mit einmal Aufstand machen, und dem Schlaf zeigen, dass man sein Sklave nicht sei. Was meinst du, Vater? VATER. Recht! in allen Fällen; nur nicht, wenn ein neues Bett daran schuld ist. Der Schlaf kann nicht büssen, was unsere Weichlichkeit verschuldet hat. – Wer, wenn er schnell aufwacht, nicht gleich herausspringt, versteht nicht Winke der natur. Der zweite Schlaf ist ein Postscript, das keinem mann ansteht. Mittagsschlaf ist ein brennend Licht am Tage. achtung, Alexander! Schlag an, Feuer! bist du heraus? ICH. Wie Blitz! VATER. Merk's dir ewig. Wer einen Fuss aus dem Bette setzt, und den andern nachholt, arbeitet auch nur mit halbem Kopf. ICH. Wie kann's anders? Ich hätte mögen den Dr. Luter hören und sehen das W a l t sprechen, und aus dem Bette fahren. VATER. Er fuhr gewiss mit sechs. ICH. Aber das Kreuz, das er schlug, wäre nicht nötig gewesen. VATER. Wer's vertragen kann, des Morgens und des Abends, kann's nicht schaden. Deine Mutter hatte die Gewohnheit zu kreuzen, wenn sie gähnte und den Mund hielt. Diese Kreuzschläge habe ich ihr so aus dem grund abgewöhnt, dass sie's nach der Zeit für Sünde zu halten schien, und den Schlagbaum des Mundes, um die vorigen Kreuze zu verbüssen, noch weiter aufriss, als es nötig war. Das Kreuz war die gemeinste Strafe, womit man bei den Syrern, Aegyptern, Römern und andern Völkern einen Missetäter von der Welt brachte. Aus Schande ist Ehre geworden. Deine Mutter nannte diess einen Triumph der christlichen Religion. Ein Kreuz ist ein Ritter- und Ehrenzeichen; es hat so was Edles in und an sich, als die liebe Sonne, die alles glänzend macht, was sie bestrahlt. Häng' es um ein schlecht' Gewand: es übertrifft Purpur und köstliche Leinwand. Die Wappenkunst gehört zwar nicht zu Kanzelgaben; indessen rat' ich dir diess Studium an, und da wirst du ein Andreaskreuz, ein Schächerkreuz, ein Ankerkreuz, ein Kleekreuz, ein Krückenkreuz, ein Lilienkreuz, ein Patriarchenkreuz und noch viele Kreuze kennen zu lernen die Ehre haben.
Eine Stille! Wir sahen beide zum Fenster, und jeder
Stille! –
VATER. Hast du gebetet? ICH. Zweimal angesetzt, einmal vollendet. Aber keinen Morgensegen, denn ich habe nicht geschlafen. Ich kann dem lieben Gott für nichts danken, was ich nicht auch empfangen habe. Die sagen können: Wir danken Gott für seine Gaben, die wir von ihm empfangen haben, wenn sie vor Hunger sterben möchten, sind, denke' ich, Schmeichler, Heuchler, Schriftgelehrte und Pharisäer. VATER. Zum Dank hat der Mensch, wie zum Trost, immer gelegenheit. Auch das grösste Unglück ist nicht so gross, dass man sich nicht noch ein Stockwerk drüber denken könnte. Der Armbruch ist nicht so arg als der Halsbruch. Viele Leute aber glauben freilich, so mit dem lieben Gott umzuspringen, als mit ihres Gleichen. Herz, Ehrlichkeit ist das, was Gott angenehm ist; ich denke', er verzeiht hundert Flüche eher, als ein Gebet und Lob von dieser Weise. Er will eigentlich nur die freudige Empfindung über das Gute, das wir getan haben. Versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere. Tue was Gutes, und du betest – die ganze natur betet und singt und die Raben selbst nicht ausgenommen. Siehst du einen schönen
zum Gebete, und die sind nicht nötig. Leute, die
es auf blosse Worte anlegen, zaubern im eigentli
chen Sinne; sie betrügen die Umstehenden, und er
werben sich Almosen, das nicht immer ein Stück
Brod und ein Vierting ist, sondern auch ein Bück
ling, ein Ehrenwort sein kann, "d a s i s t e i n
f r o m m e r M a n n ." Es hat weise Heiden gege
ben, die dafür hielten, man sollte laut beten, damit
Gott nicht mit unklugen Bitten belästigt würde; al
lein die Herren mögen es mir verzeihen. Gott ist
unser Vater, und wir können ihm alles sagen. Wir
bleiben gegen ihn bis an's Ende kleine Kinder. Wir
sollen Gott lieben! Liebe ohne Aufopferung von
der geliebten Seite ist schwer zu denken. Gott op
fert sich, wenn er uns Gutes tut, nicht auf. Es ko
stet ihn keine Mühe, wenn er Früh- und Spätregen
und fruchtbare zeiten gibt, wenn er uns die Hand
reicht. Es wäre also nur Ehrfurcht, was wir gegen
ihn hätten, wenn wir nicht beten dürften. Das
Gebet hilft uns zu einer Liebe, die anders ist, als
alle Lieben in der Welt. Christus hat die Lehre vom
Gebet so vortrefflich abgehandelt. – Betet im Glau
ben; bestimmt nicht; lasst's Gott über. Plappert
nicht; betet im Kämmerlein.
Mein Vater betete das V a t e r u n s e r und sah
zum Fenster, und ich betete mit; wir beteten sehr
ICH. Das war gebetet. VATER. Amen. ICH. Viele Leute schämen sich, den lieben Gott auszusprechen. Sie sagen: der Himmel. Ich sag' ja nicht Mitau, wenn ich den Herzog meine. Einige sagen: die Vorsicht, das sind mir schon die rechten,