Stab weiter; es war aber so nebelig, dass er kaum einige Schritte vor sich hin sehen konnte; da er nun auf eine grosse Heide kam, wo viele Wege neben einander her gingen, so folgte er immer demjenigen, welcher ihm am gebahntesten schien. Als sich nun zwischen zehn und elf Uhr der Nebel verteilte, und die Sonne durchbrach; so fand er, dass sein Weg gegen Morgen ging. Er erschrak herzlich, wanderte noch ein wenig fort, bis auf eine Anhöhe, da sah er nun den Flecken wieder nahe vor sich, in welchem er über Nacht geschlafen hatte. Er kehrte wieder um; und da nun der Himmel heiter war, so fand er die grosse Heerstrasse, die ihn binnen einer Stunde auf eine grosse Höhe führte.
Hier setzte er sich auf einen grünen Rasen, und schaute gegen Südosten. Da sah er nun in der Ferne das alte Geisenberger Schloss, den Giller, den Höchsten Hügel und andere gewohnte Gegenden mehr. Ein tiefer Seufzer stieg ihm in der Brust auf, Tränen flossen ihm die Wangen herunter, er zog seine Tafel heraus und schrieb:
Noch einmal blickt mein mattes Auge,
Nach diesen frohen Bergen hin.
O! wenn ich die Gefilde schaue,
Die jene himmels-königin
Mir oft mit kühlen Schatten mahlte,
Und lauter Wonne um mich strahlte;
So fühl ich, wie in süssen Träumen,
Die reinste Lüfte um mich wehn,
Als wenn ich unter Edens Bäumen
sehe Vater Adam bei mir stehen,
Als wenn ich Lebenswasser trünke,
Am Bach in süsse Ohnmacht sünke.
Dann weckt mich ein Gedanke wieder,
So wie der stärkste Donnerknall
Sich wälzt vom hohen Giller nieder,
Und Blitze zücken überall,
Die Hündinn starrt, und fährt zusammen,
Sie blinzelt in den lichten Flammen.
Dann sinkt mein Geist zur schwarzen Höhle,
Schaut über sich und um sich her,
Dann kommt kein Licht in meine Seele,
Dann schimmert mir kein Sternlein mehr,
Dann ruf ich, dass die Felsen hallen,
Und tausend Echo wiederschallen.
Doch endlich glänzt ein schwacher Schimmer,
Der Menschen-Vater winket mir,
Und sehe ich euch, ihr Berge, nimmer,
So blüht im Segen für und für!
Bis euch der letzte blick zertrümmert,
Und ihr wie Gold im Ofen schimmert.
Und dann will ich auf euren Höhen,
Dann, wann ihr einst verneuert seid,
Umher nach Vater Stilling sehen,
Mich freuen, wo sich Dortchen freut,
Dann will ich dort in euren Haynen,
In weissen Kleidern auch erscheinen.
Wohlan! ich wende meine Blicke
Nach unbekannten Bergen hin,
Und schaue nicht nach euch zurücke,
Bis dass ich einst vollendet bin.
Erbarmer! leite mich im Segen,
Auf diesen unbekannten Wegen!
Nun stunde Stilling auf, trocknete seine Tränen ab, nahm seinen Stab in die Hand, den Reisesack auf den rücken, und wanderte über die Höhe ins Tal hinunter.