du mehr, als diese augenstärkende, herzerfrischende grüne Tapete? Das Grasstück Wiese, und diese lebendige Wand, Wald; was hat die Erde herrlicher? Was war im Paradiese mehr, als Bäume und Gras? Und sieh nur jenen grossen Baum! Er stammt geradeweges vom Baum des Lebens im Paradiese. Wie herrlich er da steht, sich verbreitet und sich einbildet, deinen ganzen Garten befassen zu können! Lass ihn gross tun, diesen Baum aus so gutem haus, lass ihn gross tun! Es kostet ihm am meisten. Das Gras braucht Schatten und die Hecke Aeste, die ihr zu hülfe kommen. Sieh! Wenn dieser Lebensbaum ihr nicht unter die arme griffe und aushülfe, sie würde nicht bis oben zu die Mauer bedecken, die allem, was grün ist, so spinnenfeind ist. Auch würde die Sonne sonst dieser nur frisch gepflanzten Hecke das Kleid beflecken und es verderben, ehe der Herbst kommt und es Zeit ist. Klein ist dein Garten; allein merkst du nicht, wie alles sich bestrebt, sich darnach einzurichten? Die Biene sumset so laut nicht, um den Finken nicht zu stören, der deinen kleinen Garten sich zur Kapelle geheiligt hat, sein Morgenlied abzusingen – und wenn die der Welt abgestorbene Philomele deine kleine Einsiedelei entdeckt, was sollte sie abhalten, hier ihr Klagelied anzustimmen und diese Einsamkeit dem vögelreichen, lärmvollen wald vorzuziehen, welcher ihrer nicht wert ist! – nicht wert!
Sieh, wie der Sperling sich in der Stille paart, um durch sein galantes Zwitschern keinem gesitteten Bürger deines Gartens durch Ueppigkeit ein böses Beispiel zu geben!
G r o ss ist dein Garten dem Weisen, dem Guten, dem nichts zu klein ist, wie unserm Herr Gott! Einen so grossen Erdschollen als der Mensch zum grab braucht, hat er auch nur nötig. Froh zu sein! – Wie weit mehr hast du! Du und dein Weib können in diesem Gärtchen begraben werden und selig ruhen, und doch bleibt noch Raum für einen Menschenfreund, dem Philomele beistimmt, wenn er unsern Tod beweint!
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Eben ein Brief, dass meine Schwiegermutter ausser Hoffnung sei. – So stirbt denn alles, was gut ist! – Vielleicht bessert sie sich! Gott geb' es! – Meine Mine will den ältesten Sohn des Natanael, Alexander genannt, erziehen. Mag sie sich wissen! H i e r m i t l e b e t w o h l ! Das waren die Worte, in die mein Freund – – es griff. Jetzt, da ich auch ihn befriedigt, kann ich mit völlig entledigtem Herzen lebt wohl! wiederholen. Wenigstens habt ihr doch etwas von der a u f s t e i g e n d e n L i n i e , so dass Bild und Ueberschrift dieses buches zum kleinen teil erfüllt ist. – Sterb' ich in den sechs Jahren, gönnt mir die Ruhe! – Lasst, was ich euch gesagt habe, im Segen bei euch bleiben. Ich lasse euch den Frieden, ich gebe euch den Segen des Friedens Gottes, der höher ist denn alle Vernunft! Nicht geb' ich euch den Frieden, wie die Welt gibt, die mit ihrer Lust vergeht. Euer Herz erschrecke nicht ob dem grossen Gedanken vom Reiche Gottes und fürchte sich nicht. Weiter, lieben Brüder! was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach! Der Gott des Friedens sei mit euch und meinem geist! Amen! –
Legt es dazu an, Freunde! dass wir uns einst wiederfinden in der Versammlung der Guten, nach dieser Zeit Leiden, wo so mancher seine M i n e , seinen P o l d wiederfinden wird unter den Verklärten des Herrn!
L i e b e s h o l d e s M ä d c h e n ! schäme dich der Träne nicht, die dir entfiel! Deine Liebe zu dem Vertrauten deiner Seele war eine edle, gute Liebe. Du wirst ihn wiederfinden, deine Traurigkeit wird in Freude verkehrt werden. Du hast deinen Willen überwunden, der Welt halber, du hast über die Welt gesiegt, in welcher du Angst hattest! Sei getrost!
Auch du, k i n d e r l o s e r M a n n ! der du Kraft fühltest, dir Nachkömmlinge zu erwecken, der du jene astronomische Prophezeiung nicht zu hoch fandest, zähle die Sterne, kannst du sie zählen; also soll auch deine Nachkommenschaft sein! – Du in deiner Kraft durch den Weltlauf erstickter edler Mann, nimm Trost aus meinem Beispiel! Sieh! ich werde, ohne mich fortzupflanzen, versammelt zu meinen fruchtbaren Vätern. Kein Sohn wird bei meinem grab gegen Himmel sehen und sagen: Mein Vater! – Keine Tochter wird ihre hände ringen und meine Gebeine begrüssen mit einem: Ruht wohl! Und sieh Freund! Du bist weiblos, und ich habe eine Mine und sie hat mich! – Weib meiner Seele! Wende dein Auge, ich sehe' es brechen, wend' es! Ich bitte, ich flehe! Lass mich mit diesen Kinderlosen allein! Unser Pold sieht das Angesicht unseres Vaters im Himmel, der heute, nach einer so langen Dürre, regnen liess. blick' her, wie sich der Baum vor dem Fenster erholt hat. Unser Pold ist bei Gott. Die