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des himmels willen kein dummes Weib, denn wie die Mutter, so die Söhne, wie der Vater, so die Töchter. PASTOR. Nicht allemal. HERR v. G. Mutatis mutandis. Etwas ist immer da. PASTOR. Eher haben die Grosseltern auf den Geist der Grosskinder Einfluss, auch der Leib ist mehr der Grosseltern Abdruck. Hierüber habe ich Bemerkungen von besonderer Art gemacht. Oft ist der Körper auf ein Haar die Mutter, die Seele aber der Vater und umgekehrt. HERR v. G. Mein SohnZu mir. – den ich Ihnen empfehle, er selbst wird es schwerlichist die Mutter in meinem Jagdrock. – Der Jung' ist nicht ich. Was ist zu machen? Die Welt ist nicht die beste. PASTOR. Die besteHERR v. G. Noch eine Frage, Pastor! warum ist meine Frau geizig? PASTOR rückhaltend. Gehorsamer Diener! HERR v. G. Warum sind die Weiber allzumal geizig? PASTOR. Weil sie selbst nichts erwerben, und von Zinsen leben. Jedes Zinsenleben ist vom Geiz begleitet. HERR v. G. Die Schlussfrage Wir hörten die Kommenden. warum sprechen Sie nicht Zu mir. mit? ICH. Weil ein junger Mensch in Gesellschaft der Alten nicht anders als Secretär ist, der aufschreibt.

Da sehen meine Leser, wie es zugegangen, dass ich

so viel behalten habe. Erst Sekretär! dann Rat!

So geht es in allen gesitteten freien Reichsstädten.

Jetzt wird es grosse Lücken geben. Ich kann nur

wieder sagen, was ich gehört, und wiederholen,

was ich selbst dazu beigetragen habe, also je

nachdem ich gegangen, je nachdem ich

gestanden, je nachdem ich gesessen.

Da ist der Herr v. W., seine Frau, ein kleines Fräu

lein. Mein Herr Schwiegervater, reitend beim

Wagen, den Hut alle Augenblicke unterm Arm. –

Herr v. G – und sein Haus, ihnen entgegen. Mein

künftiger Herr Reisegefährte und sein Herr Hofmei

ster, die sich nicht lang mehr haben werden, schlie

ssen sich an. – Noch eine Ladung, und noch eine!

noch eine! – ich armer Schreiber! wenn es anginge,

wünschte ich Diensterlassung. Für ein so grosses

Kollegium hat mich die natur mit zehn Fingern zu

wenig ausgerüstet. – Meine Leser (ich werde mich

protestando verwahren), werden finden, dass ich ge

tan, was ich gekonnt.

Im Zimmer.

HERR v. W. Um Verzeihung, Herr Bruder, dass ich dem Herrn Bruder noch einen Gast mitbringe. HERR v. G. zum HERRN v. W. Bei mir hat gebetener und ungebetener denselben PlatzZum Literatus. ich gratulire zum Hermann! Herr, alter Herr! HERMANN. (So will ich von stunde an meinen vielbenannten oder namenlosen Schwiegervater nennen.) Ich dank' untertänigst. HERR v. G. Wie aber zum Hermann. Wie Saul unter die Propheten? HERMANN. Des Zipperleins wegenHERR v. G. Das lass' ich gelten. HERMANN. Der edlen Musica halber. HERR v. G. Das lässt sich hören. Sonst war der rechte Hermann ein frommer stiller Mann, aber der alte Herr ist ein geborner Hofschranze von Kindesbeinen an gewesen. HERMANN. Ich bitte untertänigst um Vergebung, ich habe oft zu sehr die Wahrheit geliebt, ich habe sogar die Ehre gehabt, Märtyrer der Wahrheit zu werden. HERR v. G. Hier! Herr Hermann, hier ist Pulver auf die Pfanneich weiss, Sie mussten zum Beispiel drei Tage und drei Nächte wachen. HERMANN. Der reinen Wahrheit wegen. Ew. Hochwohlgeboren haben die Gnade, mich recht zu gelegener Zeit daran zu erinnern, oder wie Sie es zu nennen geruhen, mir Pulver auf die Pfanne zu reichen. Ich setzte dem Herrn v. – eine Grabschrift: Hier schläft ein Mann, der nie gewacht hat; höchstens tat er, als wacht' er. Genau genommen sprach er im Traum. Wanderer, bete für ihn, sonst verschläft er den jüngsten Tag. HERR v. G. Wahr, allein warum wahr? weil der Todfeind des Herrn v. – dem Grabschriftsteller wohltat. Wie oft, lieber alter Herr, haben Sie sich auf den Mund geklopft, und sich eine Palinodie recantatio und Widerruf gefallen lassen müssen, so was geschieht nicht salva fama. Herr! Sie waren klug genug, die Lebendigen leben zu lassen, Sie trieben nur Mutwillen an den toten! indessen fand sich doch noch hie und da ein Grabrächer, und Ew. Hochedeln mussten, ihrer Grabschriften ohne Censur wegen, den selig Verstorbenen ehrenerklären. –

Ei, denken Sie noch an Ihre selbsteigene Grab

schrift: Das nenn' ich Retorsion und Beleg zu der

güldenen deutschen Regel: Auf eine Lüge eine

Maulschelle.

"H i e r w a c h t d e r l e b e n d i g T o d t e ."

HERMANN. Die zeiten sind gottlob! vorbei. HERR v. G. Zu Grabschriften freilich, allein Sie waren, wie ich merke, erst mehr ein Fechter, jetzt mehr ein Tänzer. Wenn ich wie mein Schwager v. W – wäre, ich würde' Ihnen die Bücklinge abgewöhnenund dann würden Sie ein brauchbarer Mann sein! allein mein Schwager liebt die Höflichkeitdie Schmeicheleiwie soll es heissen? HERR v. W. Höflichkeit und Schmeichelei sind