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Willst du erlauben, lieber Herr α, dass ich dich ganz deutlich ins Gesicht frage: Verstehst du auch, was du liesest? Wenn meine Mutter nicht eine Originalchristin ist, möchte ich sagen, gibts kein Christentum!

Biblische Worte und Wendungen. Ist denn die Bibel nicht wert, dass man ihr nachspricht? Fehlt es ihr wo an Lebensart, dass man sie nicht in Gesellschaft nehmen darf? Und die wohlgemeinte luterische Uebersetzung, kommt sie nicht von Herzen und geht sie nicht zu Herzen? Wir haben schon anders den Grundtext, und wer steht uns dafür, dass Man Luters Bibelübersetzung in der christlichen hochdeutschen Gemeine nicht verbietet; wird sie aber darum das Kindliche verlieren? Und haben nicht selbst einige dieser neuen Uebersetzer Luters Stern und Kern, wie meine Mutter sagen würde, im Segen benutzet? Von einigen Stellen sollte man fast glauben, Christus, der Herr, würde solch Deutsch geredet haben, wenn er diese Sprache bei seiner Amtswanderschaft auf Erden gefunden. Ist die Bibelsprache zu erhaben? zu heilig? Sollen Was macht die U n g n ä d i g e ? fragte ich jüngst, g e h t h e r u m n a c h 1 P e t r i 5 . V . 8 . Und diesen silberharigen Greis, diesen Mann Gottes, sollte ich seines 1 Petri 5. V. 8. wegen ansehen, wie Cain seinen Bruder Abel? weil er nicht, wie seine Amtsbrüder, am Wort und an der Lehre hält, weil er nicht mit jedem v o n und jedem u n d Abgötterei treibt, das in der Bibel steht? A n i h r e n F r ü c h t e n s o l l t i h r s i e e r k e n n e n ! Du sollst nicht andere Götter haben neben mir, spricht der Herr, und aus diesem Herrn ist unser Vater worden, nach dem Unterricht des, der gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, was durch Uebelverstand verloren war. Ich habe nichts dagegen, wenn Natanael sich in den Pandekten den Titel de verborum significationibus bekannt macht; was ist aber Bild und Ueberschrift, wenn Barren da sind?

M e i n N a m e ? Was tut denn der zur Sache? Muss man durchaus in Kupfer gestochen sein, wenn man ein Autor ist? Und muss der Herr Kunstrichter, um sein Mütchen zu kühlen, noch den von Angesicht zu Angesicht kennen, den er mit Lob oder Tadel misshandeln will? Du sollst keine person ansehen noch Geschenke nehmen! Geschenke machen selbst die Weisen blind und verkehren die Sachen der Gerechten. Was recht ist, dem sollst du nachjagen. Kannst du denn nicht loben, Elender, als ins Gesicht? D e r N a m e ? Bin ich denn anders, seitdem ich Alexander Seht! ich hab' es dazu nicht angelegt, dass diese Nur drei wissen meinen Namen, und Einer ist's, an Ich trinke lieber mit meiner lieben Mine und meiG e i s t gelegenheit geben sollte!

Christus der Herr verbot seinen Jüngern alles Studiren: Es wird euch zu der Zeit schon alles gegeben werden! Diess ist eine Regel, die mit goldnen Buchstaben angezeichnet zu werden verdiente, über alle Biblioteken in der Welt! – über alle Autortische!

Es ist sehr natürlich, dass man sich wundern werde, wie ich. selbst nicht an Stelle und Ort bekannt worden, und bis jetzt allen feurigen Pfeilen der Bösewichter, auch der im Dunkeln schleichenden Anekdotensucht, so ritterlich entgangen.

Obgleich ich nun eben nicht nötig hätte, eine Polemik, ehe mir dazu gelegenheit gegeben wird, diesem tetischen Werke anzuhängen, und eher zu antworten als ich so naseweise gefragt worden; so habe ich lieber so viel Anstosssteine, als ich nur sehen konnte, wegzuräumen, als sie im Wege zu lassen mir in dem Herrn vorgesetzet.

Wisse also, Opponens doctissime! dass Mitau zwar nur sieben Meilen von Riga liegt; allein diese sieben Meilen sind in Absicht der Sitten und Gebräuche nicht sieben, sondern siebenzigmal sieben. Es ist zwischen beiden Städten eine so grosse Kluft befestigt, dass die da wollten, konnten nicht. Wer liest in Curland? Wahrlich wenig sind, die diesen schmalen Weg finden. – Herr v. G. ist tot! Also hätte ich mir Curland mit leichter Mühe vom Halse geschafft.

An Ort und Stelle habe ich dreien braven Leuten, wie oben bereits gesagt worden (der Organist in L. würde sagen, dreien getreuen Nachbarn und dessgleichen), das geheimnis entdecken müssen. Die guten Herren lasen, und schon beim dritten Blatte des ersten Teils waren sie mir so zu dach, wie der Inspektor es nur immer sein konnte. Das sind Sie ja mit Leib und Seele! Nun ja doch! Ich bins! Allein für jeden nicht! – Was braucht ein Vierter und Fünfter den Ringschlüssel zu tragen, und warum soll ich jedem Gecken erlauben, in meinem haus gemächlich zu tun? Kann ich denn nicht auch, wie Herr v. G. der Selige, auf meinen Degen schlagen, wenn der Krippenritter nach dem Schlüssel zum Gastzimmer und Stall fragt?

Behalte es bei dir! du mir liebes Triumvirat! bei dir! und wenn der – – mit dem roten Bart, her immer wasser auf seine Mühle sucht, seine Nase in euren teuren Rat (denn guter Rat ist teuer!) steckt, schlagt