1778_Hippel_037_80.txt

Generalfeldmarschall geworden, als er jetzt Glaubensvater ist, und hätt' so gut Sieg' erfochten, als einen Katechismus geschrieben. VATER. Es würde manchmal gut sein, wenn sich ein Geistlicher mit einem Narren von Freigeist herumschiessen könnte. Gewiss würde' er mehr durchs Pulver als durch Gründe frommen, besonders in Curland, wo alles nach Pulver riechtallein wer das Schwert nimmt, wird durchs Schwert umkommenICH. Mit Dreien nehm' ichs aufich meine mit Freigeistern, sonst weiss ich auch, wer Herz hat. VATER. Feigheit fällt in alle fünf Sinne, man steht sie im Finstern. Einen mutigen Mann kennt man nicht so leicht. Er trägt nicht Spiess und Lanze. Gemeinhin sieht er blöde aus. Seine Miene ist sanft und edel; wenn er spricht, ist's, als spräche man mit einem Frauenzimmer. ICH. Wer hat, darf nicht borgen. VATER. Ein mutiger Mann ist ein vermögender Mann, und darum braucht er kein Creditkleid, keinen Empfehlungsbrief. – Er ist überzeugt, dass es ihm nicht fehlen könne. Mut ist ein edles Bewusstsein, von dem einige Leute sehr einfältig sagen, er sei anzusehen. Stolz ist anzusehen, allein kein edles BewusstseinICH. Wie kommt's aber, Vater! dass auch den Herzhaftesten der Mut zuweilen verlässt, und dass er nach einer Zeit wieder mutig wird? VATER. Weil er krank war und wieder gesund wurde! das ist aber eine Krankheit ohne Namen, etwas Kolik ist immer dabei. – Ost kommt's, weil der Held mit einer Schlafmütze sein Haupt bedeckt hat, da er eben angegriffen wird. Er sollte selbst im hut schlafen. ICH. Im Hut oder im blossen Kopf. – Vater, ich will dein Sohn nicht sein, wenn ich je anders zu Bette gehe. VATER. Du warst Alexander! jetzt bist du es nicht mehr, kannst es nicht mehr sein, musst es nicht sein! Ich dachte' anders und Gott dachte' anders. Setze immer eine Schlafmütze auf und bekämpfe dich selbst, dann hast du Mut, auch ohne den Degen in der Faust und im Schlafrock und Pantoffeln. Mut braucht man, wie Salz, zu allem, und beim Kammertod mehr als auf dem Bette der Ehre, wo Wut und Verzweiflung oft die Herzhaftigkeit einfeuert. Diess ist ein eingeheizter Mut. Ist der Ofen kalt, ist alles kalt. ICH. Ich weiss, Vater, wie ich das Loch hier am Kopf kriegte, was es heisse, auf dem Bette der Ehre ein Loch kriegen, und wie ich krank war, was ein kalter Ofen heisse. Das Loch war mir weniger, als wenn ich mir das Hemde vorbei ins Fleisch gestochen. Ich wollt' drüber was Schriftliches aufsetzen, so weiss ich's. Sich selbst bekämpfen, Vater, und eine Hopfenstange sein, ist doch zweierlei. VATER. Sich in wagerechten Stand setzen und immer im Gleichgewicht halten, ist unmöglich. Wer nicht Leidenschaften hat, ist kein Mensch. Unser Herr und Meister jagte Käufer und Verkäufer aus Gottes Tempel. Wer im Sitzen schelten, und wenn er sich stösst beten kann, ist ein Mensch, mit dem ich nichts zu teilen haben will. Ich werde' gewiss betrogen. Ich hab' mich als Pastor zu dem "dass dich der Tausend" bequemen müssen, "d a ss d i c h d e r T e u f e l " sagt man, soll gesunder sein. Es soll wie ein Glas wasser abkühlen. Die natur kühlt sich auch durch Donner und Blitz. Um dem Teufel nicht so viel Ehre anzutun, sollte man ein ander Wort erfinden. Es kommt alles auf Begriffe an. A u g u s t i n u s und L a c t a n z konnten sich nicht überreden, dass die Erde rund sei, weil sie die Schwere der Körper nicht kannten undICH. Vater, was du mir sagst, ist mir, A u g u s t i n u s und L a c t a n z ausgenommen, so bekannt, als ob ich's gewusst hätte, und doch lernte ich's erst. VATER. Das ist der grösste Beweis der Wahrheit. Der Vers ist gut, den man auf einmal behält, und eine Sache, die, wenn wir sie gehört, uns so dünkt als hätten wir sie schon zuvor gewusst, ist gewiss wahr. ICH. Du bist mir P h i l i p p u s und A r i s t o t e l e s in einer person. VATER. Wenn man den Kindern auf alle ihre fragen antwortet, kurirt man sie durch Aderlassen. Man macht sie schwach. Wenn du A frugst, antwortete ich B, und hierdurch gewöhnt' ich dir ab, zu fragen, und an, selbst zu denken. Wer immer in seiner Jugend gefragt hat, fragt auch, wenn er alt wird. Hättest du noch einen Bruder gehabt, hätt' ich ihn negativisch erzogen, und ihm nicht gesagt: hier geht der Weg, sondern: hier geht er nicht. – Wenigstens, Alexander, hast du einen mündigen Ausdruck. Du bist ein Mensch, der bei der natur in die Schule gegangen, ein Stück vom Seher! – Wer bloss die Alten liest, ist ein Gläubiger; du kannst sie auch zur Noch lesen, diese erste Version der