zwei unterschiedene Dinge. HERR v. G. Herr Bruder! da kommen wir in zehn Jahren nicht von einander. Ich weiss, bei dir macht die Seele mit dem leib, und der Leib mit der Seele Umstände. – Du sagst zu dir selbst, wenn du allein im wald bist und niesest, Gott helf! und wenn das Echo nachsagt: Gott helf! sprichst du, ich bin ergebenst verbunden; wenn du dich am Baum stössest, bückst du dich mit den Worten: ich bitte tausendmal um Vergebung. – Das ist einmal deine Weise: Gott helf dir mit dem Petrus an der Himmelstür aus einander! Was darf aber Herr Hermann accompagniren? und sich wie eine Klinge biegen, die man probirt? HERMANN. Ich bitte untertänigst um Verzeihung. HERR v. W. Ich nicht – ich fordere dich auf deine eigene Klinge heraus. Klingen, die sich biegen, springen die wohl? Herr Hermann, richten Sie sich nach der Jahreszeit. – Beim Herrn v. G. – ist alle Mühe vergebens. glaube mir, Herr Bruder, du verfehlst deinen Zweck – du willst ein Deutscher sein; die deutsche Sprache ist dir eine Fundgrube, und du erniedrigst sie. Wo ist eine, in der mehr Samen zur Höflichkeit keimt? HERR v. G. In meiner deutschen Sprache nicht. HERR v. W. So sprichst du die curländisch-deutsche, das ist, eine Sprache, die man so gut, wie die curische, undeutsch nennen könnte. HERR v. G. Wenn du behauptest, die deutsche Sprache sei höflich, so behaupt' ich, sie sei grob, wenigstens ist sie beides in gleichem Grade. So lange das verdammte Wort D e r o drin ist, hat das Genie einen Todfeind in der Sprache. Entweder alles Sie, oder alles Du, sonst – dass Euch der Teufel mit Ew. Hochwohlgeboren – HERR v. W. Herr Bruder, das ist noch der einzigste Beweis, dass wir der Deutschen Nachbaren sind – sonst wären wir Barbaren, in diesem verfluchten Du-land. HERR v. G. Wir sollten hier in Norden kurz sein. Die Worte frieren sonst im mund. HERR v. W. Und ich denke', in Süden hat man nicht Lust, den Mund zu bewegen. Reden ist eine Bewegung. HERR v. G. Es kann sein; indessen ist die Bewegung, die Ew. Hochwohlgeboren sich dabei machen, höchstens stubenlang. – Du bleibst immer auf einer Stelle. Man sagt von den Seeleuten, wenn sie sich gleich Landgüter von vielen Meilen kaufen, dass sie nur so weit spazieren gingen, als ihr Schiff lang war. – Du sprichst, wie die Seeleute gehen. PASTOR. Indessen ist die Bewegung dieselbe. Der Mensch nimmt zwar gern einen entfernten Ort, wohin er gehen will; dieses Ziel leistet ihm Gesellschaft. – Er unterhält sich mit ihm, er fragt es: werde' ich bald da sein? – Geht er mit Freunden und Freundinnen, geht er wie der Schiffsmann; denn die Gesellschaft ist Seelenbewegung, die geht über die körperliche. Sonst aber glaube' ich, je weiter das Ziel, desto entschlossener der Kopf. Auch bei Erholungen will man Zweck. HERR v. W. Da siehst du, Herr Bruder – HERR v. G. Dass Ew. Hochwohlgeboren keinen entschlossenen Kopf verraten. HERR v. W. Einen Admiralskopf – HERR v. G. Der sein Schnupftuch vorhält, und sich Segel macht, wenn er zu Pferde steigt. HERR v. W. Das allgemeine D u in Curland ist und bleibt mir unerträglich; alles ist Bruderherz und Du. HERR v. G. Das Menschlichste, was ich weiss. HERMANN. Ich mache mir Bedenken, den Hund eines alten Edelmanns zu dutzen. HERR v. G. Und der Hund eines alten Edelmanns ist erkenntlich, und dutzt auch nicht. – Herr! um Ihnen ganz d e u t s c h zu sagen, Sie sind –
* * *
Schade! – der junge Herr von G – nahm mich, und
wir gingen im Garten eine grüne Strasse auf und ab,
wie ein Paar Schiffsleute.
Im Garten.
DER JÜNGERE HERR v. G. Jagen Sie? ICH. Nein. DER JÜNGERE HERR v. G. Was werden Sie denn auf der Universität machen? ICH. Studiren. HERR v. G. Ich, jagen und studiren. Man wird doch wohl einen akademischen Jäger, einen Nimrod treffen, der Jagdcollegia liest. Fechten und Jagen ist Vater gäbe mir den S a t a n mit. ICH. Den Satan? HERR v. G. Den grossen Jagdhund. Ich hab' ihn so benannt. ICH. Ich bin kein Jagdfreund, ich werde' es nie sein. Man lernt da auf Unschuld anlegen und zielen, und meuchelmorden. HERR v. G. Essen Sie kein wild? ICH. Gern – ich lass' aber das Jagen, wie das Schlachten und Kochen, andern über. – Mein Vater sagt, jede Köchin sei grausam. Das Kochhandwerk ist ein Handwerk für Männer, die sich auch, sobald es ins Grosse geht, nicht von ihrem angebornen, ihnen angestammten Recht abbegeben. Jagen und Kochen, denke' ich, sind sehr nahe verwandt. HERR v. G. So weich, und haben Krieg geführt? ICH. Um meinen Arm auszuarbeiten.