, um seine Freunde daselbst zu besuchen. Als er daselbst ankam, fragte ihn eine sehr teure und liebe Freundin: "Wohin er zu ziehen willens wäre?" Er antwortete: "Er wüsste es nicht." "Ei! sagte sie: unser Herr Nachbar Troost reist nach Strasburg um daselbst einen Winter zu bleiben, reisen Sie mit demselben!" Dieses fiel Stilling aufs Herz; er fühlte, dass dieses der Wink sei, den er erwartet hatte. Indem trat gemeldter Herr Troost in die stube herein. Alsofort fing die Freundinn gegen ihn an, von Stillingen zu reden. Der liebe Mann freuete sich von Herzen über seine Gesellschaft, denn er hatte schon ein und anderes von ihm gehört.
Herr Troost war zu der Zeit ein Mann von vierzig Jahren, und noch unverheuratet. Schon zwanzig Jahr war er mit vielem Ruhm Chirurgus in Schönental gewesen; allein er war jetzt mit seinen Kenntnissen nicht mehr zufrieden, sondern er wollte noch einmal zu Strasburg die Anatomie durchstudieren, und andre chirurgische Collegia hören, um mit neuer Kraft ausgerüstet wieder zu kommen, und seinem nächsten desto nützlicher dienen zu können. In seiner Jugend hatte er schon einige Jahre auf dieser berühmten hohen Schule zugebracht, und den Grund zu seiner Wissenschaft gelegt.
Dieser war nun der rechte Mann für Stillingen. Er hatte das edelste und beste Herz von der Welt, das aus lauter Menschenliebe und Freundschaft zusammen gesetzt war; dazu hatte er einen vortreflichen charakter, viel Religion und daraus fliessende Tugenden. Er kannte die Welt und Strasburg; und gewiss, es war ein recht väterlicher Zug der Vorsehung, dass Stilling just jetzt mit ihm bekannt wurde. Er machte deswegen alsbald Freundschaft mit Herrn Troost. Sie beschlossen, mit den Mess-Kaufleuten nach Frankfurt, und von da mit einer Retourkutsche nach Strasburg zu fahren; sie bestimmten nun auch den Tag ihrer Abreise, der nach acht Tagen vestgesetzt wurde.
Stilling hatte schon vorlängst seinem Vater und Oheim im Salenschen land seine fernere wunderbare Führung bekannt gemacht; diese entsetzten sich, erstaunten, fürchteten, hofften, und gestunden: dass sie ihn ganz an Gott überlassen müssten, und dass sie bloss von ferne stehen, und seinen Flug über alle Berge hin, mit Furcht und Zittern ansehen könnten, indessen wünschten sie ihm allen erdenklichen Seegen.
Stillings Lage war jetzt in aller Absicht erschrecklich. Ein jeder Vernünftiger setze sich in Gedanken einmal an seine Stelle und empfinde! – Er hatte sich mit einem zärtlichen frommen empfindsamen, aber dabei kränklichen Mädchen verlobt, die er mehr als seine eigene Seele liebte, und diese wurde von allen Aerzten verzehrend erklärt, so dass er sehr fürchten musste, sie bei seinem Abschied zum letztenmahl zu sehen. Dazu fühlte er alle die schweren Leiden, die ihr zärtlich liebendes Herz während einer so langen Zeit würde ertragen müssen. Sein ganzes künftiges Glück beruhte nun bloss darauf, ein rechtschaffener Arzt zu werden; und dazu gehörten zum wenigsten tausend Reichstaler, wozu keine hundert für ihn in der ganzen Welt zu finden waren; folglich sah es auch in diesem Fall misslich mit ihm aus, fehlte es ihm hie, so fehlte ihm alles.
Und dennoch, ob sich Stilling gleich alles sehr lebhaft vorstellte, so setzte er doch sein Vertrauen vest auf Gott, und machte diesen Schluss:
"Gott fängt nichts an, oder er führt es auch herrlich aus. Nun ist es aber ewig wahr, dass er meine gegenwärtige Lage ganz und allein, ohne mein Zutun so geordnet hat."
"Folglich: ist es auch ewig wahr, dass er alles mit mir herrlich ausführen werde."
Dieser Schluss machte ihn öfters so mutig, dass er lächelnd gegen seine Freunde zu Rasenheim sagte: "Mich soll doch verlangen, wo mein Vater im Himmel Geld für mich zusammen treiben wird!" Indessen entdeckte er keinem einigen Menschen weiter seine eigentlichen Umstände, besonders Herrn Troost nicht, denn dieser zärtliche Freund würde gross Bedenken getragen haben, ihn mitzunehmen; oder er würde wenigstens doch herzliche sorge für ihn ausgestanden haben.
Endlich rückte der Tag der Abreise heran, und Christine schwamm in Tränen und wurde zuweilen ohnmächtig, und das ganze Haus trauerte.
Am letzten Abend sassen Herr Friedenberg und Stilling allein zusammen. Ersterer konnte sich des Weinens nicht entalten; mit Tränen sagte er zu Stillingen: Lieber Sohn! das Herz ist mir sehr schwer um Euch, wie gern wollt ich Euch mit Geld versehen, wenn ich nur könnte, ich hab meine Handlung und Fabrique mit nichts angefangen, nunmehr bin ich eben so weit, dass ich mir helfen kann; wenn ich Euch aber wollte studiren lassen, so würde ich mich ganz zurück setzen. Und dazu hab ich zehn Kinder, was ich dem ersten tue, das bin ich hernach allen schuldig.
hören Sie, Herr Schwiegervater! antwortete Stilling mit frohem Mut, und fröhlichem Gesicht: ich begehre keinen heller von Ihnen, glauben Sie nur gewiss: derjenige, der in der Wüsten so viel tausend Menschen mit wenig Brod sättigen konnte, der lebt noch, dem übergebe ich mich. Er wird gewiss Rat schaffen. Sorgen sie nur nicht, "der Herr wirds versehen".
Nun hatte er seine Bücher, Kleider und Geräte voraus auf Frankfurt geschickt; und des andern Morgens, nachdem er mit seinen Freunden gefrühstückt hatte, lief er hinauf nach der kammer seiner Christinen; sie sass und weinte. Er ergrif sie in seine arme, küsste sie und sagte: "Lebe wohl, mein Engel