. G. Sie kommt freilich nicht wieder. PASTOR. Der Frühling ist das beste Stück im Jahr. HERR v. G. Und was ist's am Ende! Es ist ein elend, jämmerlich, kränklich Ding mit aller Menschen Leben, von Mutterleibe an, bis sie in die Erde begraben werden. Das Alter und die Jugend sind krank. Das Alter ist hektisch, die Jugend hat das hitzige Fieber. – Die Lunge hat keine Nerven. PASTOR. Besonders aber ist's, dass Leute, die vorzüglich im Trauerspiel weinen können, es selten bei Vorfällen des gemeinen Lebens tun. Sie haben sich verwöhnt; sie sehen im gemeinen Leben keinen König, keinen Kaiser leiden, und wer leidet so schön, als im Trauerspiel, wer so grossmütig! In der Tragödie sieht man eine Sonne unter Wolken; drei Ungewitter begrüssen sich um sie herum, und machen Allianz und verschwören sich. – Die Sonne aber, ihrer Grösse bewusst, ruht, und dann und wann blickt sie auf, um die verwaisete, um ihre Königin bekümmerte Erde zu trösten. – Da ist ja schon ein Trauerspielsanfang. – Wer in der Comödie lacht, lacht auch im gemeinen Leben; denn wahrlich, wenn sie gut ist, trifft sie die Welt bis auf Coloritskleinigkeiten. Wenn man sich sehen lassen will, zieht man ein Feierkleid an. Wer will aber das Kleid, und nicht den Mann? HERR v. G. Und endlich, Pastor, da wir einmal im Schauspielhaus sind, hab' ich gefunden, dass eine Tragödie im Lesen, eine Comödie in der Vorstellung gewinne. PASTOR. Weil man zwar für sich tragisch und betrübt, nicht aber anders komisch vergnügt sein kann, als in Gesellschaft. eigentlich sollt' ein Lustspiel ein Spiel sein, wo das Ende nach meinen Wünschen ausfällt, und so würde' auch manches Trauerspiel ein Lustspiel werden. HERR v. G. Liebster Pastor, Dank für Ihren Unterricht. Nun was aus dem Roquelaurärmel. PASTOR. Mannigfaltigkeit ist Reichtum. HERR v. G. Ich glaube, der liebe Gott hat manches bloss der Mannigfaltigkeit wegen gemacht. PASTOR. Schwerlich, obgleich wir bei vielem keine andere Summe ziehen. Ich liebe die Abwechselung, die Mannigfaltigkeit durch verschiedene zeiten. Wer im Bett immer auf einer Stelle liegt, schwitzt ohne Bezoarpulver. HERR v. G. Wenn man immer auf einerlei bleibt, wird man stehend wasser. – Das glaube' ich sind, mit Ehren zu melden, alle Einsiedler und Weltflieher gewesen, und sind es noch. PASTOR. In der Welt ausserhalb der Welt sein, das ist Weisheit. Ein Diogenesfass in der Vorstadt und nicht in der Wüste verdient den Namen Auditorium. Ein beständiger Hunger nach Neuem ist eine Zeitungskrankheit, ein verdorbener, verzärtelter Appetit. Eine Kriegslist gilt nur einmal, eine Medaille bezeichnet einen Tag. Kann man aber nicht denselben Gegenstand von einer andern, und wieder von einer andern Seite, und von tausend andern Seiten sehen, ihn durch und durch ganz und gar sehen, und zeigt diess nicht mehr Scharfsinn, als immer einen neuen haschen? Ein Gedanke, der an sich leicht und natürlich ist, den man endlich so oft sagt, dass ihn der gemeine Mann gefasst hat, verliert von seinem Ansehen. – Feine Irrtümer sind ein Reiz für die Eigenliebe, man will nicht offenbare Wahrheiten, weil sie auf allen Strassen feil sind, man will Erkenntnisse; sind sie gleich ungesund, wenn sie nur was kosten, und nicht gar zu gut Kauf sind. – Darum von einem aufs andere. HERR v. G. Darum die Liebe zum Seltenen. PASTOR. Mit der Seltenheit ist's, wie mit dem Magnet, was mit ihm bestrichen wird, zieht auch an. Ein Mensch, der viele Seltenheiten gesehen hat, wird auch für selten gehalten. HERR v. G. Man sieht ihn indessen bloss wie Meerwunder an, man will nichts weiter als ihn sehen. PASTOR. Man glaubt, er sei nur für Seltenheiten, und traut ihm nicht. – Noch mehr! Je mehr Bekannte man hat, je weniger Freunde findet man. Leute, die sich öffentlich zeigen, haben selten Busenfreunde. Wer das Publikum zum Freunde hat, hat wenige oder keinen Privatfreund. HERR v. G. Man glaubt, dass die Herzensflügeltüren eines solchen Menschen schon zu oft auf- und zugemacht sind, als dass sie noch zusammenhalten könnten. PASTOR. Bei Feierlichkeiten gehen die Menschen paarweise. Ich denke' Ein Weib und Ein Freund – das übrige dient nur zur Folie. HERR v. G. Ich glaube, Pastor, das weibliche Auge, das einen jungen Menschen zum erstenmal electrisirt, ist sein Ideal der Schönheit, seine Venus, denn jeder hat seine. Die Liebe kommt auf einmal, sie wohnt parterre. Die Freundschaft steigt Treppen, und es gehören Jahre dazu, ehe ein Freund ein Freund wird. Ein Zorniger und ein rasend Verliebter sind stumm, keiner kann erzählen, was ihm fehlt. Sehen Sie, Pastor! ob ich nicht auch was weiss; über Freundschaft und Liebe könnt' ich schon zur Not mitreden. Nun sind wir für mich an Ort und Stelle. Ich bin Ehemann und Freund, beides wie es sich eignet und gebühret. PASTOR. Die Liebe ist natur, die Freundschaft Kunst. Nase und Augen sind natur, Stirn und Mund, und Hand und Fuss sind zu Kunst geworden. Gott hat den