dem Bengel, der mir schon so oft gallenbittere Stunden gemacht, auf seine unbedeutende, herausgegohrene Nase, damit er das Stecken in anderer Leute Händel aufgebe und seine eigene Haustafel lerne, wo Rechenmeister, nur er nicht, wie am Pasquin, mit dürren Worten gelten haben: Land- und Leutebetrüger! O du Mückensauger, Kameelverschlucker! Lederdieb, um ein Paar Pantoffeln zu fertigen, das du dem Bettler gibst, wenn er nämlich eine Rohrdommelstimme hat und in allen Strassen singen kann:
Es ist das Heil uns kommen her!
Ich kenne dich – – mit deinen Klauen kenne ich dich, Raubvogel! und könnte ich diese Klauen einem klugen Physiognomisten in copia vidimata senden, er würde ex ungue nicht leonem, sondern – – kennen, und sie zur Warnungsanzeige drucken lassen, allen, die Gottes Finger und Menschenfinger kennen. Du, ein ärgerer falscher Zeuge, als Johann Peter Beifuss und Martin Jakob Kegler, um du! bist mein A l e x a n d e r S c h m i d t , der dem ehrlichen Petrus viel Herzeleid zufügte und seinen Werken und Worten oft widerstand! Gott vergelte dir nicht nach deinen Werken, sondern schenke, wenn's möglich ist, dir schwarzes Haar im Bart, und statt der Nebucadnezarnägel menschliche – wenn es seinem heiligen und allezeit guten Willen nicht zuwider ist.
Gott weiss am besten, mit welchem schweren beklommenen Herzen ich dieses Buch geschrieben! Menschentreffer werden es ohne Wegweiser finden, und ich sollte noch obenein mir von diesem oder jenem weib, wenn ich in erlaubter Entfernung am Kaminfeuer stehe und mich wärme, ins Gesicht sagen lassen: w a r e s t d u n i c h t E i n e r ? – –
D e i n e S p r a c h e v e r r ä t h d i c h ! Ich mag nicht klätschern am Kaminfeuer, Rede stehen und Gecken das Verständniss öffnen, dass sie die Schrift verstehen. hören sie Mosen und die Propheten nicht, so werden sie nicht glauben, wenn einer von den toten auferstünde und das Reich Gottes predigte, welches nicht bestehet in Essen und Trinken, sondern in Liebe und Freude im heiligen Geist! – Kann wohl auch der Geduldigste die so boshafte Art, womit man Köpfen begegnet, ertragen? Kann er, wenn sein Name in allen Landen bekannt ist, einem MelchisedechsSpottworte in seinem Lebenscirkel ausweichen? Gern sehe ich Wahrheit sich mit Kritik herausfordern; allein nicht pöbelhaft balgen!
Ein Burschenvivat oder Pereat ist nicht für mich. Ich verbitte beides! Und wer kann beidem entgehen, wenn man weiss, wo ich des Abends Licht brenne? Wenn nun an auch jetzt ein verzogener ungenannter Bube, der auf der Landstrasse die Vorbeigehenden mit Schneebällen wirft, die er alle in seiner Hand gedrückt und gedrängt hat, eins auf mich abfeuert, lasst ihn doch, diesen Prophetenknaben, ohne ihm die Rute zu geben! Er ist zu petulant, um von ihm sagen zu können: Der Herr hat's ihm geheissen! Ist's doch auf der Landstrasse, wo man mich auch nicht kennt. Ich sollte! – Nein! Das Bübchen wird seinen Schulmeister schon finden und das Birkenreis, wäre es auch ein Revisor!
Was willst denn du mit den kleinen Steinen? Könntest du sie schleudern wie David, und wäre eine Goliatstirn dir zu Diensten, so wär's eine Sache! – David hob anders seine kleinen Steine, wie du; und alle ihr! die ihr voll Wut das Strassenpflaster zerstört und Steine nehmet, mich steinreich pöbelhaft zu überfallen, steinigt! Wisst, ich sehe den Himmel offen, und einen, der meinen Geist aufnimmt! Grabt mir Gruben! Ich singe mit meiner Mutter:
Wenn wir geschlafen haben,
Wird uns erwecken Gott. –
Und mit meinem Vater aus seinem Lieblingsliede, wo er zuerst den zweiten Discant anstimmte:
So ging's den lieben Alten! –
Ich werde nicht sterben, sondern leben bleiben – – Nur dann, wenn das wasser gerädert wird, wenn man es aufhält, macht's ein Geschrei. Was tue ich euch? Roman? Und wenn es denn einer wäre! Freilich bekam es dem guten Bischof H e l i o d o r u s nicht sonderlich, dass er in seiner Jugend einen Roman geschrieben, der noch unter dem Namen Aetiopica, wenn nicht blüht, so doch vorhanden ist. – Seine Herren Amtsbrüder sahen, dass sich junge Leute diesen Roman kauften und verlangten, dass der Bischof entweder diesen Roman öffentlich wie einen Sodomiten verbrennen oder seine Mütze abnehmen sollte. Der Schriftsteller liess die Mütze fahren. – Gott sei gelobt! Ein Bischoftum habe ich nicht zu verlieren, und wer es genau nimmt, wird finden, dass alles in der Welt Roman sei. Hat je ein grosser Herr das gemeine Leben, so wie es da gemein ist, gesehen? Wer kennt die Stadt, den Berg, das Tal aus der Beschreibung, wenn er an Stelle und Ort kommt? C u r t i u s hat es nur ein klein wenig zu grob gemacht; welch ein Geschichtschreiber indessen hat ihn nicht in der Schule übersetzt? Man behauptete zu seiner Zeit: P h i l i p p I I I , K ö n i g v o n S p a n i e n , sei Autor des Don Q u i x o t e , und C e r v