meiner Art denke' ich, und mich dünkt, ich fasse die Sache wie den Stock, das ist beim Knopf: Gott ist das gütigste, das weiseste Wesen, und kann also nicht werden heissen, was diesen Eigenschaften nicht ähnlich ist. über die Möglichkeit und Unmöglichkeit, denke' ich, ist keine Frage, denn die Welt ist da – ich sehe Sonne. Mond und Sterne, Fische im Meer, Vögel in der Luft, und den Menschen. VATER. Recht! ganz recht! Sie fassen die Sache beim rechten Ende, und ich – ich weiss selbst nicht wo. Sie reden von der Leber, und ich plaudre aus der Schule. Wider Sie ist kein Zweifel, wider mich aber noch ein Berg. – Ein Philosoph des Altertums meinte, ehe die Leiber waren, existirten die Seelen. Gott liess die Seelen loosen, und was kann er dafür, wenn dieses oder jenes eine Niete zog. Indessen das Ende vom Liebe. Wenn ich unter Irrtum wählen soll, will ich lieber eine gütige notwendigkeit, als eine Freiheit, die das Beste verwirft. HERR v. G. Herr Pastor, nur nicht auf den monarchischen Staat angespielt! Da haben wir gestern H a l t gemacht, und ich möchte nicht gern meiner Liebe zur Freiheit durch einen monarchischen Tron zu nahe kommen lassen. Noch etwas Philosophisches, Herr Pastor! Wir wollen aber englisch Dame ziehen, und hin und zurückschlagen – ich will mich schon anstrengen. – Auf Ehre, manches Wort von Ihnen, lieber Pastor, ist mir eine Nominaldefinition. – Heisst es nicht so? VATER. Gehorsamer Diener, Herr v. – HERR v. G. Aber, Pastor, sagen Sie, sind wir nicht ein Paar Verneinungen, ein Paar Nullen, ein Paar Narren gewesen, dass wir uns und so manchen Realitäten sieben Jahre, wenn's nicht mehr ist, den rücken gekehrt? Ich glaube, wir hätten schon ein neu System, einen neuen Kalender in der gelehrten Welt während dieser Nullenzeit eingeführt. Ein immerwährender ist unter euch hochgelahrten Herren nicht möglich. – Lassen Sie uns einmal von uns selbst eins plaudern. Wir verdienen, dass wir uns eins versetzen, wir wollen aber das ganze Geschlecht zur Gesellschaft mitnehmen. Ich hab' es, glaube' ich, von Ihnen, wer gegen Himmel fahren will, muss erst Höllenfahrt halten. Wer Gott erkennen will, erkenne sich erst selbst. Nosce te ipsum. Das ist die Lehre von Busse und Glauben. VATER. Das Wörtchen i c h ist ein Gemälde der Seelen! Es will mehr sagen, als Singularis. Es ist der Singularis im Superlativo. I c h ist natürlicher Wert, d u , e r , w i r , i h r , s i e , nur in so weit i c h voraussieht. So lange es heisst i c h , ist's recht, sagt man aber i c h s e l b s t , so ist man krank, und recipe: den Menschen von sich selbst abzuziehen. Bei der Not meines Nachbars denke' ich an meine Sicherheit; wenn man den Nachbar wegen
seines Eheprocesses beklagt, denkt man an seine
Frau. Dem Reichen immer den ersten Stuhl; man
könnte ihn, denkt man, doch wohl nötig haben.
Die Gegend aus meinem Fenster ist die schönste,
das Landgut meines Freundes das schattenreichste.
Ein Gereister lobt in seinem vaterland die Frem
de, in der Fremde sein Vaterland. Die Faulheit ist
oft der Sporn des Fleisses: die künftige Gemächlich
keit, nicht das Edle der Arbeit, treibt. Kein Sohn
lässt den Vater begraben, ohne vorher die Nachlass
balance zu ziehen, und die Bücher zu schliessen,
und wenn auch der Verstand zuweilen Recht spre
chen will, das Seihst vertritt ihm den Weg Rech
tens. Je mehr man dieses i c h versteckt, je mehr
Welt hat man. Die Selbstschätzung besteht nur
darin, dass uns andere nicht gering schätzen. Sogar,
wenn man in Gesellschaften sich selbst tadelt, ist's
verdriesslich; man will lieber mit einem Tubus nach
Sternen sehen, und aus einem indifferenten Stand
punkt die Welt betrachten, als andere Leute i c h
aussprechen hören. Man glaubt, dieses i c h spotte
uns nach, und mache uns Männchen. Der Mensch
ist zum Tausch geboren, er möchte seinen Stand,
seine Seele, seinen Leib, nur nicht sein i c h vertau
schen. – Wenn man ein Buch schreibt, kann man
i c h brauchen, ohne dass es so übel genommen
wird, denn die grössten Dinge sind durch Selbstbil
ligung entstanden. Diese wirst ein Licht auf alle Gegenstände, die uns beschäftigen. Wir haben einen heitern guten Tag durch dieses Licht. Es ist schade, dass die deutsche Sprache drei Buchstaben beim i c h hat. Man kann aber, wie meine Frau zu sagen pflegt, bei allem erbauliche Betrachtungen haben. B e i m S c h m e r z l e i d e t d a s c h , ist man betrübt, leidet das i. HERR v. G. Herr Pastor, ich habe noch nie vom i c h so viel sprechen gehört, ohne dass man sich meint, als Sie. Ihr i c h ist bloss Bild aller Menschen; das Selbst ist das Ziel, wornach wir alle schiessen, mancher trifft in's Schwarze, mancher dicht bei, mancher