welchen Segen hat sie über uns ausgesprochen. Sie war schon lange wie tot, hatte lange sprachlos gelegen, da ich ihr aber unsere Liebe erzählte, bekam sie ihre Sprache wieder. Zacharias fiel mir ein mit seinem – "er soll Johannes heissen." Sie nannte dich Sohn. Das hätte sie in dieser Welt nicht das Herz gehabt, wenn ich gleich wirklich die Frau Pastorin gewesen wäre. Sie fühlte aber, wer sie war! Sie fühlte ihre Beförderung zum Engel. Sohn! Sohn! Sohn! sprach sie, als ob sie sich dabei was zu gut täte, und blieb im Segnen. – – Gewiss hat sie's mit himmlischen Worten fortgesetzt, was sie mit irdischen angefangen; und was sie in Schwachheit begann, geendigt mit Kraft. Gott schenk' ihr die himmlische Seligkeit, die sanfte, ewige Ruhe der Auserwählten! Auf ihrem grab will ich oft Rat holen, wenn ich in deiner Abwesenheit Rat bedarf – du musst noch oft, oft, – so schwarz, so nackt, so unbegrast, so unbeblümt es gleich da ist – (wer wird sich aber vor Staub, vor seinesgleichen fürchten?) oft musst du noch an ihr Grab mit mir wallfahrten. O Lieber! mir ist so – so – rings ums Herz, als wenn ich meiner Mutter bald folgen werde – und hätt' ich dich nicht – wie gern! wie gern! ich hätte diese letzten Zeilen gern weg! Aengstige dich nicht. Du kennst mich so gut, wie ich mich selbst kenne!
Du schreibst mir: "Schone dich! ich weiss, du bist in dein Leben nicht verliebt – schone dich meinetwegen!"
Junge! deinetwegen, deinetwegen, deinetwegen will ich leben, leiden und sterben! –
Da hab' ich ihn mit einem Griffe deinen lieben Brief, den ich aufsuchen wollte.
"O M i n e , wenn doch unsere Väter alle Nächte den Himmel observiren möchten. – Was war das für eine Nacht! M i n e – was für eine Nacht! M i n e , was für eine Nacht! Wie feierlich, zwischen elf und zwölf auf dem Kirchhofe zu sein! mit dir! mit dir allein auf dem Kirchhofe." – – Ich vergesse dieses z w i s c h e n e i l f u n d z w ö l f in meinem ganzen Leben nicht. – Die Alten sahen auf der andern Seite des Kirchhofs nach den Sternen, und ich? "sah dich – dich – dich – doch warst es du? Sag, warst du entzückt, oder warst du wie sonst? Ein Mondstrahl umleuchtete dich – ich stand im Dunkeln und sah ein Gesicht im prophetischen Sinne. – Nie hab' ich so was gesehen! du warst verklärt, und dein Gesicht war wie eines Engels Angesicht: so – so – wie ich dich nach der Auferstehung der toten sehen werde in alle Ewigkeit!"
W o z u d i e s e A b s c h r i f t ? – gleich, lieber Junge.
Gestern standst du in der Sonne! Sie beschien dein edles Angesicht – sanft und zurückhaltend war ihr Strahl, so als wenn Gott mit Menschen spricht. – Die Sonne blitzte nicht, sie hatte einen Augenschirm vor, und ich! kurz lieber Junge, wie es dir mit dem mond ging, ging es mir mit der Sonne; ich sah dich, ich kannte dich, allein du warst wie Moses, indem er vom Berge kam und mit Gott gesprochen hatte, und ein Gesicht voll Sonnenglanz mitbrachte – da dachte' ich: Sonne und Mond ist Mann und Weib. – Da sah ich uns beide im Himmel, dich in die Sonne, mich in den Mond gekleidet – ich weiss nicht, wie mir war! mir kam es so vor, dass ich bald stürbe, und dass meine Mutter ein Mondgewand in der Hand hielt, mir das Sterbehemde auszog und mich himmlisch einkleidete. Ich war in Wahrheit ausser mir! – das hab' ich noch behalten, dass es selig wäre, selig, selig wäre zu sterben – wenn du mit stürbest. – Gottes heiliger Wille geschehe! Oben wo sie angefangen hatte (das andere ist so voll geschrieben, dass kein Wort mehr Raum hat): Was haben wir nicht noch abzureden, ehe du gehst. Fünf Monate sind zu kurz, wenn wir von vier des Morgens anfingen und um neun aufhörten. Wie kommt's, dass wir nicht zum Worte kommen, wenn wir zusammen sind.
Dixi!
Und wenn gleich meine Mutter drei Hemde-Rubriken mehr während der Zeit erfunden hätte. Dixi!
Euch, gute Seelen, die ihr den Hänfling, den ein Bube aus dem Neste stahl, um ihn mit aufgeweichtem Brode zum Sklaven zu füttern, versteht, wenn er, seinem Kerker entflohen, auf dem benachbarten Kastanienbaume seinem Tyrannen Hohn singt;
Euch, gute Herzen, die ihr einer Pflanze die Wollust ansehen könnt, wenn der Gärtner sie aus dem Blumentopf in die weite Erde bringt, oder einen Feigenbaum, wenn der Besitzer in nördlichen Gegenden ihn vom Fenster in den schönen sanften Regen setzt; Euch wenigen E d e l n ! die ihr, wenn die Bohne in eurem Garten eine schwere Geburt hat, ihr nachhelft und die Schlauben abstreift, um ihr Luft zu machen, und die Blume, die der Sturm wie eine witwe beugt, mit tröstender Hand aufrichtet