1778_Hippel_037_74.txt

lehrt beten. Sieh nicht aufs Handgeld, sondern auf den Herrn. Der Teufel gibt Silberlinge, allein das Ende ist Verzweiflung. Hüte dich vor Prozessen in Curland. Gott weiss! wie es anderswo ist, denn am Ende heisst's, Esaias im achtundzwanzigsten Kapitel, im zehnten Vers: gebeut hin, gebeut her, gebeut hin, gebeut her, harre hie, harre da, harre hie, harre da, hie ein wenig, da ein wenig. Wer Gewalt übet bei Gericht, schändet sein Mündel, das er bewahren soll. Die Sachwalter machen's wie die Fischer; sie trüben das wasser, eh sie angeln: bei hell und klarem Wetter ist nichts zu fangen. Sei gerecht gegen jedermann, gib auch, wenn du geschwinde schreibst, dem u seinen Strich, dem i seinen Punkt. Ich habe kein u um das Seinige betrogen, und mich ärgert, wenn man gewissen Worten den grossen Buchstaben nehmen will, als bei Stubenuhr schreibe ich S und U mit grossen Buchstaben. Ehre, dem Ehre gebührt. Uebe dich auch mündlich abzuschlagen, was du nicht leisten kannst: schriftlich kann's jeder Narr. Bist du unentschlossen, ich setze zum voraus, dass diess oder jenes nichts böses ist, worüber du geteilt bist! zerbrich dir nicht den Kopf, recipe zwei Loose: in eins schreibe flugs J a , ins andere flugs N e i n . Mache sie sich einander gleich, greif eins, und tue, was du gegriffen hast, diess ist eben so gut, als wenn du lange gedacht, und Ja und Nein auf einer Goldwage abgewogen hättest. Es ist eine Art von göttlichem Regiment, von Teokratie. Heisst es nicht so? Auch der Weiseste greift in einen Glückstopf. Glück und Glas, wie bald bricht das. In der Demut stolz sein, heisst falsch spielen. Wenn die Menschen Metusalems Alter erreichen könnten, würde man mit Gewissheit sehr früh behaupten können, wer gewiss hängen würde. Kluge Leute lesen ihre Briefe von hinten. Singe an deinem Geburtstage N e u j a h r s l i e d e r ; sie haben was Tröstliches in sich. So wie der Geiz seinen eigenen Händen nicht traut, so traut auch der Kluge seiner Vernunft nicht. Ein Bettler gab einem andern die Lehre: sprich keinen an, der allein geht; gehen zwei, geben beide; wäre jeder allein gegangen, hätte keiner gegeben. Die ungefärbte Menschenliebe ist erkaltet, und Stolz führt bei der Gabe die Hand. Der Weg zum Himmel ist mit lauter gutem Willen gepflastert. Guter Wille gilt bei Gott und allen ehrlichen Leuten so viel als die Tat. Zwinge dich nicht ohne Geld auszugehen, das heisst, aus einem guten ein schlechter Mensch werden wollen. Gib mit der Rechten, ohne dass es die Linke weiss, und sieh nicht, wie man's nimmt. Es ist schwer, gut zu geben, noch schwerer aber, gut zu nehmen. Tausche gegen einen Pfeifenkopf nichts, was Leben und Odem hat. Tiere, sagt dein Vater, sind unsere Gränznachbaren. Der Gerechte erbarmt sich auch seines Viehes. Pflanze keinen Baum, wo er ausgehen muss. Heirate keine Mondsüchtige, wenn sie auch Superintendentens Tochter wäre. Schneide keine Blume ab, wie kämst du zum Köpfen? und die Blume, geköpft zu werden? sondern p f l ü c k e sie, wenn's nicht anders sein kann, sonst aber lass sie ihren reisen Samen ausstreuen, und den Tod der Guten sterben, die ihr Ziel nicht verrücken, und ihr Leben durch Unmässigkeit verkürzen. Ein Fleischer ist immer grausam; Blut ist ihm am Ende Blut. Gewisse Haare werden nie grau, und Alter schützt vor Torheit nicht, decke aber die Schande des Alten. über ein Wort muss man sich nicht den Hals brechen. Wort um Wort, Zahn um Zahn, Hals um Hals. Ein Arzt, der sein Latein falsch spricht, kurirt auch falsch; warum sagt er nicht lieber, ich weiss es nicht? und ein Geistlicher, der nicht die Grundsprachen versteht – – (dass sich Gott erbarm!) – – Einfältig heisst von einer Falte: So sei dein Herz gegen Gott und gegen deinen nächsten; nicht wie ein Fächer, der vielfältig ist, und nicht wie eine Reisekarte, die man in ein Beinkleidertaschenformat legt, und wenn sie ausgekramt ist, deckt sie einen Tisch auf vier Personen. Edle Einfalt war beim Anfang der Welt, und wird, wie ich nach der Liebe hoffe, bei der Welt Ende sein. Eine Heerde und ein Hirte. Lobe nicht Leute, die nicht lobenswürdig sind. Ein Tor denkt nie beim unverdienten Lobe: "w e i ss t d u n i c h t , d a ss d i c h G o t t e s G ü t e z u r B u ss e l e i t e ." Falsche Freunde sind Schwalben, die nur des Sommers da sind; Sonnenuhren, die nur brauchbar sind, so lange die Sonne scheint. Der Mensch geht in dieser Welt in die Schule beim lieben Gott. Der Tod befördert ihn zur Akademie. So wie du gewartet hast, ehe dir das Licht angezündet ward; so wart auch, bis es ausbrennt, oder ausgelöscht wird, und denke an die Sonne der Gerechtigkeit, die nach der Zeit über deinem Haupt aufgeht, ohne unterzugehen in Ewigkeit. Der