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gnädige Frau. Für erst bitte' ich Herr statt Monsieur! Wer nicht vor einem Schuss erschrickt, ist kein Monsieur. Sieh ihm ins Gesicht. Ist er erschrocken? FRAU v. G zu mir. Sie haben gepredigt? HERR v. G. Das heisst ein Seelenschuss. Ich habe Sie weit und breit rühmen gehört. ICH. Ohne Verdienst und Würdigkeit. VATER. Ew. HochwohlgeborenHERR v. G. Herr Pastor, lassen Sie mir den Hochwohlgebornen weg oderFRAU v. G. Wenn der Herr Pastor sich's aber angewöhnt hat. HERR v. G. So muss er's sich abgewöhnen. FRAU v. G. Falls es ohne Mühe geschehen kann. HERR v. G. Wenn's auch Mühe macht. FRAU v. G. Das nenn' ich Zwang. HERR v. G. Es hängt von Ew. Gnaden ab. Herr Pastor! Sie wollten von der Predigt sagen. VATER. Wenn Sie sie gehört hätten, würden Ew. – HERR v. G. Herr Pastor, ich bitte' – ich nehm's für ein heimliches Verständniss mit meiner Frau, wenn Sie nicht tun, was ich bitte, was ich will. – Wenn ich sie gehört hätte, würde ichVATER. Eine gute Suppe und einen guten Nachtisch gefunden haben. Ein paar schöne Lieder, die seine Mutter ausgesucht hatte. Die Predigt war nur, um zu versuchen, ob stimme und Anstandnur des Leibes Nahrung und Notdurft wegen, wenn ich so sagen darf. FRAU v. G. Ich würde bitten, sie im Grünen zu wiederholen. HERR v. G. Warum nicht gar? Eine Predigt in die Kirche, eine Pfeife Tabak im Grünen. ICH. Ich glaube' auch, ich würde' im Grünen von der natur überschrien werden. HERR v. G. Recht! – schon warm wasser getrunken? VATER. Wir haben gedankt, wir trinken nur kalt wasser ohne Gewürz, wie's Gott bescheert. HERR v. G. Das ist brav! ich auch soda siehst du, Frau! was brave Kerls sind Indem er den Sperling wegwirft. Ein Dieb weniger in der Welt. VATER. Ein wahrer Dieb. Unstet und flüchtig, wie das böse Gewissen. HERR v. G. Indessen kommt's auf Erziehung an, und der Sperling singt, wie einer der schönsten Sänger unter den Vögeln, Dieb würde' er freilich auch bei einer Sirenenstimme bleiben. Ich selbst habe Proben, und der Schluss ist richtig. Kein Vogel hat eine eigentümliche ihm von Gott verliehene Singstimme, sondern nur Flöt'traversansatz, Fähigkeit zu allem vögelmöglichen Gesang. Es kommt auf den Cantor an: wie die Alten sungen, so zwitschern nach die Jungen! – Wo ist Fritz mit seinem halbehrwürdigen Hofmeister geblieben? FRAU v. G. Der Junker Der Aceent auf Junker. kleidet sich an. Der Hofmeister leistet ihm Gesellschaft. Sie haben sich das LängsteHERR v. G. Der Jung' ist gut, nur nicht viel Herz, und das hast du Schuld. FRAU v. G. Besser kein Herz, als keinen Verstand. HERR v. G. Nichts geredet. Verstand ist des Herzens Spürhund. Ich kenne noch keinen beherzten Mann, der nicht mindestens fürs Haus Verstand hätte; aber verständige kluge Schurken kenn' ich dir so gut, als meine Kugel, Schrot, Wind-, Bürschbüchsen. Gewehr auf ein Haar. Ich weiss den Unterschied zwischen beherzt und guterzig; allein Herz ist hol' michHerz. Es kommt alles auf eins. Du wirst dein Lebtag nicht einen beherzten Mann kennen, der nicht mitleidig, grossmütig, guttätig ist, und sein paar Tropfen weinen kann. Verstand! Sieh doch! was ihr Weiber diess Wort in den kleinen Mund nehmt. Diess Wort ist mit Ew. Gnaden erlaubnis generis masculini, oder wenn du es im Deutschen haben willst: Es hat Haar um den Bart. FRAU v. G. Wird aber oft kahl geschoren. HERR v. G. Einfall! Euretwegen aber wächst wieder. Ha, gnädige Frau, wie gefällt Ihnen meine Predigt in der freien Luft? Die Anwendung werden Sie selbst machen. FRAU v. G. Sie ist gemacht. HERR v. G. Darf ich wissen? FRAU v. G. Mich dünkt, es zeigt wenig Verstand, Böses von seinen Kindern zu sprechen. Monsieurder Herrwollt' ich sagen, wird sich einen schönen Begriff vom Junker machen. HERR v. G. Böses? sagt' ich nicht guter JungeFRAU v. G. Junge! Schon diess Wort in gewisser Gegenwart, Auf die Bedienten weisend. ich denke' doch, er hiesse so gut Herr v. – als Ew. Hochwohlgeboren? HERR v. G. Es scheint, Ew. Gnaden wollen mein Schiff e n t e r n . Gehorsamer Diener, so nah sind wir noch nicht. Weisst du, was e n t e r n ist? frag's nach in L i b a n ! FRAU v. G. Entern hier, entern da, es schickt sich wenigHERR v. G. Albern! es muss sich schicken. Er ist Edelmann, weil ich einer bin, dabei ist wenig auf seiner Seite. FRAU v. G. Der Adler ist darum Adler,