aller Seelen Erbauung und Besserung," vor:
"D i e b e s t e K u r d e s P o d a g r a . "
I m e r s t e n T h e i l : Der Patient muss, wie der
Gichtbrüchige im unserm Evangelio, einsehen,
muss z w e i t e n s Vergebung suchen, und
d r i t t e n s aufstehen und wandeln.
HERR v. G. Ich hatte nicht Kirchenpatron sein sollen. HERMANN. Witz ist wie ein Aal, er windet sich heraus. HERR v. G. Ich hätt' ihn schon gehalten. Man wird doch wohl in der Gemeinde mit Ehren die Gicht haben können? DER JÜNGERE HERR v. G. Auf den ersten Gegenschlag kommt viel an. ICH. Alles, Bruder. Eine Hauptregel beim Kampf. Gib zuerst den guten Wein, und wenn dein Gegner trunken, den geringern. Der erste Schlag ist die erste Frage beim Examen. Die erste Antwort entscheidet. DER JÜNGERE HERR v. G. Ich denke' immer, Bruder, ein Armer ist allein herzhaft. ICH. Hat er denn weniger zu verlieren als ein Reicher? Leben ist Leben! – Zu viel Herz macht kühn, zu wenig Herz macht desperat. Der Kampf ist in beiden Fällen blutig. DER JÜNGERE HERR v. G. Ein General hat das beste teil erwählt. Er ficht nicht allein; er weiss, wer ihn umgibt. Das möchte' ich sein! ICH. Ein Adler fliegt allein, Bruder. Küh' und Schafe gehen zusammen. Ein General ist der Hahn, der die Veränderung des Wetters zuerst merkt, der den Ton angibt. Meine Mutter meint, der Hahn, der zuerst kräht, sei der Superintendent unter den Hähnen. Der Generalstitel steht dem Hahn besser an. Hiemit genug vom Mut. Es sieht trasonisch aus, viel über den Mut zu sprechen. Der Mut hat seine Teorie; er fängt mit der Praxis an und hört mit der Teorie auf. DER JÜNGERE HERR v. G. Bruder, du rede'st wie ein Buch. Was ist trasonisch? ICH. Prahlhänsisch. – Kein Wort vom Mut mehr. DER JÜNGERE HERR v. G. Meinetwegen. HERR v. W. Die Art, Geschenke zu machen – PASTOR. Das hab' ich nie geläugnet. Es ist der Schlüssel zum geheimsten Herzenskämmerlein; der eine drückt in die Hand, der andere legt es unvermerkt auf den Tisch; dieser gibt in Papier gewikkelt, der in Geld, der in Geldes Wert; dieser wird rot, der blass – der steht freundlich aus, der als ob er im Spiel verloren, der andächtig, als wenn er etwas in den Gotteskasten legt, und vom lieben Gott einen Wechselbrief entgegen nimmt, oder ihn b e z i e h t , der als wenn er die Musikanten bezahlt und von ihnen erwartet, dass sie ihm den Dank vorgeigen möchten. Jeder Griff bei allen diesen Arten ist aus dem Herzen genommen. Wenn ich einen Menschen gesehen ein Geschenk geben, so müsst' ich mich sehr irren, wenn ich seinen Charakter nicht auf ein Haar treffen sollte. HERR v. W. Also die Manier, der Anstand, die höfliche Art – Herr v. G. – würde das Geschenk an den Kopf werfen. PASTOR. Vielleicht edler, als es mit überdachten Worten geben, und den Nehmer noch in mehr Schuldigkeit setzen – die höfliche Art macht es nicht. HERR v. W. Ei! Ei! Herr Pastor – die Höflichkeit ist zu allen Dingen nütze. PASTOR. Die Gottseligkeit, wollen Ew. Hochwohlgeboren sagen.
Diese beiden Leute schieden sehr höflich
auseinander, und so wie wasser zu wasser, so
flossen Herr v. W. und Hermann zusammen.
DER JÜNGERE HERR v. G. Wirst du viel Bücher mitnehmen? ICH. Sehr wenig. Ich bin sehr für geliehene Bücher. Hat man selbst das Buch, glaubt man: ein andermal. Man sieht es im Schranke und denkt: wenn ich gelegenere Zeit haben werde. Ein Bibliotaphus, ein Büchergeiziger, ist, nach meines Vaters Ausdruck, ein Teufel, ein Seelenverderber. DER JÜNGERE HERR v. G. Wenn man ein Buch leiht, sagt mein Hofmeister, ist es am sichersten, sich Auszüge zu machen; ich glaube', es hilft dem Gedächtnis. ICH. Einerlei, ob das Buch oder der Auszug sanft im Schranke ruht. Ich bin für keinen Auszug. DER JÜNGERE HERR v. G. Ein Rückhalt, Bruder, ist eine gute Sache. Wenn man es vergisst – ICH. So ist das Buch da. Auszug, wenn er ja den Namen verdient, ist eine Brühe. Ich bin nicht für Brühen, solang ich gesund bin. HERR v. W. Ich leide keine Uebertreibung. Einem kind, was tot auf die Welt kommt, den Verstand ansehen wollen, find' ich zu hoch geflogen. HERMANN. Wenn es indess die Züge des Vaters hat, und der Vater – ICH. Manches Buch soll uns nur die Stirn lichten – von manchem dürfen wir nur die Taler Alberts behalten. Ist es nötig, dass ich etwas bis auf Ort und Vierding weiss, kauf' ich mir das Buch, um mir nachzuhelfen, um einen Stab zu haben, an dem ich gehe. DER JÜNGERE HERR v. G. Erst