1778_Hippel_037_50.txt

auf die erste natur zurückgestimmt werden können, wo wir tausend und abermal tausend Dinge vergessen müssten, die wir jetzt wissen, dient das Schreiben zur Verfeinerung. Fühlt ihr also einen Ekel, die Früchte unterm Baum im Garten zu essen; schreibt Liebesbriefe, nur schreibt sie nicht aus dem T a l a n d e r , und wenn er auch nur seit vierzehn Tagen in Paris gedruckt wäre, sondern aus dem Herzen. – Hier haben Sie den Schlüssel zu den folgenden vier oder sechs Seitenich weiss nicht, wie viel es, wenn's gedruckt wird, betragen werdewenn Ihnen, Durchlauchtigste Prinzessin! gnädigste Gräfin! – diese Hausmannskost Blähungen macht, es sind, glaube' ich, auch eingemachte Sächelchen da. Finden Sie nichtsich rate zum T a l a n d e r , es tut nichts zur Sache, ob's französisch oder deutsch ist, ob's 1697 oder 1776 gedruckt ist, was Ihnen das Herz verdirbtihr aber, meine Lieben! die ihr schmecket und sehet, wie freundlich M u t t e r N a t u r ist, denkt von meinem Vorbericht, was ihr am Ende von allen Liebesbriefen denkt, die man nicht selbst geschrieben hat. Und hiermit fünf Briefe von meinem Minchen, nach der Anzahl der Feierhemden, die mir meine Mutter bereitet hat, wenn sie mir nicht jetzt, wegen der Fünfmonatfrist, wider Vermuten noch eins dazu legen sollte.

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Sie an Ihn.

O du lieber, lieber Junge! – Was hast du für eine gute Art zu schelten! Es ist so was Herzliches drin, dass ich es mit Fleiss auf ein Scheltwort von dir anlegen werde. Du bist ein ganzer Junge! ein Gott und sein Weib liebender Junge. Mein All, All, All, Alles bist du. Ich lese deinen Brief und schreibe' an dich beinahe alles zusammen. – Was kann aber die Liebe nicht! du schiltst, dass ich durch Nähen und Stricken hände in den Schooss legen? da würde' eine Närrin aus mir werden, obgleich ich jetzt dein Weib bin. – Was Klügeres kann kein Mädchen in der ganzen weit und breiten Welt sein, als dein Weib. Der Finger ist auch wohl behalten und heil, und sieht aus wieneu hätt' ich bald geschriebenwie zuvor. Er hat keinen s c h w a r z e n B a n d mehr. Die T r a u e r ist schon gestern abgelegt. Was willst du mehr? – Fast wünscht' ich, du möchtest noch mehr wollen, damit du schelten könntest. Schilt doch, lieber herzlieber Junge, schilt doch was rechts auf. – Die Musik war bei der Fingertrauer nicht verboten. S o l l i c h m e i n e D o r i s m i s s e n , kann ich dir so herzbrechend singen und spielen: du sollst's hören. Mein Vater wunderte sich über den schnellen gang in der Musik. Der gute Mann weiss nicht, dass ich eigentlich in der Schule der Liebe bin, und von ihr Klavierspielen lerne. – Gott im Himmel und dich in der Welt! Wie kann ich Gott lieben, den ich nicht sehe, wenn ich dich nicht lieben sollte, den ich sehe. Ich liebe Gott in dir. Es ist unaussprechlich, wie ich dich liebe. Du bist Gottesbote an mich. Gott gab mir dich. Meine Seele ist dein, und unsere beide Seelen sind Gottes. heute sehen wir uns; allein nicht g a n z , wir sprechen uns allein schwerlich drei Vierteil. Du müsst' es denn machen wie neulich. Deine Mutter braucht aber nicht alle Tage Pfefferkraut. Was ist doch die Liebe für eine Lehrerin? Wir sonderten uns vor aller Leute Augen ab, die mit uns gingen, und kein Mensch dachte Arges in seinem Herzen. Es fehlte nicht viel, deine Mutter selbst hätte darum gebeten, und das Beste war, wir fanden gleich so viel Kraut, dass wir Zeit genug hatten, uns viel, viel zu sagen. Findst du aber, dass es weniger wird, was noch rückständig ist, und was wir uns noch zu sagen haben? ich nicht. – Wir zahlen nicht einmal alle Zinsen ab; diese werden noch Capital. Wann wird uns Gott in Stand setzen, Capital und Zinsen richtig zu machen. Wenn du Pastor bist und ich Pastorin. Dein Weib bin ich lang. Gott und alle seine heiligen Engel waren auf unserer Hochzeit, und die sind ständig beinahe sichtbar um uns, wenn wir allein sind. Es kann nur wenig, sehr wenig daran fehlen, um sie von Angesicht zu Angesicht zu sehen. – Da kann man wohl mit Recht über den betrübten Sündenfall klagen. Ist's denn Sünde, so zu lieben, als wir? und liebt nicht Gott unsere Liebe? Seine heiligen Engel sind ja unsere guten Männer gewesen, und wir sind nicht so verbunden – (ich wollte nicht verheiratet schreiben, allein ich ärgere mich über den Anstand, den ich drüber genommen, und schreibe's zweimal hin) so verheiratet, wie die verkehrte Welt, sondern wie A d a m und E v a . Gott selbst hat uns getraut, und sag': hat je ein böser Gedanke dein Herz verfälscht? mir ist keiner vorgekommen. Je frömmer ich bin, je inbrünstiger