mehr kultur, je kleiner der Wirkungskreis! Es scheint, ein vernünftiger Mensch bilde sich ein, er sei so stark an Leibeskräften, als an Verstandesvermögen, und braucht keiner Gesellen!
Das schwerste ist, den Kindern einen Eindruck von Gott machen, ohne ihnen Gott zeigen zu können. Mit Gott in Gemeinschaft treten, ohne ihn zu sehen, ist schwer, und doch stehen wir uns selbst im Licht, wenn wir gewisse Begriffe nicht in der Jugend gründen, und allmählich einen Damm von dieser zur künftigen Welt schütten, die unsichtbar ist, wie Gott der Herr.
Meine selige Mutter hielt viel auf eine Lade. Jedes im haus hatte seine Lade. Ich auch die meinige. Mein Vater lachte darüber. Sie hatte dabei die Bundeslade in Gedanken. Schon das Wort war ihr heilig. Pold musste nichts verschliessen. Was hat denn Gott der Herr verschlossen, das wir brauchen?
Mein Vater pflegte zu sagen: Es wären fünf Wünschperioden beim Menschen:
Erstlich, Beinkleider.
Zweitens, Taschenuhr.
Drittens, Mädchen.
Viertens, Vermögen.
Fünftens Landgut! – Die fünfte Zahl, setzte er hinzu, ist bei dem Menschen nicht zu verachten, es ist die Körperzahl.
Meine liebe Mine, der das meiste auf diesem Blatte zugehört, will noch etwas mehr angefügt haben. Gern, liebes Weib!
Wie er klein war, sagte sie, liess ich ihn so lange schreien, bis er aufhörte, ohne ihn zu herzen und zu küssen. Nie hat er in einer Wiege gelegen.
Da ging ich mit ihm spazieren nach dem Berge, wo die Bäume so stehen, als stiegen sie den Berg hinauf. Es war ein schöner Abend! Pold sagte: wie die Engel auf Jakobs Leiter!
Pold ass nicht süsse Früchte; saure waren für ihn!
Da sah er einen Ast an dem Birnbaum geknickt, und nahm sein Strumpfband und band ihn an.
liebes Weib! Wem kann das alles behagen?
Nur noch, wie er starb.
Meinetalben! Herzlich gern!
Ich (mein liebes Weib nämlich) erzählte ihm viel von der seligen Mine, an die ich ihm, wie an eine Verwandtin unseres Hauses, eine Empfehlung gab.
Du wirst sie dort finden – sie wird dich aufsuchen. Auch sagte ich ihm, dass er keinen Bruder, keine Schwester mehr haben würde! Warum, liebe Mutter? Unser Nachbar und seine Frau haben sieben Söhne. Wir keinen, mein Kind! wenn du tot bist, keinen! Sag es Minen in meinem Namen, keinen! A u c h i n V a t e r s N a m e n ? fragte Pold. – Ich stand an über diese Frage. Ja! erwiderte ich, auch in Vaters Namen! Hab' ich zu viel gesagt? Nein! liebes Weib, auch in meinem Namen! – Meine Mutter hatte nur mich! – Gottlob! dass sie dich behielt! sagt und schreibt Mine.
* * *
Mine wollte, dass ich Polden nach preussischer Manier begraben lassen sollte; allein ich tats nicht, sondern liess ihn einen Morgen bei Sonnenaufgang begraben. Ich begleitete ihn mit einem meiner Freunde, den ich an diesen Ort bestimmt hatte. Sie weiss, wo er ruht, und noch heute hat sie Muttertränen auf sein Grab geweint. – Weine nicht, Mine! – Weine nicht!
Gott, was ist das Leben?
Eben eine Antwort von unserer Mutter und ihrem Gemahl. Sehr verschiedenen Inhalts.
Zwar auch er scheint den Fall zu Herzen zu nehmen, der ihm so viel Gelegenheiten zu Freudenfesten genommen. Da er ihm aber doch ein Trauerfest verleiht, scheint er sich zu finden. Complimente machen kalt. Man löst sich ganz in Worten auf, und in abgemessenen Verstummungen. Wer es zu Worten bringt, ist getröstet: so wie ich es jetzt unendlich mehr bin, als zuvor. – – Ein Complimentist ist ein Klugredner! Meine liebe Mutter, Gott, was hat sie gelitten! Das Wort Sohn! gilt sonst nicht um die Hälfte so viel bei der Grossmutter, als der Mutter. Die Grossmutter rechnet auf seinen Schutz nicht. – Pold aber war das einzige Grosskind, und seine Grossmutter war die Frau v. W. Soll ich aufhören, Grossmutter zu sein? schreibt sie und ringt die hände; schriftlich ringt sie die hände. Es ist ihretalben zu fürchten – Isaak! der Eineinzige! – Ei du frommer und getreuer Knecht, schreibt die gewesene Grossmutter, du bist über wenig treu gewesen; ich will dich über viel setzen! Diese Worte, so anstössig sie wegen des Knechts scheinen, beruhigen mich doch auf eine unbeschreibliche Art; ich fand sie so treffend. – Beim Trost muss man jede gelegenheit benutzen, die ohnedem immer wie eine Sibylle ihre Waare ausbietet. Wer nicht zugreift, verliert die Hälfte davon und muss die andere Hälfte doppelt bezahlen.
Da der Mensch immer leidet, so hat auch Gott der Herr dafür gesorgt, dass er auf trostergiebigem Boden wandelt. – Der Trost hält Stich, wenn man alle zerstreute Züge in einem Brennpunkt zu vereinigen sucht. Er ist wie die Schönheit, die hässlich wird, sobald man sie zergliedert. Das dressirteste Pferd stolpert unter einem schlechten Reiter, und auch den härtesten Stein weiss der Künstler so weich darzustellen, so warm zu machen, dass man glaubt, es sei Blut in ihm.
Liebe Mutter! liebes Weib! fasst euch! wir werden zu ihm kommen! – Seht nicht auf die