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natur. Lass uns jetzt gehender Tee ist schon erwünscht kalt. ICH. Vater, ich möchte noch zehn Stunden hören. VATER. Und ich bin lang' nicht so ein Vielwisser gewesen wie heute, und auch du umfassest alles, du sprichst so behend, und jedes Wort ist Schach dem König. Das machen die neuen Betten und die Nacht ohne Schlaf. ICH. N o c h e i n s , Vater: ha, wasser! VATER. Ströme! desto besser, für dich einen und für mich auch einen – –

* * *

ICH. Das n o c h e i n s hab' ich nicht ersäuft; die gnädige Frau ruft mich Monsieur. VATER. Besonders dass Monsieur bei den Deutschen zwei Pfund weniger als Herr, und Mamsell zwei Pfund mehr wiegt als Jungfer. ICH. Immerhin, Vater! Ein Franzose mag ein Monsieur sein, aber nicht ich. Zwei Pfund weniger oder mehr, ich ehre das Wort Jungfer. VATER. Ich auch, Alexander, und auch darum mit, weil es sich rein hält und mit keinem Reim in Gemeinschaft tritt. Das sind für mich königliche Wörter; sie geben sich nicht mit erst was ab. ICH. Wer meine SchwesterVATER. Wenn du eine hättest! ICH. Mamsell hiesse, der sollte eine Ohrfeige mit dieser Hand haben, oder ich will Monsieur sein. – Und immer in der dritten person spricht die gnädige Frau. Wird Monsieur nicht haben wollen, will Monsieur nicht ein Glas Bier? Bin ich denn kein Du oder Sie wert! Kann sie mir nicht grad' ins Gesicht sehen, wenn sie mir zuspricht. Warum stösst sie denn nicht das Glas mit mir an. Sie schielt nur von der Seite herab. Gottlob, dass sie nicht mit Er herumwirft, ich wüsste nichtVater! – Wenn fängt man denn an, Literatus zu sein? VATER. Es ist nicht überall gleich. Im Mitauschen Kreise früher, im Bauskeschen Kreise später, im Seelburgschen Kreise noch später, im Doblehnschen Kreise früher als im Mitauschen, und so weiter durch alle Kreise. ICH. Ihr Mann, Vater, hätte verdient den linken Flügel meiner Phalanx zu commandiren. Zum Parmenio. Vater, nicht wahr? Er weiss doch, was einem seligen Alexander zustehet. Von ihr, dünkt mich, kann's heissen: ihr Wurm wird nicht sterben, und von ihm: sein Feuer nicht verlöschen.

Im Garten.

Die Frau v. G. Die Vorigen. Herr v. G.

FRAU v. G. Sehr erfreut, Herr PastorWohl geruht? Ich bitte Platz zu nehmen. Herr v. G. hat einem Sperling das Leben abgesprochen, und ist unten, ihm das Wort zu halten. Monsieur, bitte zu sitzenOhne Umstände. Gartenfreiheit! da sind wir alle gleich. ICH. Vom Paradiese her.

Mein Vater bückte sich bis ans Wort h a l t e n , ich

von M o n s i e u r an.

FRAU v. G. Kaffee? VATER und ICH. Untertänigen Dank. FRAU v. G. Tee? VATER UND ICH. Gehorsamst. FRAU v. G. Niemals? VATER. Niemals, gnädige Frau. FRAU v. G. Und warum? VATER. Jedes Volk hat, was es bedarf, gnädige Frau, kann Original sein, darf nicht Tee und Kaffee trinken. FRAU v. G. Aber Wein? VATER. Der ist vom lieben Gott fürs ganze menschliche Geschlecht eingesetzt, und dann, gnädige Frau! wächts nicht Wein in Curland? FRAU v. G. Vielleicht würde' auch Tee und Kaffee wachsen. VATER. Nimmer; und wenn es wäre: wie kann wohl die natur mit Bohnen und Strauch die Absicht verbunden haben, die man jetzt damit verbindet? FRAU v. G. Aber angenehm ist wenigstens Kaffee im Grünen?. VATER. Warum nicht eine Mahlzeit aus natürlichen gesunden speisen? FRAU v. G. Es ist zu warm. VATER. Des Abends. In Curland geht's mit dem muss gestehen, sehr viel Verführerisches. Alles kommt ungeputzt zusammen, wie bei einer Brunnenkur, und mit einem so freien unverfäschten Kopf, dass es eine Lust ist, gute Leute frühstücken zu sehen. Die Seel' ist so wie der Leib im Negligé, und wenn's früh ist, ist der Tag selbst so. Sein Schleier ist ein liebenswürdiger wonnevoller Anzugnicht immer aber, gnädige Frau! können wir in Pyrmont sein, und den Brunnen trinken, und unsrer Seele und dem Tage bei der Toilette aufwarten. Wir haben Geschäfte: die MorgenstundeFRAU v. G. Ich halte Kaffee und Tee nicht für gesund. VATER. Ich auch nicht. FRAU v. G. Die ärzte sind indessen geteiltVATER. So wie in allem, was die Diät betrifft, die ein jeder Arzt nach dem Schnitt seines Magens beurteilt.

Ein Schuss; g e h ö r t und g e s e h e n .

FRAU v. G. VATER. ICH. Der Sperling. HERR v. G. einen toten Sperling in der Hand. Ha, willkommen im Grünen! Herr alter und Herr junger Pastor. FRAU v. G. Gelt! Monsieur ist erschrocken. ICH. über einen Schuss? HERR v. G. Er erschrickt über dich, und ich auch,