! und ein so schlechter Keller! Mit dem Nachruhm des Gelehrten ist's eine andre Sache. Verstand trägt Zinsen bis an der Welt Ende. Newton hat keine Kinder nötig. Jeden Gelehrten hat er über die Taufe gehalten, ist's ein Jude, hat er ihn beschnitten. Jeder seiner Schüler ist sein Sohn. – Ein Gelehrter dieser Art hat das Glück, lauter wohlgeratene Kinder zu haben, es sind Seelenerben, die er mit Geist und Wahrheit nährt – Er darf weder Gastwirt, noch Schwertfeger, noch Fechtmeister, noch Wäscherin für sie bezahlen. HERR v. G. Alles gut, lieber Pastor, was hat aber Newton und alle von seinem Gelichter davon? VATER. Ein doppeltes ewiges Leben – in jener Welt eins, in dieser Welt eins. Ein Gelehrter, der sich seiner Unsterblichkeit bewusst ist, hat einen Beweis mehr in sich, dass er nicht aufhören werde. Diese Unsterblichkeit und jene Unsterblichkeit sind verwandt – und rechnen Sie diess Bewusstsein für nichts, ehe solch ein doppelt Unsterblicher den Weg geht, den alle gehen? Er lebt doppelt – schmeckt sterbend doppelte Kräfte der künftigen Welt. HERR v. G. Pastor, es ist mir nicht anders, als wenn ich losdrücken will, und der Vogel stiegt davon – ich bin so nahe an der überzeugung; allein weg ist der Vogel. VATER. Ich bitte, lassen Sie ihn nicht stiegen. ICH. Ich hab' ihn im Fluge getroffen, Vater! VATER. Die Sache ist geistig, und will geistig gerichtet sein. HERR v. G. Bei gelehrten Familien lass ich den Nachruhm gelten. VATER. Allein, in Wahrheit, er ist nicht andenkenswert. Die Historie wird mit der Zeit ein Familienstück werden, und es wird heissen: dort linker Hand wohnt die Historie in sechs Häusern – die gelehrten Familien aber aus dem Fuss, wie wir sie bis jetzt kennen – vielleicht viel Vorruhm: allein desto weniger Nachruhm. Die meisten Menschen halten den Nachruhm für Nachhall: allein gefehlt! sehr gefehlt! Aufrichtig, ich kenn' bis jetzt keinen stiftsfähigen Familiengelehrten. Der Sohn lernt beim Vater das Handwerk aus, und hat Vorzüge beim Meisterwerden. Der Sohn behält des Vaters Leisten, und alles ist nach väterlicher Weise. – Man nennt diess Wissen: Familiengelehrsamkeit. HERR v. G. Gelt! die ist nicht viel über eine Elle besser als Familienwitz. VATER. In die Länge oder Breite. HERR v. G. Wie ist das? VATER. Gelehrsamkeit halt' ich breit, Witz lang. HERR v. G. Dank für gute Nachricht. VATER. Witz erfindet, Urteilskraft behandelt. Wer Witz hat, kauft den Acker. Wer Urteilskraft besitzt, teilt die Felder ein, säet und umzäunt. Der Witzige vergleicht, der philosophische Richter verknüpft oder trennt. Der Witzige macht allem, was schön ist, die Aufwartung. Der Philosoph ist für Verlobung und Beilager, und was er zusammengefügt hat, soll der Witz nicht scheiden. Der Mensch ist stumpf, heisst: er hat nicht Witz. Der Mensch ist dumm, heisst: er hat nicht Urteil. HERR v. G. Setzt man nicht Kopf dazu, Dummkopf, Stumpfkopf? VATER. Ja! allein sehr unrichtig. Man entweiht den Namen Kopf, denn er deutet Scharfsinn an. Das ist ein Kopf, heisst: er ist scharfsinnig. Er ist kein Kopf, heisst: er ist es nicht. ICH. Aber, Vater, wenn man von einem kind sagt: es hat einen Kopf? VATER. Ein Kopf sein, und einen Kopf haben, ist zweierlei. Beim Kopf sein, fingirt man sich, der Mann sei lauter Kopf, a potiori fit denominatio. Einen Kopf hat jeder. ICH. Aber, Vater! in welchem Jahr stellt sich denn der Scharfsinn ein, und wenn kann man von einem, der einen Kopf hat, sagen: er sei ein Kopf? VATER. Nicht an der Mutter Brust, allein oft früh, oft später. ICH. Also, Gottlob! kann auch Kind und Jüngling Kopf sein? VATER. Allerdings! in Hoffnung! man sieht, was die junge Seele werden wird, so wie im Frühling die Ernte, des Morgens den Tag! Die meisten Knospen haben den Geschmack der künftigen Frucht.
Hier machten wir uns alle drei Complimente, und
stiessen die K ö p f e im Guten an einander. Der
geneigte Leser wird mir diese Stösse gern erlassen.
Es würde auch unartig gewesen sein, wenn einer
dem andern den Kopf abgesprochen hätte.
VATER. Gedächtniss, Schärfe der Sinnen, sind beim Witz und Urteilskraft Gesellschaftskavaliere, Sekretärs, Haushofmeister u . s . w . Verstand hat das Votum decisivum. HERR v. G. Gott ehr' mir den Witz, weil er zu lachen macht; das Klügste, was die Menschen können. VATER. über Witz lacht man. Die Urteilskraft aber macht seelenfroh. – Die Seelenfreude ist eine ganz besondere Freude. Man kann hiebei auf seine eigene Hand, wie ein König, vergnügt sein. Diess ist der einzige Fall, da man sich auch ganz allein einen geistigen Rausch antrinken kann. Der Witz liebt Gesellschaft. Bei der Urteilskraft erfreut man sich über die zurückgelegten Schwierigkeiten, wenn wirklich die Sache uns schwer gewesen. War sie uns leicht, so freut man sich der Leichtigkeit wegen, und macht sich selbst ein Compliment. HERR v. G. Beim Witz muss