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, dass dein Fuss nicht einschläft, wenn du beim Vornehmen sitzst, und zerbrich keinen Teller, wenn du ihn dem Nachbarn aufdringst. Höre mein Kind auf eine geschichte, die ich nicht erzählen kann, ohne dass Feuer in meinem gesicht auskommt. Ein Literatus wollte bei seinem gönner um eine Stelle anklopfen. Da der Herr verzog, glaubte der gute Candidat Zeit und Raum zu haben, seine Strümpfe zu spannen, die nachgelassen hatten; und siehe! eben nun kommt sein gönner und erblickt das entblösste Knie und das Strumpfband, das zum Unglück ein Bindfaden war, in des Literatus Rechten. Das Amt ging vor ihm vorüber, als Wolken vom Winde getrieben, und der gönner sprach, da er mit seinen Freunden zu Tische sass: in der Jugend eine Hure, im Alter eine Hexe. Aus einem Funken wird ein gross Feuer, und ein Lügner und Mörder sind Nachbars Kinder. Iss keine Rüben, wenn du zu Sr. Excellenz gehst, und lege deinem Magen ein Gebiss an den Mund, sonst sieht es aus, als ob du zum Essen kömmst. Eine alte Weste und neuer Rock sind wie eine alte Tresse und ein neues Kleid, zusammengebrachte Kinder. Schlucke nicht, und wenn's auch wasser wäre, dass es aussieht, als wolltest du den Jordan austrinken. Willst du einen beständigen gönner haben, mache, dass er dir eine Wohltat erweist, die bekannt wird im volk. Diess bindet wie Kitt. Er lässt dich nicht, als ob er von seinem Vorschuss Zinsen haben wollte. Leihe dem Armen ohne Zinsen, dann bezahlt's Gott. Lern ein Glas leeren, nur mit Maassen, damit du dich nicht aufreibst. Männer, die an einer grossen Tafel keinen Tropfen trinken können, sehen aus wie Verschnittene am Hochzeitstage. Sich am Wein warm trinken, heisst menschlich werden. Wenn ich mir zuweilen ein Schälchen nehme, ist's mir, als ob ich Menschenliebe getrunken hätte. Ein böses Gewissen ist ein Ofen, der immer raucht, ein Gewitter ohne Regen; es ist Kläger, Richter, Henker, in einer person. Die Nachtigall singt dir: du bist ein Dieb; die Lerche: du hast gestohlen. Eine Krähe beisst der andern die Augen nicht aus, und wo der Bürgermeister ein Bäcker ist, backt man das Brod klein. Wenn ich streiten sollte, es gäbe im Stamme Levi keine zerbrochene Töpfe, die laufen lassen, würde' ich Krebse angeln. Was sich im grünen Kleide mit Gold schickt, schickt sich nicht in der Reverende, und auf der Kanzel muss man anders reden, als wenn man seine Füsse unter einem gedeckten Tische beherbergt, und seiner Nachbarin eine Gesundheit zubringt, welches die Tischreden unseres G l a u b e n s v a t e r s sehr lebhaft bestätigen. Sei allen allerei, wie eine Citrone, die man von innen und aussen brauchen kann. Leute, die sich völlig vor der Welt verschliessen, die nur mit ungefallenen und in der Wahrheit gebliebenen Geistern Umgang haben, sehen oft, wo andere nichts sehen, und hören noch öfter, wo andere nichts hören; denn das Ohr ist leichtgläubiger als das Auge. Ein Pastor dieser Art hatte seiner Gemeinde das Nasenschneuzen und Husten abgewöhnt. Ich erzähle dir diese geschichte mit den nämlichen Worten, wie mein seliger Vater sie mir erzählt hat. Es war in der Kirche dieses Pastors eine besondere Mannszucht, eine so heilige Stille, wie des Morgens bei schönem Wetter um vier Uhr. Ehe er zur Nutzanwendung überging, war es, wie ein Commando: p r ä s e n t i r t ' s G e w e h r ! Der Herr Pastor gab mit seiner Nase ein Zeichen, und alle Nasen folgten ihm, auch die, so es nicht nötig hatten, aus Provision, oder weil's der Nachbar und der Herr Pastor tat. Es begab sich, dass ein Fremder, der diese Strasse zog und nichts von dem Uebergange zur Nutzanwendung wusste, und die Sitten und Naseart dieser christlichen Gemeine nicht kannte, den natürlichen Wink seiner Nase befolgte. Der Pastor beschlug die Contrebande mit den Worten: wer grunzt in der Gemeine? allein der gute Pastor musste, weil der Gast von Adel war, diesen Beschlag sehr teuer büssen, und schriftlich versichern, das Wort Grunzen nicht im bösen Sinne genommen, sondern vielleicht selbst gegrunzt zu haben, und vor's künftige ward der Herr Pastor angewiesen, seine N a s e i n d i e B i b e l z u s t e c k e n . Der Mensch ist gut, die Welt böse. Gehe fleissig in die Kirche und siehe zu Menschen beerdigen. Gedenke, wie er gestorben ist, musst du auch sterben. Heute mir, morgen dir. Zeit liegt von Ewigkeit einen Sabaterweg, eine Viertelmeile, die den Kranken im alten Bunde zu reisen erlaubt war. Wenn du einen Kirchhof offen findest, gehe herüber, wenn du auch einige Schritte Umweg machst. Sieh die offene tür als eine Erinnerung an, dass auch du dem Kirchhofe, dem Zollhause der Ewigkeit geben wirst, was ihm gebührt. Wenn die Glocken gezogen werden, sprich: Gott schenke mir eine selige Stunde! Huste nicht im Vorzimmer des Grossen, um dich hören zu lassen. Der Wein ist die Wage des Menschen; lege deinen Freund drauf, und prüfe, wie viellötig er ist. Denke an den Tod des T