wenn es stockfinster ist, sei Gottes Wort deine Leuchte und das Licht auf deinem Wege! Er! der den Winden den Weg wies, führet seine Heiligen zwar wunderlich, doch selig. Unsere Kraft ist nicht steinern, unser Fleisch nicht ehern, das weiss der uns schuf, und wird unser Lager leichtern und dir einen Dr. Saft senden, wenn du krank bist, und einen Tröster, wenn deine Seele wimmert. Nichts kann uns mehr verstimmen, als das Geschrei kleiner Kinder! Die leiblichen Eltern finden es unerträglich, denn die E r b s ü n d e ist's, die aus dem kind s c h r e i t , und sein Weinen verrät Unverstand und Eigensinn. So ist unser Weinen und Heulen dem lieben Gott – K i n dergeschrei!
Wer am Wege baut, hat viele Meister. Leihe nicht einem Gewaltigern denn du bist; leihest du aber, so acht' es gestreut auf einen undankbaren Acker. Brich den Hungrigen dein Brod, und so du einen nackt siehst, glaube, dass ein Loch in deinem Strumpfe sei. Nackend bist du von deiner Mutter leib gekommen, und nackend wirst du auch heimfahren aus diesem Elend. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Halleluja! Ein neuer Freund ist ein neuer Wein, lass ihn alt werden, und dann koste ihn und siehe da, solch ein Wein erfreut des Menschen Herz, dass er jung wird wie ein Adler. Wer Pech angreift, besudelt sich, wer mit leidenschaft spielt, hat Lust zu betrügen, und wer oft tanzt, will heiraten. Sei züchtig, wenn von Dingen die rede' ist, die die natur selbst mit Feigenblättern verhangen hat. Gewöhne dich nicht zur Sängerin, dass sie dich nicht mit einem Triller in die Flucht schlage, und dich zum schimpflichen Gefangenen mache für und für. Höre lieber eine Nachtigall, eine Lerche, oder so etwas, und dein Gemüt wird g e s u n d zu derselben S t u n d . Mit Ringen zu spielen ist nur dem D o g e zu V e n e d i g am Himmelfahrtstage erlaubt, wenn er sich mit der adriatischen See verlobet. Ich halte selbst diess Spiel für sündlich und anstössig, wenn's gleich der heilige Dreifuss oder Sorgstuhl, auf dem dein Namensvetter, Papst Alexander der Dritte sass, im Jahr 1174 verordnete. Man muss sich nicht verloben, wenn man nicht heiraten will; man muss keiner adriatschen See einen Ring geben, die nicht unsere Frau werden kann. Du verstehst, was du hörest und liesest, mein Sohn! Merke wohl, was ich sage!
(Die adriatische See war ohne Zweifel Minchen.)
Wehe dem Jüngling, der einer Dirne verspricht, was er nicht erfüllt, der mit ihr handgemein wird, wenn er nicht herzgemein mit ihr zu werden in den Umständen ist. Leute dieser Art meiden das Land wie die jüngste L – an der mein Traum erfüllt ist, und ihr Krippenritter, von dem mir nie etwas geträumt hat. Falsche Jünglinge bauen ein Gerüste von Schmeicheleien, und wenn ihr Gebäude fertig ist, zerstören sie das Gerüste, und seine Stätte ist nicht mehr. Du nicht also!
Wenn dich der b ö s e Feind anficht
Zur linken und zur rechten Hand,
empfehl' ich dir das Tintenfass, nicht wie unser Glaubensvater, ihm damit den Kopf zu bläuen, obgleich diese Tintenflecken an der Wand die schönste Malerei sind, die ein Christenauge in der Welt sehen kann. Der Teufel, da er schon an sich tintenschwarz ist, hatte keinen Flecken davon. Nicht des Wurfes wegen, sondern um eine Predigt oder geistliche Betrachtung daraus abzufeuern. Tinte sei dein Pulver, die Feder Flinte, die Sandbüchse Schrot. Vom Weihrauch tut dem Teufel der Kopf weh; es ist nicht fein, wenn ein Geistlicher mit etwas anderm räuchert. Um die Tinte gut zu kochen oder Teufelspulver zuzubereiten, werde' ich dir ein Recept zu deiner Wäsche packen. Es hat Kranke gegeben, auf die der Anblick des Recepts die nämliche wirkung gemacht hat, als die Medicin, die darauf charakterisirt war. Sie schwitzten, sie gingen zu Stuhl. Der Teufel müsste sein Spiel haben, wenn sollte. Stecke die Manschetten unter, wenn du schreibst, denn es steht nur einem alten wohlerfahrenen Gelehrten an, mit Tintenftecken zu prangen. Leute, die die Sünde aus ihrem Fleische, wie den Staub aus ihren Kleidern herausklopfen und sich casteien, kennen den inwendigen Menschen nicht. Verse zu machen, mein Kind! ist ein probates Mittel wider die Erbsünde und die bösen Fleischeslüste, die man bloss durch Seelenmotion dämpfen kann. Es müssen die Verse aber gereimt, im Schweiss des Angesichts erarbeitet oder erjagt sein. Dein Vater sagt, im Reimwörterbuch nachschlagen, heisst hetzen. Weg mit den Hunden; allein wo ist ein Jäger ohne Hunde? Ein Mensch, der die schmutzigsten Verse schreibt, wenn sie ihm wohlgeraten, läuft ihnen wie den unkeuschen Dirnen nach, die er besungen hat. Jammer und Schade um die Poesie! Sonst aber für jedes eine Reihe, für den Verstand eine, und für den Reim auch eine. Gib dem verstand, was des Verstandes, und dem Reim, was des Reimes ist. Dichter probirt man wie irdenes Zeug durch's Klingen. Kein grosser Sänger singt, wenn er in Gedanken ist, wie es die meisten tun, die nicht grosse Sänger