Menschen aufrichtig gemacht; allein er sucht viele Künste. Wir sehen einem Menschen, den w i r w o l l e n , ins Gesicht, vorzüglich in die Augen. Seine Affekte liegen auch im Naturteil, und rings herum. Wer sich sehr verstellen kann, treibt sie nach unten, und immer zugleich in Hand und Fuss. Fuss und Hand sind wie Mann und Weib ein Leib; Fuss der Mann, Hand das Weib. Das Gesicht ist das Bild und die Ueberschrift der Seele. Um den Mund herum liegt die Mienensprache, zu fordern und abzuschlagen, um die Augen herum, zu bejahen und zu verneinen. Diess ist die verehrungswürdigste Sprache, die alle Welt versteht, die auch ein guter teil Tiere fasst. Mein Gott! Warum lernt man sie nicht mehr? HERR v. G. Sie würde' uns das Herz abstossen. Das ABC, was wir haben, ist schon so herzbrechend. PASTOR. Es würde aber viele Kunst dazu gehören, um diese natur auszuspähen. Ihre probe wäre, dass sie von aller Welt gleich verstanden würde. HERR v. G. So hat sie ja eine gleiche probe mit dem Guten, nicht wahr? Da muss auch das Urteil allgemein sein? beim Schönen nicht. Was die Sonne am Himmel, das ist das Auge dem Menschen; indessen hab' ich gefunden, dass die Grösse nicht immer gleich ist; ich selbst hab's bald gross, bald klein – oft Augenfinsterniss. PASTOR. Wenn die Augenlider weiter aufgetan sind als gewöhnlich, ist der Mensch heiter – froh. Wenn er einen grossen Gedanken fasst, sind die Augen nur halb offen, zum Zeichen, dass dieser Gedanke von innen komme, und dass man ihn da gern sehen möchte, wenn's möglich wäre. HERR v. G. Aber wieder was von der Liebe, Pastor, mir zur Ehre, denn da habe ich Sitz und stimme. Was ist hübsch? PASTOR. Was ohne Reiz gefällt. Viele Mädchen haben Reize, die nicht hübsch sind – bei einem hübschen Mädchen ersetzt die natur, die Geschlechterneigung, das Fehlende. Reiz gehört zur Liebe. Rührung zur Furcht, zur achtung. HERR v. G. Ich glaube, das andere Geschlecht ist nie so hässlich als das unsrige: wer die Hässlichkeit nicht verzeichnen will, muss eine Mannsperson wählen, und doch flieht alles ein altes Weib. Einem alten Mann gibt man eher die Hand; wie kommt das? PASTOR. Man vergleicht ein Weib mit Weibern, kein Wunder, wenn es verliert. Man lasse aber einen alten Kerl Weibskleider anziehen, wir bleiben länger bei Odem. Es geht uns länger nach der Männerweise, als ihnen nach der Weiberweise. Der Mann ist in einem Stück ganz gemacht, das Weib ist zusammengesetzt. – Es ist mit Deckel und Schraube. HERR v. G. Kein Wunder also, dass es ein starkes und schwaches Werkzeug ist. PASTOR. Sie haben Recht, in der Ehe ist der Mann gegen das Weib stark und schwach, wie man's nimmt. Dass er physisch stark gegen sie ist, zeigt der Augenschein; allein wer gibt nach? HERR v. G. Ein gemeiner Mann schickt seine Frau, so oft es zu reden gibt. PASTOR. Weil die Weiber eine natürliche, zum Herzen gehende Beredsamkeit besitzen, und an wen schickt er sein Weib ab? an Männer. Gewiss kommt aber der Mann selbst, wenn z.B. die gnädige Frau eine witwe ist, und den Gütern vorsteht. Eine gesunde gute Saat ist nicht hinreichend, es muss auch ein gutes Land sein, wohin sie gestreut wird. HERR v. G. Das lässt sich hören. Die Geschlechterneigung kommt also mit in die Erklärung, und in tausend Fällen ist sie die Feder, die das Werk regiert. Warum aber, Pastor, sind die Weiber stolzer wie die Männer? Meine ist es auf eine übertriebene Weise, aber im grund sind sie es alle. PASTOR. Weil ihr Rang sehr zweideutig ist. Der Fürst ist gegen einen Grafen stolzer als gegen einen Edelmann. Ist des Mannes Rang dazu auch zweideutig, ist er z.B. ein neuer Edelmann, so ist ihr Stolz gränzenlos. HERR v. G. Warum putzen sich die Weiber, wenn sie gleich schon an sich gefallen? PASTOR. Nicht unsertwegen. Gegen Männer brauchen sie ihre natürlichen Waffen; andere ihres Geschlechts zu verdunkeln, andere zu überglänzen, darum der Putz. HERR v. G. Pastor! das nenn' ich fragen und antworten wie gedruckt! wie abgeredt! und eben so als ein Buch, das frag- und antwortweise abgefasst ist. Was ich über die Liebe gelesen und gedacht habe, ist viel; was ich getan habe, ist wenig. Man denkt und liest von dieser Art das meiste i n b l a n k o (ich bin ein halber Kaufmann, das hören Sie wohl, ich handle und wandle wie wir eurische Cavaliere alle handeln und wandeln –). I n b l a n k o , wahrlich in blanko, denn wie es zum Ausfüllen kam, fand sich's, dass meine gnädige Hausehre eben nicht erdacht und erlesen war! Sie könnte besser sein, – Pastor! dafür steh' ich d e l c r e d e r e (da ist wieder der Libauer Kaufmann), dass man ohne Teorie heiraten müsse. Nur um