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. Es kam ihr nämlich vor, dass ihr Herr Vater vom Gott Jupiter gebadet und von der Sonne gesalbet worden. Er verwarf diesen Wink und lachte über den Finger seiner wahrsagenden Tochter. Allein siehe! Er zog nach Magnesiam, wo er von den Einwohnern jämmerlich getödtet und hernach aus Kreuz geschlagen worden. So ward er, wenn's regnete, gebadet, und wenn die Sonne schien, gesalbet. – Diese geschichte ist uns zur Lehre geschrieben, dachte dein seliger Herr Grossvater. Er hatte in seinem Sinne die Hülle und Fülle und hielt sich so glücklich wie Polykrates, obgleich er nie einen Ring ins Meer geworfen und, wenn das Jahr um war, keinen Dreier übrig hatte.

Ich fand, sagt' er, von jeher die erste Rose, das erste Veilchen, die erste reife Pflaume; ging ich zu Bett, schlief ich; stand ich auf, war ich munter. Die bösesten Hunde kamen, mir die hände zu küssen, um mir zu huldigen. Mein seliger Vorfahr hat den Pastoratsgarten bloss angelegt, um dem Winde ein Spielwerk zu machen; doch glaube' ich, wenn ich ihn so, wie er da ist, bepflanzen sollte, die curischen Stürme würden sich mit ihm vertragen; darum pflanze ich nicht wieder, was ausstirbt. Einen neuen Garten leg' ich nicht an, um dem Boden nicht, meiner glücklichen Hand wegen, Frohndienste aufzulegen. – Was ich in meiner Jugend setzte, ging alles auf. Eine Bohne, wenn sie gleich hektisch aussah, wuchs und trug gesunde Kinder. Schiess' ich, treff' ich! schiesst ein anderer, weiss ich beinahe mit Gewissheit am Schuss, ob's Niete oder Gewinnst ist. Komm' ich nach Mitau, grüsst mich ein jeder, der mir begegnet, und ein jedes eher als ich. Bei allen meinen Examens ward ich über das gefragt, was ich den Abend vorher gelesen hatte. Ich schlage mit einer Klatsche wenigstens zwei Fliegen. Oft bemühe ich mich recht geflissentlich nur einer aufs Haupt zu schlagen, allein, indem ich den Streich vollführen will, kommen Freiwillige dazu; diess macht mich aufmerksam. Erst dreissig fette Jahre, dreissig Jahre ununterbrochenes Glück, und drei Jahre darauf mager wie Pharao's Kühe. Wer nimmt sie? Dreissig magere Jahre aber voraus, und drei fette hernach, dürfen nicht öffentlich licitirt werden, man nimmt mit beiden Händen. Ich wollte nicht in der letzten Zeit meines Lebens ausstreichen, was ich die vorigen Jahre geschrieben, und wie sollt' ich meinem Glücke Zaum und Gebiss in den Mund legen. Ich bin gesund, habe Nahrung und Kleider, und was noch mehr ist, habe mich von jeher damit begnügen lassen. – In Gottes hände konnte' ich also nicht fallen, ich mocht's machen, wie ich wollte. Was war zu tun? ich gab selbst gelegenheit, in Menschenhände zu kommen. Meine Ehegenossin muss schweigen in der Gemeinde, und ich schweige in meinem haus.

Es war also, lieber Leser, mein Grossvater mütterlicher Seits, wie es scheint, ein christlicher Sokrates; meine Grossmutter aber keine Xantippe, und übrigens eine so ächte Pastorin als meine Mutter, nur jede von anderer Art.

Ein Mann soll meine Tochter heiraten, der nicht Schuster und Rademacher werden kann, sagte deine Grossmutter, – der aber (sagte dein Vater im sanften Tone, als wenn er auf der Kanzel zu den Bussfertigen redete), der aber Pastor ist. Schlecht genug, schrie sie aus, dass er durch deinen Vorschuss es geworden. Ich weiss sehr wohl, dass er keinen Dreier hebräisch besitzt. Hierin hatte sie Recht. Ein Pastor, ohne die Sprache Gottes zu wissen! Da mein Vater wohl aus dem Tone hörte, dass es Zeit wäre entweder seines Leidens ein Ende zu machen oder sich zurückzuziehen, ging er gelassen aus dem Zimmer in sein Studirstübchen, wo er auch drei Stunden eingeschlossen blieb. Während dieser Zeit fing meine Mutter Bürgerkriege mit mir an. Bald war mein Kopf ein Wetterhahn, bald hatte ich läppische Angewohnheiten, und andere sieben Sachen mehr. – Der Zorn wider deinen Vater hatte sich gelegt, und sie schien es mir sehr deutlich zu verstehen zu geben, dass, wenn ich nur den Kopf gerade gehalten, mein Bräutigam wohl gesagt haben würde, wer sein Vater wäre. Endlich sprang ihr Zorn, so wie das Fieber, wenn's nicht mehr so heftig ist, das von deinem Vater auf deinen Grossvater, und von deinem Grossvater auf mich gekommen war, von mir auf die K a t h r i n e . So fuhr der Satan, meiner Mutter nicht zu nahe geredet, in die Säue. K a t h r i n e hatte ihr, statt des Salzfasses, Pfeffer gereicht, woran sie freilich nicht gut reichte, denn meine Mutter schüttete so viel Pfeffer in die Fische, als sie Salz gebraucht haben würde. Pratz! eine Ohrfeige, und nun war der Zorn gelöscht. Zwar zischt' es noch, als wenn wasser auf den glühenden Herd gegossen wird, indessen ward es zuletzt ganz, ganz mausestille.

Diess Pratz war eben keine Christenpflicht; indessen was denkst du vom Pratz der Fr. v. ***, welche bei ganz kaltem Blute jedes neue Dienstmädchen, wenn es zum erstenmale Hand aus Porcellan legt, mit einem Pratz bewillkommt. Warum, gnädige Frau? "Damit ihr ein Andenken habt, so oft ihr das Porcellan