ich kam von meiner Mondsucht zurück. Mein Vater! antwortete ich –. Er hatte der Seele dieser frommen Alten mit einem andächtigen Zuspruch das Geleite gegeben, und selbst so etwas von Vollendung, von Himmel im Gesicht. – Er sah selbst selig aus. Seine Erzählung war mir neu, ob er gleich erzählte, was ich wusste, was ich sah. Nach dieser Entzückung in den dritten Himmel kamen wir aufs Irdische, und ich erzählte ihm, dass ich erst in fünf Monaten abreisen würde. Willst du, sagte er noch zu guter Letzt, eine Leichenrede – darf ich bitten, sagte der alte Herr. – Minchen bat mich nicht, ich entschuldigte mich, und gewiss hätt' ich beim Sommergetreide eingebüsst, was ich beim Wintergetreide, bei der Predigt, eingenommen und eingeerntet, wenn ich bei dem grab Minchens und meiner Mutter eine Leichenrede übernommen. Diess war wohl der grösste Beweis, dass mein Vater nicht wusste, wie es mit Minchen und mir stünde. Er hielt's ohne Zweifel für Alexander- und Dariusspiel. Mein Vater ging zu haus, ich blieb noch einen Augenblick zurück und ging mit Minchen ans Bett ihrer Mutter. Nie sah' ich die Aehnlichkeit, die diese Verklärte mit Minchen hatte, so klar als jetzt. Zwar ein Schattenriss, doch Minchen! und mir sollte grauen? – Ich nahm die mütterliche kalte Hand und rief sie zum Zeugen über mich, dass ich Minchen liebe und lieben würde. – Sie fahre über mich, sagte Minchen, so kalt sie da ist, wenn ich einen andern liebe, und tödte mich, wenn ich nicht Minchen liebe, jetzt und bis vor Gottes Tron, setzte ich hinzu.
Wir schieden diessmal von einander, als wenn wir probe stürben! So gerührt! so –
Mein Vater, der gute Mann, der mich bei meiner Mutter angemeldet hatte, war so gütig gewesen, ihr zu verschweigen, wo er mich und den B r a u n e n getroffen. Sonst war sie von den fünf Monaten und dass ich die Redeübung ausgeschlagen, unterrichtet und über beides erbaut. Die fünf Monate gaben ihr noch zu einer Rubrik unter den mitzugebenden Hemden gelegenheit, und meine abschlägige Antwort? – ich erzähl' es ungern, dass meine Muttter hieraus meine Gleichgültigkeit gegen Minchen, wie aus einmal eins eins heraus brachte. Liebe Mutter! die Liebe hält keine Reden!
Die fromme Alte wurde in aller Stille beerdigt, und ihr Grabmal war das heilige Kabinet, wo Minchen und ich in Liebesangelegenheiten zusammenkamen. Ein Engel mehr, sagten wir, der uns hört, ein uns so verwandter Engel.
Um meine Leser wegen der Rede schadlos zu halten, bin ich bereit, einem jeden, der hören will, eine von anderer Art vorzufechten. Liebe und Tod grenzen überall zusammen, im Roman und in der geschichte.
Ich bin der festen Meinung, dass jedes, was schreiben kann, wenn's liebt, auch Liebesbriefe schreibe, geschrieben habe, auch schreiben werde. Die Liebe ist eine völlige Opferung, eine Universalsocietät. Man gibt alles, was man hat, man tut alles, was man kann. Man sagt alles, was man weiss, die Autentica habita Cod. ne filius pro patre nicht ausgenommen. Ein Bauer kritzelt den Namen seiner G r e t e in den Sand. Die Harke ist seine beste Feder. Schrammt er ihn in Kürbiss, schmeckt ihm dieser am süssesten. Schnitzelt er ihn in eine Linde, schmatzt er den Saft aus, der aus den Buchstaben quillt. Grete steht überall, wenn er's bis zu fünf Buchstaben gebracht hat; wenn nicht, ist der erste Buchstabe des Vornamens sein. Er pflügt ein G, er springt ein G, er geht ein G – und G r e t e ? nennt ihn zwar H a n s , allein sie näht den ersten Buchstaben seines Zunamens ins Tuch, das sie ihm schenkt. H a n s F i c h t heisst ihr A d o n i s , und sie streut ihre Tannen ins F, und kommt sie an die Blumen der V e n u s , von der sie aber Gottlob! nichts weiss, an Rosen und Myrten, legt sie sie ins F. Selten weiss sie mehr als den ersten Buchstaben, allein den näht und streut sie – w i e g e d r u c k t . Sie sticht ihn mit Nadeln ins Eichenblatt, in alle Wenn nur eins schreiben, beide aber lesen können, Man kann nur füglich im Stehen oder Sitzen schrein e r t ; es kommt auf den Geschmack an. Die schönsten Früchte von der Spitze des Baumes (welche die Hand nicht ohne Verlängerungsstange reichen konnte; der Mund kann gar nicht heran), die schönsten Früchte werden ausgewählt, auf porcellanene Teller gelegt, mit Blumen und Blättern, die, wenn man lang am Tische sitzt, vor unsern Augen den Geist aufgeben und welken, geschmückt, und so auf eine mit Spiegelglas und Puppen gezierte Tafel gesetzt. – Hier tanzt man, dort ging man. Die gnädige Frau, die das Obst aus der Hand des lieben Gottes nicht vertragen kann, der's Blähungen macht, lässt's verzuckern und candisiren, und Mumien im ägyptischen Sinn daraus sieden. Pfefferkuchen ist ihr besser als Honig. Da man indessen sich heute zu Tage leider! fein sauber wäscht, anstatt dass man sich baden sollte, und wir unmöglich bis