mitten Löcher darein, und steckten sie an die Achsen; das war nun eine himmelschreiende Sünde, denn wie viele Menschen haben kein Brod zu essen. Unser Herr Gott ward es auch endlich müde; denn es kam des Abends spät ein weisses Männchen ins Schloss, der sagte ihnen an, dass sie alle binnen drei Tagen sterben müssten, und zum Wahrzeichen gab er ihnen, dass diese Nacht eine Kuh zwei Lämmer werfen würde. Das geschah auch, aber niemand kehrte sich dran, als der jüngste Sohn, der Ritter Sigmund hiess, und eine Tochter, die eine gar schöne Jungfrau war. Diese beteten Tag und Nacht. Die andern sturben alle an der Pest, und diese beide blieben am Leben. Nun war aber hier auf dem Geisenberg auch ein junger kühner Ritter, der ritte beständig ein grosses schwarzes Pferd, deswegen hiess man ihn auch nicht anders, als den Ritter mit dem schwarzen Pferd. Er war ein gottloser Mensch, der immer raubte und mordete. Dieser Ritter gewann die schöne Jungfrau auf dem Kindelsberg lieb, und wollte sie absolut haben, aber es nahm ein schlechtes Ende. Ich kann noch ein altes Lied von der geschichte."
Der Schulmeister sagte: ich bitte' euch, Kraft, (so hiess der Bauer) sagt mir doch das Lied vor! Kraft antwortete: das will ich gern tun, ich will dirs wohl singen. Er fing an:
Zu Kindelsberg auf dem hohen Schloss,
Steht eine alte Linde:,:
Von vielen Aesten kraus und gross,
Sie saust am kühligen Winde:,:
Da steht ein Stein, ist breit, ist gross,
Gar nah an dieser Linde:,:
Ist grau und rauh von altem Moos,
Steht fest im kühligen Winde:,:
Da schläft eine Jungfrau den traurigen Schlaf,
Die treu war ihrem Ritter:,:
Das war von der Mark ein edler Graf,
Ihr wurde das Leben bitter:.:
Er war mit dem Bruder ins weite Land
Zur Ritter-Fehde gegangen:,:
Er gab der Jungfrau die eiserne Hand,
Sie weinte mit Verlangen:,:
Die Zeit die war nun lang vorbei,
Der Graf kam noch nicht wieder:,:
Mit Sorg und Tränen mancherlei,
Sass sie bei der Linde nieder:,:
Da kam der junge Rittersmann,
Auf seinem schwarzen Pferde:,:
Der sprach die Jungfrau freundlich an,
Ihr herz er stolz begehrte:,:
Die Jungfrau sprach: du kannst mich nie
Zu deinem Weiblein haben:,:
wenn es dürr ist das grüne Lindlein hie,
Dann will ich dein herz laben:,:
Die Linde war noch jung und schlank,
Der Ritter sucht im land:,:
Ein' dürre Linde so gross, so lang,
Bis er sie endlich fande:,:
Er ging wohl in dem Mondenschein
Grub aus die grüne Linde:,:
Und setzt die dürre dahinein,
Belegt's mit Rasen geschwinde:,:
Die Jungfrau stand des Morgens auf,
Am Fenster war's so lichte:,:
Des Lindleins Schatten spielte nicht drauf,
Schwarz ward's ihr vor dem gesicht:,:
Die Jungfrau lief zur Linde hin,
Setzt' sich mit Weinen nieder:,:
Der Ritter kam mit stolzem Sinn,
Begehrt' ihr herz wieder:,:
Die Jungfrau sprach in grosser Not:
Ich kann dich nimmer lieben!:,:
Der stolze Ritter stach sie tot,
Das tät den Graf betrüben:,:
Der Graf kam noch denselben Tag,
Er sah mit traurigem Mute:,:
Wie da bei dürrer Linde lag
Die Jungfrau in rotem Blute:,:
Er machte da ein tiefes Grab,
Der Braut zum Ruhebette:,:
Und sucht' eine Linde Berg auf und ab,
Die setzt' er an die Stätte:,:
Und einen grossen Stein dazu,
Der steht noch in dem Winde:,:
Da schläft die Jungfrau in guter Ruh,
Im Schatten der grünen Linde:,:
Stilling lauschte still, er durfte kaum Odem holen, die schöne stimme des alten Krafts, die rührende Melodie und die geschichte selber würkten dergestalt auf ihn, dass ihm das Herz pochte, er besuchte den alten Bauer oft, der ihm dann das Lied so oft vorsang, bis er es auswendig konnte. Nun senkte sich die Sonne hinter den fernen blauen Berg; Kraft und der Schulmeister gingen den Hügel herab, die braunen und scheckigten Kühe grasten in der Trift, ihre heisere Schellen klangen wiederhallend hin und her. Die Knaben liefen in den Höfen herum, und teilten ihr Butterbrod und Käse zusammen; die Hausmütter machten den Stall zurecht, und die Hüner flatschten eins nach dem andern hinauf zu ihrem Loch; noch einmal drehte sich der orangegelbe und rotbraune Hahn auf seinem Pfahl vor dem Loch herum, und krähte seinen Nachbarn gute Nacht; durch den Wald herab sprachen die Kohlbrenner, die Quersäcke auf den Nacken, und freuten sich der nahen Ruhe.
Henrich Stillings Schulmetode war seltsam, und so eingerichtet, dass er wenig oder nichts dabei verlor. Des Morgens, sobald die Kinder in die Schule kamen, und alle beisammen waren, so betete er mit ihnen, und catechisirte sie in den ersten grundsätzen des christentum nach eigenem Gutdünken ohne Buch; dann liess er einen jeden ein Stück lesen, wenn das vorbei war, so ermunterte er die Kinder, den Catechismus zu lernen, indem er ihnen versprach, schöne Historien zu erzählen