a n t e s habe nur Hebammendienste verrichtet und den Druck besorgt. – Wäre mein Buch also ein Roman, warum sollte ich es zurückhalten? Was Philipp III, Könige von Spanien, anstand, kann sich ja wohl ein Major mit einem abgeänderten Buchstaben im Namen gefallen lassen!
Seht ihr aber, ihr Romanhelden! seht ihr nicht in meinem buch das gemeine Leben? Ist der Geist wahr, wie er denn wahr und wahrhaftig ist, was kümmert euch der Leib? Ein König von England sagte über einen Betrunkenen, der sich Freiheiten gegen ihn herausnahm, die den übrigen, die zu Tische sassen, nicht wohlgefielen: Lasst ihn! ein Betrunkener ist mein College! Wer geizig ist, um zur rechten Zeit drauf gehen zu lassen, kann der geizig heissen? und wer seine Zinsen verzehrt, ohne den Hauptstuhl anzugreifen, ist das ein Verschwender? Wo Holz gehauen wird, fallen Späne! Sparpfennige sind wie gute Feueranstalten, um gleich zu löschen, wenn es brennt!
Ich fühle es, Freunde! Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, fortin ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, nicht allein aber mir, sondern allen, welche die Erscheinung, welche den Advent des Reichs Gottes lieb haben! – – Komm, du schöne Freudenkrone!
Der zeitlichen Ehre will ich gern entbehren! – Du wollest mir nur d i e e w i g e g e w ä h r e n , und wenn ich mir noch etwas zur gefälligkeit erbitten darf, zeichnet mein Buch nicht durch Falten; könnt ihr nicht ohne Merkmal finden, wo ihr geblieben, nehmt Denkzettel! Solltet ihr euch aber auch nicht ohne die behelfen können? Ich habe keinen Sand auf das Manuscript gestreut, es ist durchweg durch die Sonne getrocknet! Und solltet ihr nicht ohne Zeichen lesen können?
Gott grüsse euch! lieben Leser und Leserinnen! und lasse es euch nie mangeln an irgend einem Gute, das heisst: Er lasse es euch selbst erkennen, wie wenig der Mensch braucht, um alles zu haben!
Wenn ich zum vierten und fünften teil schreite, sehen wir uns wieder. Ist's gleich nicht so nahe, sehen wir uns doch. – Da kommts nur aufs Auge an. So wie ich meinen Tod wünsche, so plötzlich nehme ich Abschied. Lebt wohl!
Geschrieben zu – l –
Von Tr – –1
Aus! Alles aus! Amen! Amen! Auf ewig lebt wohl, lieben Leser. Mein Leopold ist hin! – Sanft und selig ehegestern, den sechsundzwanzigsten März, des Abends um sieben Uhr. – – Bis heute konnte' ich kein Wort, und heute, was werde' ich können? Wenig oder gar nichts! Wie ruhig Pold starb! – Es war ein lieber, lieber Junge, einen Himmelszug um die Augen, welcher laut lehrte, Pold sei nicht von dieser Welt, sondern von jener! Fass' dich, armes liebes Weib! Wir werden alle sterben! Gott gebe, sanft und selig, wie Pold uns vorstarb! Kinder, die den Eltern gar nicht ähnlich sind, sind Gottes Bild, gehören ihm; Pold glich weder meinem weib, noch mir. Er ruhe wohl! wohl! – –
Geschrieben den neun und zwanzigsten, eben da es sieben schlägt. Polds Sterbestunde!
Mein Pold ist beerdigt, und ich bin gefasster, als den neunundzwanzigsten um sieben Uhr Abends. Ich hoffe, dass ich Kraft haben werde, etwas von ihm zu schreiben. Nur eine Handvoll! – Ich hab' ihn in dieses Ihr guterzig Rachsüchtigen! ihr Edelgestrenge, die Wenn dir ein Sohn stirbt, –
Erfüllt! Aber, Mine, ich habe nur den Einzigen, kann nur einen Einzigen haben! Nimm ihn hin! Gott, dein Wille ist geschehen!
Ich habe geendigt! Mein schriftlicher Lebenslauf ist zum Ende! Auch ich bin es; ich bin auch zu Ende! Mein Weib zu Ende! Alles! Amen! Amen!
Ich kann nicht weiter, – so gern ich meinem Leopold parentirte. Es ist spät! Spät oder früh! Ich schlafe keine Minute diese Nacht!
Des Abends um elf –
Da ich heute den Tag, des Morgens um sechs Uhr, lese, was ich ehegestern, des Abends um elf Uhr, geschrieben, find' ich schon der Parentation Anfang, Der liebe Junge! so gern wollt' er ins Buch! Komm herein, du Gesegneter des Herrn, warum stehst du draussen? Deine Wünsche sollen erfüllt werden; die meinen bleiben unerfüllt. Ich wollte, dass du meinen Lebenslauf ergänzen, und wenn zwischen jetzt und meiner Sterbestunde sich noch ein Fall ereignete, der wert wäre in einem Postscript aufbewahrt zu werden, dass du ihn verzeichnen möchtest. Ich trug du eine Durchsicht auf, so wie du sie vor deinem Gewissen zu verantworten gedächtest. – Du bist vollendet! Du bist bei Minen! – Da ruft deine Mutter, deren Schmerz lange stumm war, so, dass diess Ansichhalten meine Seele betrübte: "Süsser Mondstrahl! Kommst du von Minen, kommst du von Pold? O bringe mich, bringe mich zu meinen Lieben! – Hinauf, hinaufleuchte mich, wenn diese Augen brechen. Dort oben, wo Ruhe ist!"
Wie bald ist's mit unsern Vergnügungen geschehen! Schnell, wie der Schnee auf der Strasse, schmelzen sie weg und ihre Stätte ist nicht mehr! – Diese Welt ist erster Wurf