Sieh! einige Blätter legen die Füsse zusammen, andere legen sich ganz zu. Alles anders, als wenn es wacht! Zweige beugen sich, als wenn du in dem Stuhl eingeschlafen bist. Wie schön alles eingeschlummert ist! Gute Nacht! lieber Mond.
Was meines Vaters teosophischen Ausdruck beUeber die Liebe sprach er gern und gewaltiglich. Meine Mutter hatte diese Liebessprache so zu HerDie Epistel am Sonntage Quinquagesimä hebt sich Wenn ich mit Menschen- und mit
Engelzungen redete und hätte
der Liebe nicht, so wär' ich ein
tönend Erz oder eine klingende
Schelle,
und schliesst:
Nun aber bleibt Glaube! Hoffnung! Liebe! diese drei: Die Liebe ist die grösste unter ihnen.
Am einundzwanzigsten Sonntage nach Trinitatis ging mein Vater, nach meiner Mutter Meinung, wie ein geistlicher Ritter gestiefelt und gespornt auf die Kanzel. – Herr v. G. Seliger hatte bemerkt, am Sonntage Quinquagesimä – wie ein Goldmacher. – Liebe ist die Firmelung der Seele, sagte mein Vater u.s.w.
Die heilige Eins meines Vaters ist uns bekannt, und seine heilige drei dessgleichen.
Man muss Gott, sagt' er, nicht verkörpern und den Menschen nicht vergöttern. Statt Leib und Seele, sagte er oft: Meine Physik und Metaphysik, und diese Ausdrücke sind noch in der dortigen Gegend gäng und gäbe bis auf den heutigen Tag.
Der Geiz sieht auf die Folge der Sache. Wenn andere spazieren fahren, denkt er, sie werden wieder zu haus kommen, und dann sind sie eben so klug, als ich, der ich zu haus geblieben. Ich könnte, denkt er, wenn ich wollte, auch traktiren, und gibt keinem Salz und Brod.
Mein Vater pflegte sehr artig die Christen aus diesem Gesichtspunkte des Geizes zu beschuldigen, die nur bloss bei ihrem Gutsein (doch wer ist das, als Gott?), bei ihrem Bestreben gut zu sein, auf die andere Welt sehen. – Er war kein Feind dieses Lebens, obgleich er mit einer seligen Fassung starb, und wirklich auch in der Hoffnung selig war eines künftigen Lebens.
Er ging mit der Sonne unter, wie ich schon gemeldet habe.
Er starb, sich vollständig bewusst, und nur in einer Stunde, in der er viel griechisch redete, schien die Einbildungskraft der Vernunft das Uebergewicht abgewonnen zu haben. Es währte indessen nicht lange, und alles war wieder an Stelle und Ort.
Er dachte an mich mit herzlichem väterlichem Segen.
Meine Mutter fragte ihn, ob es ihm leid täte, dass ich Alexander hiesse? Er lächelte. Gern, wie sie schreibt, hätte sie ihn wegen seines Vaterlandes und nach einer schweren Menge ihr unauflöslicher Dinge gefragt, wenn sie, wie sie anmerkt, Herz gehabt. Er sah so himmlisch aus, dass meine Liebe sich in achtung verwandelte, schreibt sie. Liebe frägt, fuhr sie fort; achtung merkt auf. Mein Vater starb mit den Worten: N i m m m e i n e n G e i s t a u f ! – Er verstummte nicht, schreibt meine Mutter, dieser treue Lehrer! Er blieb nicht im Worte. Der Geist vertrat ihn und half seiner Schwachheit aus. Man hörte ganz vernehmlich: N i m m m e i n e n G e i s t a u f ! Sobald er kalt war, sang sie das Pfingstlied:
Nun bitten wir den heiligen Geist
Um den rechten Glauben allermeist,
Dass er uns behüte! an unserm Ende,
Wenn wir heimfahren aus diesem Elende!
Kyrie Eleison!
* * *
Auch diess ist vollendet. Ein kleines Stück aus dem vierten teil! – Weit weniger, als ein Fragment!
Dass ich schon in Jerusalem bin, wo ich hinaufging, will ich noch kürzlich bemerken. Ich will ausdauern, aber wahrlich niemanden raten, ins Geschäftskloster zu gehen, um sich zu zerstreuen. – Lieber I – – es, lass dich nicht gelüsten!
Ein ehrbarer römischer Ratsherr liess sich aufs Grab schreiben: Hier liegt Similis, ein alter Mann, der doch nur sieben Jahre gelebt hat. Sieben Jahre lebte er in S i m i l i s H ö f c h e n – das andere von seinem Leben gehörte nicht ihm!
sechs Jahre, weniger fünf monat! Gott wird helfen! Amen!
Eben hat Mine mir wieder ein Pröbchen von ihrer Dichtungsgabe vorgelesen. Da ist es. – Es entält eine treue Beschreibung meines Festungsgartens, den sie spottweise A l e x a n d r i e n nennt. Meine Arbeitsstube geht in diesen Garten, so, dass ich ihn mir eigen mache.
Alexandrien.
Ist die Welt denn etwas anderes, als ein Vogelbauer, wo man sich herumdreht, und, wenn es recht lustig hergeht, Sprosse auf Sprosse abspringt? Klage nicht über dein Gärtchen, das rings umher mit Häusern umgeben ist, so dass dir nur nach oben zu freie Aussicht übrig bleibt. Gibts eine andere freie Aussicht, als die nach oben gegen Himmel? O die schöne Gipsdecke Gottes, so schön kann kein Künstler sie nachmachen! Alles können Maler und Zeichner nachbilden, nur den Himmel nicht. Wie kann man die Welt in eine kammer bringen? Den grossen Gott in ein Haus, wenn's auch einen Turm hat? Sieh dich um in deinem Gärtchen, sind die nachbarlichen Mauern nicht grün behangen, und so schön von der natur bewirkt, dass man die Festungsmauer ringsum nicht wahrnimmt? Willst