! Man sieht den Meister; allein es bedarf Ausarbeitung. Diess sind allgemein verlautbare Klagen, die, nachdem das Blut aufschlägt, oder wieder fällt, angestellt werden. Es gibt ein besonderes Licht, wenn die Nacht sich mit dem fernen Sternenlicht kreuzt. Das ist das treue Bild unseres Wissens, unseres Weissagens und unserer Hoffnung, welches die göttlichen Kabinetsbriefe, geschrieben auf Gottes allergnädigsten Specialbefehl, durch Männer, getrieben vom heiligen Geist, uns erteilen. Diess ist das Sehen durch einen Spiegel in einen dunkeln Ort. – Das Regale der Vernunft ist zu zweifeln; der geoffenbarten Kinderlehre zu glauben. Gott helfe meiner Schwachheit! Amen!
Pold war nicht kindisch, sondern kindlich. Ein paar Worte, bei denen meine Mutter einen himmelweiten Unterschied fand.
Es war ein lieber, sehr lieber Junge. Weiss und rot, Lilien und Rosen! Oft in Gedanken! Was hast du kleiner Mensch zu denken? Statt einer Antwort lächelt er.
H o m e r und M i l t o n und all' ihr Menschenleser! – ihr seid alle zu früh gestorben, denn ihr habt keine F i b e l geschrieben! Wie sehr ich diess Werk bei meinem Pold vermisst, ist unaussprechlich. Welch ein grosser Geist wird einst die Kindlein zu sich kommen lassen und sie nicht zu klein finden, denn ihrer ist das Reich Gottes! – In solche schulen zu gehen würde so viel heissen, als eine Promenade ins Paradies machen. Jetzt haben sich auch hier Staatsgrundsätze eingeschlichen, und jedes Kind wird jetzt schon an eine Kette gelegt, als ein beissiger Hund.
Mensch, ist denn diess das Reich Gottes? Wahrlich! ich sage euch, wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Reich Gottes eingehen!
E t w a s von Aehnlichkeit haben die Kinder auch von unmittelbaren Eltern. Dieser Aehnlichkeitsflecken ist oft sehr versteckt. Mein Vater fand ihn sehr öfters in den Nägeln an den Fingern. – Die probe dürfte meistenteils richtig sein.
Gottlob! dass ich P o l d e n nicht ins Treibhaus gebracht! Was hätt' es ihm geholfen, wenn er zu decliniren und zu conjugiren gewusst? Er ist zeitig reif worden, sagt meine Mine! Er wird es werden, meine Liebe!
Gedankenwerk ist Fachwerk – Bildung der Vernunft ist eigentliche Erziehung und Seelenbeschäftigung. Mein Vater hatte die Gewohnheit, über den: Kyrie eleison! auszurufen, der nicht griechisch verstand. Warum, lieber Vater? Er gab, so klein ich war, alle Tage ein griechisch Wort zur Parole aus.
Warum, lieber Vater? Wenn P l a t o nichts anders als griechisch weiss, kann mein Pold kein Wort mit ihm wechseln. Gewiss wird er nicht beim Griechischen geblieben sein! – Mein Vater sagte, die hebräische Sprache sei die metaphysische, die deutsche die philosophische im allgemeinen Sinne; die französische die witzige, die englische die dichterische! Die englische die Genie-, die französische die Geschmackssprache!
Ich überliess P o l d e n , wo ich nur wusst' und konnte, der natur und entfernte ihn so wenig von den Kindern gemeiner Leute, dass ich ihn vielmehr in ihre Art kleidete. Sein Anzug war nur durch inneren Wert, auf den kein Kind sieht, unterschieden. –
Warum wie ein Holländer, wie ein Engländer, wenn man in Liefland wohnt?
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H e r a u s schrie Pold einmal, da mein Schwiegervater kam, und alle Jungens traten ins Gewehr. Wie hoch diess Herr v. W. aufnahm, kann ich nicht aussprechen! Seine Mutter hatte ihm unfehlbar gelehrt, den Bohnen nachzuhelfen, und sie von den allerersten BlätBesonders! Pold selbst pflanzte nicht, durchaus Ein Kind muss in seinem irdischen Vater den Er war sehr geneigt, für sich zu sein. – Oft hab' ich Einen guten Mittag, da er noch jünger war, trat er tersuppe und den Braten und den Kuchen! Kuchen nicht! Gestern hatten wir Kuchen, und gestern hab' ich auch dafür gedankt!
Die Mutter wollte haben dass er die hände unter die Decke beim Schlafen legen sollte; allein er schlief nie anders, als die hände frei und über der Decke.
Aus Händefalten war er schwer zu bringen! Er hatte einen Gefangenen an Händen geschlossen gesehen. Sind wir denn des lieben Gottes Gefangene, sagte er, dass ich die hände schliessen soll? Wir sollen beten und arbeiten, sagte ihm die Mutter, darum zeigen wir dem lieben Gott die hände. Das gute Weib hatte diese Erklärung freilich nicht selbst erfunden. Sie war für Polden beruhigend; er faltete die hände. – Im Schweiss deines Angesichts sollst du dein Brod essen, ist das beste Recept für alle Krankheiten.
Wie ich noch ein kleines Mädchen war, sagte der Kleine bei einer Erzählung, und meinte die Zeit, da er noch im langen Rocke gegangen.
Die Mutter liess ihn nur acht Stunden schlafen. So lange soll er schlafen bis er acht Jahr ist, und nach der Zeit sieben Stunden. Sie hat Recht, dass man eben sowohl zu viel essen, als zu viel schlafen kann.
Einen Tag kam ich vom feld, und Pold hatte das Bild der seligen Mine mit den ersten Blumen so bekränzt, wie eine Braut, sagte der Kleine, und sprang herum.
Die Geselligkeit ist nicht die Folge einer aufgeklärten Vernunft. Je klüger der Mensch, je weniger teilnehmend, je weniger gesellig ist er. Je