Herr wird uns erlösen von allem Uebel, und aushelfen zu seinem ewigen himmlischen Reich; denn sein ist das Reich, und die Kraft, und die Herrlichkeit, von Ewigkeit, zu Ewigkeit, Amen. Wir sterben lieber in jeder Stunde, als dass wir die Hoffnung aufgeben sollten, wir halten täglich mehr aus, als den Tod, um der Hoffnung willen, noch länger zu leben, und müssen doch einmal recht aus dem grund sterben. Nimm dir recht vor zu sterben, so stirbst du am wenigsten und hältst beinahe die Stunde. Stirb als hättest du deinen Tod auswendig gelernt, und sieh nicht ins Concept; stirb von ganzem Herzen, so stirbst du den Tod der Gerechten, und deine Seele ist in Gottes Hand, und keine Qual rühret sie an. Wer so stirbt, der stirbt wohl! Sieh die du liebst zuweilen schlafen, damit du nicht trauerst um deinen toten. Denke dir deinen ärgsten Feind im Himmel, damit du ihm verzeihest. Wem es so und nicht anders ist, ob sein Freund stirbt, und ob seine Pfeife ausgeht, ist nicht wert, einen Freund, wohl aber eine Pfeife zu haben. Diese Welt ist nicht ein Klima für den Frommen. Geht's ihm gut, so hört er's auf zu sein; geht's ihm übel, so ringt er sich die hände wund. Ist's dann nichts:
Aller Engel Schaar,
Und die lieben Seinen,
Sprechen immerdar,
Nirgend über Weinen,
Ohn' Gefahr und Pein,
Und i m H i m m e l sein.
Dein Vater sagt: Stirb, als wenn du den Tod observiren wolltest; so stirbst du nicht, sondern machst Observationen – i c h n i c h t a l s o . Sei getreu bis in den Tod, so wird dir die Krone des Lebens gegeben, und es wird heissen: Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenig treu gewesen, ich will dich über viel setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude! Wähle nie ein Amt, das grösser ist als du, damit du hervorragest, und kannst du in eine Stelle kommen, die vor dir ein unbedeutenderes Männchen, als du, bekleidet, hast du gewonnen Spiel. Brauch' griechische, hebräische, arabische, chaldäische, lateinische Worte in deiner Predigt, die vertragen sich; um des himmels willen aber kein einziges französisches, das ist in einer deutschen Predigt wie Katz und Hund. Die französische Sprache ist die zweite Erbsünde. Der geringste Uebelstand auf der Kanzel ist ein Flecken auf deinem weissen Kragen. Es scheint überhaupt die franzölen Weg eingerichtet zu sein. Wohl dem unter diesem volk, der noch eine andere Sprache weiss! Diene deiner Gemeinde mit allen fünf Sinnen. Man meint, der Geschmack sei so ein Geizhals, dass ein anderer nichts davon hat; allein wer den andern mit Geschmack essen sieht, bekommt auch Lust. Willst du deine Gemeinde zu Abtragung der Calende bewegen, brauch Worte, diese rühren plötzlich. Willst du sie in den Himmel bringen, trag Sachen vor; diese wirken langsam, aber sie bleiben. Eine gute Predigt muss nicht zu breite Tressen haben, das Tuch muss zu sehen sein. Wer eine gute Predigt drucken lässt, die er gehalten hat, hat g e s c h a f f e n und e r h a l t e n . Bestimme, was deine Kinder werden sollen, und wenn's sein kann, die Erstgeburt der Kirche! Eltern, die ihren Kindern die Wahl lassen zu bestimmen, was sie werden wollen, irren; du wärst Alexander geworden, und jetzt gehst du auf dem Wege zur Superintendentur. Was süsse schmeckt, hat einen übeln Nachgeschmack, und schleimt obenein; was herb zu Anfang ist, wird lieblich am Ende. Das gilt von der Tugend und vom Rheinwein. Pflanze nicht im Garten, ehe dein Feld bestellt ist, und mach dir keinen Schatten, bis du ein zinsbares Kapital haft. Beständige Ruhe ist keine Ruhe. Wenn's geregnet hat, ist's in freier Luft am schönsten. Wenn der Regen gerade herunterfällt, ist er am fruchtbarsten; man könnte sagen, die natur hab' eine gute Geburt; so müssen auch deine Worte fallen. Kreise nicht, sprich aber gerade herunter. Ein junger Geistlicher muss seine Predigt blöd' anfangen, und dreist vollenden, dann hat er alles, was ihn hört, wie eine Klette am Kleide. Der Geruch hat seine Moden, die ein Pastor nicht mitmachen darf. Bisam und allerlei wohlriechende wasser sind nicht für ein schwarzes Kleid. Willst du wohl riechen, so sei's nach Himmelschlüsseln, Rosen und Nägelchen (nicht Nelken, wie etliche wähnen). Diese Gerüche bekommen wie täglich Brod alle Menschen, und keine schwangere Frau wird darüber ohnmächtig am Beichtstuhle werden. Sei stark am inwendigen Menschen. Deine Seele sei wacker, dein Herz ohne Falsch, so wird auch der auswendige Mensch blühen und Früchte ansetzen. Die Seele ist der Gärtner, der Leib ist die Pflanze, die gezogen wird. Sprich zuweilen laut, sonst glauben die Leute nicht, dass es Ernst ist. Ich habe dir in deiner Jugend angeraten, das Skelett von den Butterblumen auf einmal wegzuhauchen. Es stärkt die Lunge. So wird Gott, der gerechte Richter, die Welt weghauchen! Ein jeder Lehrer muss mehr sagen, als im Concept ist. Was aus dem