. Schöne Wissenschaften ohne Philosophie ist Farbe ohne Leinwand und Pinsel. Der Verstand muss der Sinnlichkeit, und nicht diese jenem untergeordnet sein. Er ist der Compass, der die Weltgegend zeigt, das Schiff commandirt und ihm die Richtung gibt. Weltkenntniss heisst Menschenkenntniss, wie das Haus nach dem Herrn, und nicht nach Weib und Kind. HERR v. G. Was meinen Sie, Pastor? – Man führt die Weiber bei der Rechten, um sie obenan zu lassen. Unding! ich denke, Se. Durchl. zur Rechten, allein ein Weib müsst' uns zur Linken gehen, zum Beweis, dass sie Schutz bedarf, und dass wir sie begleiten oder beschützen. Es ist ein unnatürliches Compliment, sie an der rechten Hand zu führen. Bei der Trauung ist's, glaube' ich, nicht so! ICH. Das Herz liegt ohnediess zur Linken (ich dachte' an Minchen). HERR v. G. Zum i c h , lieber Pastor, gehört auch lachen und Weinen; das eigentliche lachen, das lachen mit Leib und Seele, ist bloss dem Menschen eigen – ich halte viel aufs lachen, und sind's fürs beste Digestiv. VATER. Jammer und Schade dass wir gleicher Meinung sind, denn sonst würde' es doch noch was zu lachen geben. über Wahrheiten muss man mit fröhlichem mund, mit dem mund der Wahrheit streiten. Alle Menschen, wenn sie sich malen lassen sehen freundlich aus, zum Beweise, dass diess die beste Miene sei. Einem von Leidenschaften gefesselten Menschen vorpredigen, heisst: einen Galeerensklaven Glück greifen lassen. Ich hasse einen tapfern offenen Feind; ich verachte, was an sich keinen Wert hat. Die Art, Laster verachtungswert vorzustellen, ist die beste. Wer es hassenswürdig macht, tut oft der Menschheit Schaden, und zieht Menschenfeinde. Der Mensch ist durch Hang zum Scherz geboren. Er hat viele, viele Torheiten; allein die grösste ist, wenn er sie zu wichtigen Dingen macht. HERR v. G. Es steht nicht geschrieben, dass Christus gelacht habe; allein er nannte den Herodes einen Fuchs, und das setzt ein Lächeln zum voraus. Die Schrift spricht: der Herr lacht ihrer, ich glaube gar Pastor, es wäre nicht übel, auf der Kanzel selbst so ein F u c h s w ö r t c h e n zu verlieren. VATER. Dazu gehört mehr Geschicklichkeit, als ich praktisch glaube. HERR v. G. Freilich muss es nicht der Herr Pastor G – sein – die verdammte Traurede!
Als Adam hackt' und Eva spann,
Ei, wo war da der Edelmann?
Meine Frau kann, ohne Lebensbalsam in der Hand, daran nicht denken. – Ist's also nicht auf der Kanzel, so doch, wenn man herunter kommt – die ganze natur lacht. VATER. Nur nicht laut. HERR v. G. Das kann doch aber zuweilen der Lehnsherr der natur, um sich hören zu lassen. VATER. Ich glaube' es selbst – und gute Menschen finden, dass, wenn sie fröhlich sind, alles um sie herum froh ist. Der Mensch lacht, wenn andere lachen, und oft noch lauter, als der, so den Ton angab. Die Traurigkeit des andern rührt; allein mit Schluchzen und grossen oder Platztränen können wir nicht dienen. Die Mitfreude, das Mitleid beweist, dass wir alle einen Gott und Vater haben, und alles, was Augen hat, kann sympatisiren. det das lachen nicht; ich glaube', es gehört dazu, wie zu allem, Uniform, was ordentlich sein soll. Einem kleinen dicken Mann steht's herrlich – das sollten sich die Luftspieler merken, und keinen langen, gross gewachsenen Menschen Possen reissen lassen. VATER. Man freut sich, dass der kleine dicke Mann eben wegen seines lustigen Wesens so dick und fett geworden. Ein gross gewachsener Mann ist schon zum Beschatten, zum Anlehnen geboren; es ist eine Stange, an die sich der Feigenbaum und die Bohne schmiegt und ranket. HERR v. G. Vernünftig lachen ist schwer. VATER. Mich dünkt, vernünftig weinen noch schwerer. Vielleicht kann es jeder Mensch, wenn er gleich seine siebenzig erreicht, nur zweimal in seinem ganzen Leben; wenigstens hat der fürs menschliche Geschlecht ein grösser Verdienst, der es zu lachen macht, als der Tränen presst; indessen ist viel beim lachen zu erinnern. Es entsteht aus einem Widerspruch. Man lacht, wenn jemand fällt, und sich nicht Schaden tut; besonders lachen dann gemeine Leute, die nicht feinere Widersprüche begreifen können. Man lacht über Kleidung, wenn Eitelkeit und nicht Armseligkeit zu sehen ist. Wenn jemand, der aufziehen will, wieder aufgezogen wird, und den Kürzern zieht, so, dass ihm zum Nachteil der Vorhang fällt, klatscht alles in die hände. Ist's aber nicht Eitelkeit und armseliger Stolz, über armselige Ungereimteiten sich zu ergötzen? Sollte man wohl darüber lachen, weil man klüger als ein anderer ist? Hier gibt's so viele Feinheiten, dass ich gewiss glaube, das lachen sei die probe vom Menschen; – wie und wenn er lacht, zeigt was er ist, obschon das Gesicht das Protokoll vom Charakter, und die andern Teile das Protokoll vom Temperament sind. – Scheint es Ihnen nicht auch, der menschlichste Mensch, der beste Lacher, begeht einen Widerspruch, wenn er über einen Widerspruch sich