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er musste den Kopf s c h ü t t e l n . Z u m d e u t l i c h e n N e i n konnte sie es nicht bringen. – Das war ein Fersenstich für deinen Vater. Er war gekommen, einen S a l z e i n e n e w i g e n B u n d zu machen, und nun zerriss er alles a u f s s c h i e r s t e . S t a r k e n L a u f s , o h n e S c h n a u b e n oder D r e h e n , ohne den S t a u b v o n s e i n e n F ü ss e n z u s c h ü t t e l n , ohne das W a s s e r g l u m z u m a c h e n , zu reden aus Ezechiel zweiunddreissig Vers zwei, ging er verstummt von seiner Scheererin von dannen. Man sah, was er litt, und gern hätt' ich ihm hülfreiche Hand geleistet. Der Abschied war kalt und warm, sauer süss, und weg war er.

Dein seliger Grossvater hielt gross von deinem Vater und liebte ihn zu sehr, als er so ganz gelassen dabei bleiben sollen. Es war dein Grossvater ein grundgelehrter Mann, der aber ausser der Kirche nur bloss in seinem Studirstübchen Potentat war, und es auch nur hier sein wollte, obgleich deine selige Grossmutter auch hier zuweilen ihr Licht leuchten liess, wowider er selbst nichts hatte. Was ich von seltnen fragen und Antworten weiss, ist von ihr. Sie hatte hiervon ein Naturalienkabinet, das nicht gemein war. Ich hab' oft gedacht, sie gäbe ihrem mann manche Nuss aufzubeissen, darum ihre gelehrten fragen! ich im Druck! und darum mein Gesang! Sie wusste, was für eine Farbe das Kleid gehabt, das der liebe Gott dem Adam gemacht, und behauptete, es wäre grün gewesen. Sie wusste die Apfelart, die Adam und Eva gegessen; wo das Paradies gestanden, und empfahl die Birnen als eine unschuldige Frucht, die auch allen Menschen besser täte. Wenn ich's aufrichtig sagen soll, so geberdete sie sich bei Aepfeln und Birnen so, als ob diese ohne Erbsünde, jene mit Erbsünde behaftet wärenich finde hiebei, wenn man's dazu anlegt, viel Erbauung. – Sie wusste, ob R a h e l weiss oder braun gewesen; was für Federn Gabriel in seinen Flügeln gehabt; ob Adam mit einem Nabel versehen gewesen; ob David ein Adagio oder ein Allegro vor Saul gespielt; ob die Schriftgelehrten Doctores in der Teologie oder der Rechte gewesen, und ob Pilatus sich mit Seife gewaschen; wie vielmal Sela in der heiligen Schrift vorkäme.

Meinem Vater fehlt es weder an Seel' noch Leib, um meine Mutter so zu umzäunen, als ich es bin, allein, warum er nachgab, war um sich selbst ein Kreuz aufzulegen. Er behauptete, er hätte sein Lebtag keine Niete gezogen, sondern wär' allstets glücklich gewesen; und da man durch viel Trübsal zum Reiche Gottes eingehen müsste, so litt er gern diese Ungemächlichkeit, beklagte sich nur gegen mich, nachdem ich mein neunzehntes Jahr erreicht, und gegen einen einzigen guten Freundohne Trost anzunehmen, wohl wissend, es werde seiner lieben Frau jedes unnütze Wort noch vor Sonnenuntergang gereuen, was sie geredet hatte. Diess geschah auch anfänglich; allein nach der Zeit weiss ich mich zu besinnen, dass es in wichtigen Fällen bis zweimal vier und zwanzig Stunden währte, alsdann aber war auch draussen schlecht Wetter, und die Sonne blieb im Bette, ohne einmal aufzustehen und zu sehen, was für Wetter es sei. Hier ist der Schlüssel zu deines Grossvaters Charakter.

Polykrates. Erbherr auf Samos, tödtete seinen jüngsten Herrn Bruder, und den Bruder schickte er nach Sibirien, um allein auf Samos zu wohnen. Polykrates war der älteste. Alles, was er wollte, ward.

Ich versicherte meine Mutter, die sonst Stationes liebte, dass ich diese geschichte zur Noch wüsste, allein sie hatte, wie meine Leser es ohne Fingerzeig, so gut wie ich, merken werden, auf ihren Vortrag studirt. Bring mich nicht aus der Melodie, antwortete sie, dein Vater hat meinen Styl ohnedem ins B o c k s h o r n gejagt. Sonst pflegten h a h n und l a h n und s t a h n meine Busenwörter zu seinjetzt aber muss ich genau auf die Noten sehen, um nicht aus der Weise zu kommen.

Sein guter Freunddes Polykrates nämlichden das Glück seines Freundes nicht eifersüchtig, sondern besorgt machte, bat ihn sehr, er möchte doch Brunnenkresse zum Rehbraten essen, und nur etwas weniges sein Leben verbittern. Polykrates wirft seinen Ring ins Meer. Nach wenigen Tagen fäht ein Fischer einen ungewöhnlich grossen fisch, verehrt ihn dem hof und der Koch findet den Ring. Der gute Freund, der ihm geraten, sich unglücklich zu machen, kündigt ihm nach diesem Vorfalle seine Freundschaft auf, weil er keinen so glücklichen Freund haben wollte, indem er ein so grosses Unglück für ihn befürchtete, dass er ihm nicht würde beistehen können. So gesagt, so geschehen. Er fängt Krieg an. Seine Tochter warnte ihn, weil sie seinetwegen einen Traum gehabt