Herzen kommt, geht wieder zum Herzen; was aus dem mund kommt, geht wieder in den Mund; was aus dem Concept kommt, geht ins Concept, und was aus dem buch, ins Buch. Ende gut, alles gut! Ich werde dir nicht erscheinen, mein Kind! wenn ich heimgehe – es würde dir und mir beschwerlich sein; allein ich komme dir gewiss entgegen. Der Herr sei mit dir im Leben, und wenn du leidest, und wenn du stirbst. Geht's mit dir zu Ende, sei es mit dem Schluss deines Lebens, wie mit dem Jahresschluss, wo die Tage kurz sind! – Des Abends muss man einen schönen Tag loben. Amen, das heisst: Ja, ja, es soll also geschehen! Amen ist des lieben Gottes grosses Siegel und der Frommen Zuversicht. Ich beschwöre dich beim Amen, dass du diese Regeln aufbehältst und sie befolgest, und sie alle Vierteljahre liesest, und vor der Lesung singst:
O Gott, du frommer Gott,
und nach der Lesung:
G r o ss i s t , H e r r , d e i n e G ü t e . Amen!
Diess war der Abschied, den meine Mutter von mir schriftlich nahm, wie sie ihn auch gern vom Conversus genommen hätte, und den sie, eben so wie den Tod, nicht auf die letzte Stunde ausgesetzt. Von meiner Mutter hab' ich, und auch meine Leser, in diesem teil Abschied genommen.
Gute Nacht also, liebes Weib! Lebe wohl, liebe, teure Mutter. Deine heilige Harfe soll mein Herz in eine heilige Ruhe spielen, wenn es trotzig' oder verzagt' Ding sein will, wenn es sich bäumt und wenn's
"D i r , d i r und deiner Güte,
D i r , d i r , mein Gott, allein,
D i r , d i r soll mein Gemüte"
Wie du am heiligen Abend vor Weihnachten die Deine Wörter: h a h n , s t a h n , l a h n , sollen s a n , den du dir selbst beigelegt hast, ist köstlicher als alle Welttitel. Ich will weit eher in den Vorhöfen des Herrn in der Halle wohnen, wozu dir dein Schutzgeist den Schlüssel für dich und deine Nachkommen gab, als in den Palästen der Gottlosen! Deine alten Worte: W o h l g e m u t h , f ü r b a ss , und p f l a g , und t r a u n ! und s c h i e r ! bezeichnen mir die Einfalt der Alten der güldenen Zeit, da die Menschen Gottes Nachbarn vorstellten, ihm über'n Zaun in seinen Himmel sahen, vor ihm wandelten und fromm waren, und wie sollt' ich diesen Kern gegen den Prunk dieses versilbert blechernen Jahrhunderts vertauschen? – Am Ende, wenn mir die Gedanken vergehen, wie ein Licht, das hin und her tut wanken, bis ihm die Flamm' gebricht, soll der Tod mir ein sanfter Schlaf sein! Amen, das heisst: ja, ja, es soll also geschehen!
Diess war ungefähr das Gefühl, auf Worte herabgesetzt, das in mir brannte, da diese Anrede von meiner Mutter zum erstenmal verlesen ward. Beim eigentlichen Abschiede bezog sie sich auf die schriftliche Haustafel, wie sie's nannte. D i e s e H a n d , sie gab mir ihre Rechte, r e i c h ' i c h d i r n i c h t w i e d e r , a l s i n d e r E w i g k e i t , nicht mehr beim Abschiede. – Diess ist der Abschied, mein Sohn, das eigentliche Begräbniss. Wenn du wirklich von hinnen ziehst, wird nur der Paradesarg beigesetzt.
Von M i n c h e n nahm ich Abschied, wie der Sommer vom Frühlinge; man merkt's nicht. Zehnmal dachten wir, es sei das letzte Lebewohl; allein es kam noch ein Lebewohl – und dann noch eins, bis eins, ohne dass wir's beide wussten, das allerletzte war. Wir hatten schon vorher verabredet, dass nicht S i e an I h n , sondern E r an S i e den ersten Brief schreiben sollte. Dieser erste Brief sollte an den guten B e n j a m i n , um aus der Noch eine Tugend zu machen, zur Beförderung gerichtet werden, und der Brief an Benjamin sollt' eine Einlage eines briefes an den Herrn Hermann sein. Wie sehr wir über diesen Plan gedacht, kann ich nicht beschreiben. Er ist das Resultat von vielen Stunden. In diesem ersten Briefe sollt' ich meiner lieben Mine den Weg zeigen, an mich zu schreiben, denn da noch nicht ausgemacht war, welcher Universität wir anvertraut werden sollten, so konnte der Plan füglich nicht anders eingerichtet werden.
Die ehrlichen Jungens, die tapfern Griechen, hatten sich bei meiner Abreise versammelt, hielten sich gerade, H e l m ragte vor, und alle sahen ihrem Könige nach, der avanciren und S t u d e n t werden sollte.
Wir kamen gegen Abend in *** an, und für ein paar Leute, die sich in zehn Jahren nicht besucht, wohl aber, so oft sie sich nur reichen können, mit Gedanken, Geberden, Worten und