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Krippenritter war. Das Paar reiste ab. glückliche Reise! Mein Gifttraum, sagte meine Mutter, war wenigstens von Seiten der jüngsten Tochter des Pastors L – pünktlich erfüllt, obgleich der Pastor L – niemals Präpositus geworden ist und es auch schwerlich werden wird. Sein Säftchen war der Melchisedech, welches du ohne Auslegung verstehen wirst. Meine Mutter nahm mich beim fünften Westenknopf, von oben gezählt, und hielt mir wegen des Namens Alexander eine sehr lange Rede, hüte du dich auch, denn er hat unsern Worten sehr widerstanden.

Ich sah deinen Namen nicht anders als einen Hökker an. Damit ich mich indessen über diesen Auswuchs einigermassen beruhigen möchte, nannte ich dich Einhörnchen, und dachte, geschieht diess am grünen Holz, am Ehren Einhorn, weiland zweiten Superintendenten in Curland, was will am dürren, deinem lieben Vater, werden, von dem man ausser, dass er in seiner Jugend früher Spargel gegessen als in Curland, nicht viel mehr weiss, was hierher gehören könnte.

Wie unzufrieden meine Mutter mit dem Alexanderspiel, wobei ihre Köchin Babbe die königliche Frau Mutter vorstellte, gewesen, hab' ich nie so deutlich als jetzt erfahren. Sie bezeugte ihren Todhass gegen den H e r k u l e s , den mir mein Vater, wie sie sagte, s o s ü ss v o r g e p f i f f e n , dass ich's bedauert, nicht auch Schlangen in der Wiege erdrückt zu haben. Herkules ist am Ende, sagte sie, ein blinder Heide, und Alexander auch. Ich freue mich, dass dein lieber Vater selbst in diesem Stücke seine Voreilung einsieht, und dich nicht mehr Alexander, sondern mein Sohn heisst. Du bist, Gott sei gedankt, schier ein guter Prophetenknabe, z i e r l i c h , m a n i e r l i c h ! allein noch besser würdest du sein, und nicht so oft in Gedanken, Geberden, Worten und Werken trommeln und querpfeifen, du würdest deine Meinung ohne Schäumchen aufgiessen, wenn dein lieber Vater dich gleich m e i n S o h n , und nicht A l e x a n d e r aufgerufen. Sobald ich dir anriet, Särge zu schnitzeln, und Leichen zu begraben, lehrt' er dich Spiesse und Bogen machen, und noch ganz klein stellte er türkische Bohnen wie Soldaten, von denen du Gottlob! damals keinen Begriff hattest. Wenn dich Leute küssen wollten, stiess er sie von dir. Brecht die Rose nicht, damit sie nicht welk werde. Er schien zu meinen, dass dir durch Küsse das Fett abgeschöpft würde. Wenn er lieben wird, setzte er hinzu, kann er küssen. Ich gab dir die wohlgemeinte Lehre, wenn eine grosse und kleine Pforte zu einem Wege führt, gehe durch die kleine, und hab' auch hiebei erbauliche GedankenDein Vater sagte durch die grosse

Ich: wenn du gähnst, schlag ein Kreuz und halt' die Hand vor.

Dein Vater: schlag kein Kreuz und lass jedem deinen Mund sehen (in diesem einzigen Stück hab' ich ihm nach der Zeit Recht eingeräumt).

Ich: wenn dir Brod oder Bibel, Gesangbuch und Luters Katechismus, aus den Händen fällt, küss Brod, Bibel, Gesangbuch und Luters Katechismum.

Dein Vater: küss weder Brod, Bibel, Gesangbuch noch Luters Katechismus; heb auf, was fällt und Aufhebens wert ist, was Erd ist, lass zur Erde werden. Ich gratulir' am ersten Adventssonntag zum neuen Aus dem schnaubenden Saul ward ein frommer woll' es durch seinen heiligen Geist in dir bestätigen und vollführen, und dich kräftigen und gründen; ihm sei Ehre und Lob und Preis! Amen, Amen. Was mich betrifftSie sang:

Ich bin's gewiss und sterbe drauf,

In meines Gottes Händen:

M e i n K r e u z und g a n z e r L e b e n s l a u f

Wird sich noch fröhlich enden.

und nach dieser Strophe:

Tu wie ein Kind und lege dich

In Gottes Vaterarme,

Und lass nicht nach, bis dass er sich

Dein väterlich erbarme;

So wird er dich durch seinen Geist,

Auf Wegen, die du jetzt nicht weisst,

Nach wohlgehaltnem Singen

Aus allen Sorgen bringen.

Im lied steht R i n g e n anstatt S i n g e n . Wer wird indessen meiner Mutter diese Aenderung verdenken? Lieber hätte sie, das weiss ich, nach w o h l g e h a l t e n e m T a k t e gesungen, sie musst' aber den Reim bedenken. Nach dieser Erzählung und diesen mütterlichen Noch nie war mir die geschichte meines Vaters so Denkzettel an den, der unter meiden ich die hände falten und Gott aussprechen lehrte, und den ich in diesem Jammertal, wo man auch bei frühem Spargel nicht an Ort und Stelle ist, nicht mehr sehen werde, aberdort bei dem Herrn! allezeit.

* * *

Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei, nicht ein Kranz, der Firne-Wein anmeldet wo doch nur Heerlingssaft ist, und suche nicht Ruhm bei Leuten durchs Weisse in deinem Auge, und durch ein Aussehen, als wenn du den Tag zuvor Medicin genommen. Die ganze natur ist fröhlich und guter Dinge. Ehre Vater und Mutter mit der Tat, mit Worten und Geduld, auf