hier, nach diesem Orte in Amerika – segeln wolte. Das Feuer war in des Steuermans Hütte ausgebrochen und hatte so geschwind um sich gegriffen, dass an kein Löschen zu denken war. Sie hatten nur noch eben so viel Zeit gehabt, einige Kanonen zu lösen, und sich dan in die Böte zu retten.
Was aus ihnen werden würde, hatte keiner von ihnen gewust. Das wahrscheinlichste war gewesen, dass sie alle mit ihren kleinen Schiffen bei dem geringsten Sturme von den Wellen würden verschlungen werden; oder dass sie in Kurzen vor Hunger und Durst würden umkommen müssen, weil sie von dem brennenden Schiffe nur auf einige Tage Brod und wasser mitnehmen konnten.
Frizchen. I, was brauchten sie denn wasser mitzunehmen? Sie waren ja mitten drauf?
Vater. Du hast vergessen, liebes Frizchen, dass das wasser im Meere so salzig und bitter ist, dass kein Mensch es trinken kan!
Frizchen. Ha! ha!
Vater. In diesem schreklichen Zustande, hatten sie die Kanonenschüsse von dem englischen Schiffe gehört, und bald darauf auch die aufgestekten Laternen erblikt. Zwischen Furcht und hoffnung hatten sie die lange traurige Nacht hingebracht, indem die Wellen sie immer weiter wieder zurück trieben, als sie mit Anwendung aller ihrer Kräfte vorwärts nach dem Schiffe zugerudert hatten. Endlich hatte das längst gewünschte Tageslicht ihrem Jammer ein Ende gemacht.
Robinson hatte die ganze Zeit über mit fürchterlichen Gedanken gekämpft. »Himmel, dachte er, haben diese Leute so grosses Unglück leiden können, unter denen doch gewiss wohl recht gute Selen sind: was werde' ich zu erwarten haben, der ich so undankbar gegen meine Eltern handeln konte!« Dieser Gedanke lag ihm, wie ein Berg, auf dem Herzen. Blass und stum, wie ein Mensch, der kein gutes Gewissen hat, sass er in einem Winkel, rang die hände, und getraute sich kaum zu beten, weil er dachte, Gott könne unmöglich ihn noch lieb haben.
Man liess die Geretteten, die