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dass ihr Segen über dich komme; denn des Vaters Segen baut den Kindern Häuser, aber der Mutter Fluch reisset sie nieder. Ihr Unwillen beschädigt das Dach, und es regnet ein ewiglich. Wie kann der Gott lieben, den himmlischen Vater, der nicht die liebt, die das wohlgetroffenste Bild vom Schöpfer und Erhalter an sich tragen; ehre Vater und Mutter, damit dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden. Sprich, wenn du Melchisedech sagen willst, d e r k ö n i g l i c h e P r i e s t e r , so wie man den David den k ö n i g l i c h e n P r o p h e t e n heisst, obgleich er auch in der Apostelgeschichte, im zweiten Kapitel, im neunundzwanzigsten Vers, E r z v a t e r genannt wird. Gedenke, wenn du Spargel isst, oder eine Pfeife in freier Luft rauchest und lange Manschetten siehst, oder Wein an der Quelle trinkest: deinen Vater ehren ist deine eigene Ehre, und deine Mutter verachten, heisst einen stinkenden Odem haben. Ein gutes Gewissen ist besser als zwei Zeugen. Es verzehrt deinen Kummer, wie die Sonne das Eis. Eis ist ein Brunnen, wenn dich durstet, ein Stab, wenn du sinkest, ein Schirm, ein Riga'scher Pastorhut, wenn dich die Sonne sticht, ein Kopfkissen im tod. – Der Herr, unser Gott, ist der Allerhöchste, und er schuf Löwen und Frösche, Adler und Mücken, und alles was auf Erden kreucht. Kein Sperling fällt ohne seinen Willen, und in ihm leben, weben und sind wir. Gleiche Brüder, gleiche Kappen. Gleichheit, sagt dein Vater, ist das Winkelmass der Menschheit. Wer nicht über andere wegsieht, und am Tisch sich oben ansetzt, und nach der Hechtleber langt, erregt keinen Neid, und niemand spricht zu ihm: weiche diesem. Der grösste Hümpler, die meisten Späne. Keine Antwort ist auch eine Antwort. So wie das wasser Feuer löscht, so überwältigt die Bescheidenheit den Stolzen. Sie ist der Ring, den man dem Bären durch die Nase zieht. Gut macht Blut, Blut macht Mut, Mut macht Uebermut. Es ist eine schwere Sache um die ächte Schamröte. Bei vielen ist sie Schminke, und Pfui über die viele. Wenn sie aber auch gesundes, unverfälschtes Blut ist, kann man sich schämen, dass man Sünde daran tut, und kann sich schämen, dass man Gnade und Ehre daran hat, vor Gott und Menschen. Wer A sagt, muss B sagen. Aus Scham sterben heisst eben so viel, als aus Furcht sterben. Die Schamröte bleichet nach einer Weile aus, wie eine sechsstündige Provinzrose. Kirchenbusse ist kein Staupenschlag. Wasch mir den Pelz, und mach ihn nicht nass. Wer ein Tiger in seinem haus ist, pflegt ein Schaf ausser demselben zu sein. Sei langsam zu reden, schnell zu hören und langsam zum Zorn, denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. Kaltes Blut hat mehr Unheil gestiftet als der Zorn! Tue nichts Böses, so widerfährt dir nichts Böses. Halte dich vom Unrecht, so trifft dich kein Unglück. Was bös' ist, bleibt böse, wenn's gleich viele tun. Wie das Bett, so der Schlaf Ringe nicht nach Gewalt bei Fürsten, denn sie sind Menschen und können nicht, wenn sie auch wollten. Sei fröhlich mit den Fröhlichen, und weine mit denen, die zerschlagenen Herzens sind; denn Gott schuf uns all aus einem Erdenkloss, und blies uns einen lebendigen Odem in die Nase, und da ward eine lebendige Seele. Verzweifle nicht, wenn die Glocken um deinen Freund gezogen werden, und wenn es von ihm heisst: er ist versammelt zu seinen Vätern. Freue dich nicht, wenn dein Feind stirbt, gedenke, dass wir alle sterben werden,

Müss'n all' davon,

Gelehrt, jung, reich, alt, oder schön.

Willst du den F r e v l e r kennen, steh ihn, wenn sein F e i n d den Arm bricht. Artet sein Herz zum jubel aus, und raucht sein Haupt wie eine Flasche alter Wein, wenn man die Pfropfe herausgezogen, so hast du ihn auf ein Haar, wie dein Vetter getroffen ist im Kupferstich. – Wenn gleich der Gottlose in einem Palaste wohnet, irre dich nicht. Sein Palast ist wie das Haus der Spinne und wankender, wie ein Schauer, das der Wächter sich gemacht hat. – Es kommt die Stunde, da Schrecken ihn treffen, wie wasser! Ein Platzregen kommt über ihn, wenn er ein seidnes Kleid anhat. Ohne Ordnung fällt man über ihn her, wie durch ein gesprengtes Tor; wie eine eingenommene Feste wird man ihn umzingeln. Ist nicht Tag und Nacht, Sommer und Winter, kalt und warm? Es liegt alles fingerdick in der Welt, das Gute und das Böse. Harre auf den Herrn, deine Seele hoffe auf ihn, er wird's wohl machen. Gott zerschmeisset und seine Hand heilet. Aus sechs Trübsalen wird er dich erretten, und in der siebenten wird dich kein Uebel rühren. Er wird deine Takt schlagen könnest zur rechten Zeit, und wenn deiner Seele widert, den dunkeln Weg zu gehen, den kein Vogel entdeckt, und keines Geiers Auge gesehen;