denke' ich an dich. In der Kirche höre ich deine stimme unter hundert, und ich singe schnell mit, damit wir beide zusammen zu Gott kommen. Aus der ganzen Fülle meines Herzens bin ich dir gut. Bin ich nicht dein Weib, dein treues Weib, du Einziger, du Eva's Adam! Sag es mir tausendmal und wieder tausendmal, dass du mein Mann und ich dein Weib sei. Das lernt man immer schöner aussprechen, je öfter man es ausspricht. Wenn du es sagst, ist's mir himmlische Musik, Kirchengesang. – Jetzt sind wir nur beim lieben Gott bekannt. über ein Kleines oder über ein Grosses – mir ist's gleich, wird Gott uns auch unter die Leute helfen. Ich liebe deine Seele, und du die meinige. Du bist der Mann meiner Seele, und ich das Weib deiner Seele, sonst könnten die Engel mit uns nichts mehr zu schaffen haben. lebe wohl! – Zu Mann und Weib hat uns der liebe Gott gemacht, zum Herrn Pastor und Frau Pastorin müssen es die Menschen tun. Da ist das ganze Rätsel.
N.S. Z u r r e c h t e n H a n d . Das Pfefferkraut würde' ich zum Kraut der Liebe machen, so gut bin ich ihm.
N.S. Z u r l i n k e n H a n d . Warum hast du deinen letzten Brief so weitläufig geschrieben? Wenn du mir so gut nicht wärst, als ich weiss, dass du es bist, würde' ich mir Gedanken machen. Hab' ich es nicht von dir: "je kälter, je weitläufiger, wenn man Briefe schreibt." "Wer liebt, läuft immer über. Er kennt nicht Mass und Gewicht." Aber so bist du! auf deine Finger siehst du nicht, allein die meinigen sollen nicht trauern. Könnt' ich dann nicht dich und du mich lieben, wenn auch alle unsere zwanzig Finger in tiefer Trauer wären. Ich komme wieder aufs Vorige. Wer war es denn, der sagte, die natur liebt eben die Finger nicht weiss. Rote Wangen, starke hände, wo gesundes Blut durchscheint, ist Naturuniform: wer war es? Ich muss noch ein Stück Papier mit der Nadel anheften. – Lieber Mann, ein Naturmensch, wie du, sollte nicht auf weisse Finger sehen. Das nenn' ich! ich! ich! nenn' das schelten! Grüsse alle deine Finger von mir – sie sind meine Finger. Du bist ganz mein, ich ganz dein. Wir sind eins, ich habe deine Briefe unter meine Bibel gelegt. Erst Gott, und dann mein Mann. So gehört und gebührt es sich. – Ihr Männer, dünkt mich, seid zum Reden und zum Schreiben. Wir Weibchen zum Tun, und wenn's hoch kommt, zum Lesen. Das wirft du wohl finden, ohne das ich's nötig gehabt habe zu schreiben.
Sie an Ihn.
Wie du vom Alexander zum lieben Jungen erniedrigt, oder besser, erhöht bist! Unsere Liebe hat sehr gewonnen, jetzt da dein Vater den zweiten Diskant Schilde geführt. Gottlob! dass du jetzt Pastor wirst. So sind wir doch so sehr nicht auseinander. Lieber, lieber, lieber Junge! was meinst du? Die Regenten müssen sich doch auch zuweilen so nennen, wie wir, oder sie wissen nicht, was Liebe heisst, und dann sind sie ärmer, als wir, und ärmer, als alle Bettler in unserm dorf. Ich weiss doch auch, wie es einer Prinzessin zu Mute ist; allein ich tausche nicht mit der Königin Elisabet, da ich dich habe – und du nicht mit Alexander, da du mich hast. Wir würden jetzt schlecht Alexanderchen spielen! die alte Babbe würde die königliche Frau Mutter besser machen, als wir Alexander und Frau Alexander. Ausser der Liebe, das fühl' ich, ist alles Possen und Unwesen in der Welt. Du hast recht, ganz recht, "die Liebe macht gleichgültig gegen Ruhm und Glanz, allein gegen die Menschlichkeit nicht. Sie schränkt das Herz ein, allein sie erweitert es auch. Eins liebt nur eins, wie Mann und Weib, alle Menschen aber, wie Schwester und Bruder. Einen Verliebten, glaube' ich, kann jeder Mann betrügen, er hält alles für ehrlich, was ihm begegnet, die Liebe ist stark Getränk für die Seele. Sie betrinkt sich in ihr, und Verliebten geht's kein Haar besser, als Leuten die ein Gläschen über'n Durst getrunken haben. Es ist ihnen alles besser, wie zuvor. Sie sehen alles in den besten Jahreszeiten, alles im Junius." So weit du. Eine schöne Antwort auf deinen Brief. Ich schreibe ab, was du geschrieben hast. Mich dünkt aber – das ist die rechte Art für ein Weib. Sie ist eine Kopistin des Mannes, wenn sie schreibt. Denn diess ist ihr Fach nicht. Das war wieder eine Abschrift von dir, und überhaupt bin ich ganz nur eine Abschrift von dir. Du hast mir gestern geschrieben, dass ich deine Buchstaben nachmache, und dass sie mit der Zeit wie deine sein würden. Lieber Junge! ich leg' es nicht dazu an, ich mache sie nicht nach. Es kommt von selbst, ungebeten. – Ich lese deine Briefe mir ins Herz und in die Hand.