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weil sein Herr Vater einer war. HERR v. G. Warum Adler; warum nicht Gans? so bleibst du in der LandsmannschaftAdler! ha! ha! ha! Engel haben keinen Zunamen; Teufel auch nicht. Wenn nicht Zunamen wären, würden mehr Menschen sein. Weisst du wohl, wie lang es ist, dass Zunamen sind. Der Teufel hol' den Schlingel, der sie zuerst aufbrachte. Man tut darum selbst nichts, und sieht vor oder hinter sich. Hat doch dieser und wird doch jenerIn Curland besonders, in Curland ist ein Edelmann ein Erdschollen, glebae adscriptus, nicht wahr, Herr Pastor? VATER. Ich hab's oft gesagt, da ist aber nicht der Edelmann, Curland und Semgallen sind Schuld. In diesem Fall hat ein Literatus den Vorzug, dass er, wie die Apostel, in alle Welt geht. Befällt ihn ja das Heimweh, er stirbt wenigstens nicht auf der Stelle, wo er geboren ist. Mit ihm ist's Komma, Kolon, Semikolon, mit dem Adel Punktum. HERR v. G. Recht, Punktum, ein gross Punktum, man kann es einen Klecks nennen; da wo ich geboren bin und sterben werde, sind schon sieben geboren und gestorben, und mein Jung' wird den Punkt nicht verrücken. FRAU v. G. Warum denn nicht? HERR v. G. Will er nicht kann, und kein Curländer es kann. – Für ihr Vaterland Korn und Weizen säen, das ist alles, was in ihrer Macht ist. Darum Punktum! Punktum! Punktum! FRAU v. G. Der Himmel gebe, du machtest Punktum, und wir singen was anders an. HERR v. G. Mit dir, wenn es Ew. Gnaden gefällt. Aber, Herr Pastor, wie kommt's, dass es mit gelehrten Leuten in gewisser Art nicht besser geht?

Die gnädige Frau ging beim Wort: g e l e h r t e n

L e u t e n , sehr freundlich ab. Ihr Compliment für

mich zeigte, dass ich Herr und nicht mehr Monsieur

in ihren Gedanken war.

VATER. Sie haben Recht. Ein Gelehrter hat selten einen Sohn, der seinem Bilde ähnlich ist. Mit ihm fängt's an, mit ihm hört's auf; allein diess gilt nur von Gelehrten majorum gentium, von halb Engeln; ganz Engel gibt's nicht unter Menschen, die Fleisch und Bein haben; Copernikus, Newton, Kepler, Leibnitz – – HERR v. G. Das waren Kerls! dem Copernikus bin ich am gutsten, Gott weiss warum. Seinetwegen wünscht' ich ein Preusse zu sein. VATER. Es ist wahr, Copernikus schloss den Himmel auf. Es war ein Petrus, zu dem Gottes stimme erscholl: i c h w i l l d i r d e s H i m m e l r e i c h s S c h l ü s s e l g e b e n . – Newton aber war chargé d'affaires des menschlichen Geschlechts, im Himmel und auf Erden, und unter der Erden. Licht war sein blick, und was er machte, das geriet wohl. Kepler, ein Haushalter über Gottes Geheimnisse, Siegelbewahrer der natur; und Leibnitz, ein Kammerherr unter ihnen, ein Mann, der allen allerlei war, der erfinden konnte, ohne Bleifeder und Schreibtafel in der Hand zu haben, der, wie man von Newton erzählt, keinen Damenfinger, so viel ich weiss, verbrannt hat. HERR v. G. Kein Mensch weiss von dieser Leute Kinder, und doch ist Nachruhm entweder gar nichts, oder Erbgut. Wer keine Kinder hat, tut töricht, sich von fremden Leuten nachrühmen zu lassen: "E r h a t t e V e r s t a n d , e r h a t t e G e l d ." VATER. Geld wirst keinen Nachruhm ab. Es trägt nur Zinsen, so lang man lebt. Ein Reicher ist, so lang er lebt, Souverain in diesem Jammertale. Er kann sich alles kaufen, vielleicht gar ruhiges Gewissen und Gesundheit. Ist er geizigund wo ist ein Reicher, der es nicht wäre? – wird er wenigstens seltener krank, wie ein andrer. – Kein epischer Dichter hat solch eine Einbildungskraft, wie er. Er geniesst alles in der Einbildung. Kein Wunder, dass er sich nie den Magen verdirbt. Er sieht seinen Geldkasten an, und da steht er Wagen und Pferde, da steht er seinen Tisch mit allem Neuen vom Jahr besetztLeckerbissen und seine Weine! Das sieht man in keinem optischen Kasten, was der G e i z h a l s alles steht. Hier ist der H a l s übel gepaart, der Geizige müsste denn am fremden Orte sein, wo es ihm nichts kostet. Geld sollte das Mittel sein, um zu geniessen; allein der Reiche hat gemeinhin Mittel, um sich neue Mittel zu erwerben, und am Ende Mittel über Mittel; allein keinen Zweck. – Im tod heissts: "Sohn, du hast dein Gutes empfangen in deinem Leben," es tut nichts, ob in Prosa oder im Gedicht, ob wirklich oder in Einbildung. Das Geld bleibt zurück, und wenn man ja an den seligen Herrn denkt, so heisst's der Geck! so schönes Geld